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Deutsche Nachrichten 1946 Nr 45

 vom 2. Dezember 1946

Deutsche Nachrichten 1946 nr 45

 fra 2. december 1946.

 
  •  Wochenschwatz #1.
  • Hoffnung lässt den Mut nicht sinken von Johann Götz, Knivholt. #13
  • Warum Atomforschung? von Klaus-Werner Sieloff, Oksbøl, #23. Antwort: #25
  • Ein Kleinbauer schreibt. von Johann Szonn, Kløvermarken #31
  • Etwas über die Fürstenabfindung Werner Losert, Oksbøl #43. Antwort: #46. Wochenschwatz #1.
  • Hoffnung lässt den Mut nicht sinken von Johann Götz, Knivholt. #13
  • Warum Atomforschung? von Klaus-Werner Sieloff, Oksbøl, #23. Antwort: #25
  • Ein Kleinbauer schreibt. von Johann Szonn, Kløvermarken #31

  • Etwas über die Fürstenabfindung Werner Losert, Oksbøl #43. Antwort: #46
  • Ugens passiar
  • Håbet gør, at modet ikke synker
  • Hvorfor atomforskning?
  • En husmand skriver

  • Noget om fyrsternes erstatning
     1 Wochenschwatz von Jochen Spatz
          Liebe Landsleute!
         Ob man in Deutschland Arbeit bekommt? Warum nicht? Wenn man bedenkt, wie unsere Städte aussehen, sollte man meinen, da gebe es auf absehbare Zeit für jeden zu tun, der nicht krank oder arbeitsscheu ist. Von der Kohle bis zur Sicherheitsnadel, von der Rasierklinge bis zur Nähmaschine, vom Kraftwagen bis zum Laufkran, vom Brot und Bier bis zum Buch, vom Bett bis zur Seife und zum Kunstdünger, vom Elektromotor bis zum Augenglas fehlt uns alles, was uns als Kulturvolk das Leben zwischen Kulturvölkern erträglich und möglich macht; garnicht zu reden von Wein, von Schiffen und Opernhäusern.
    3  Da sollte es keine Arbeit geben? Das wäre zum Lachen -- zum Tränenlachen. Denn es gebe ja für den Arbeitsmangel nur einen einzigen Grund: Dass man uns nicht arbeiten lassen wollen. Und diese Befürchtung ist nach den Reden der Staatsmänner, die über Deutschlands Geschick mit dem Rechte des Siegers entscheiden, hinfällig. Alle sagen sie, dass wir arbeiten müssen, dass man uns erlauben müsse, mit unsere Hände und unserer Köpfe Werk für uns einzustehen. 
    4         Freilich dürfte der Übergang vom Kriege zum Frieden, vom Chaos zur Ordnung nicht leicht für uns werden, weil es an allem fehlt, an Grundstoff und Werkzeug, an Werkräumen und Arbeitskraft. Denn dieser unselige Krieg hat zuviel verschluckt. Seine Nachwehen quälen uns hart. 
           Unsere Wirtschaft liegt am Boden. Alle Betriebe sind unzulänglich beschäftigt. Viele liegen noch völlig still. 
    5       Und trotzdem mangelt es heute schon überall an geeigneten Arbeitskräften, vor allem an Facharbeitern. Bergbau, Bauwirtschaft, Metallgewerbe, Landwirtschaft, Handel, Verkehr, alle laufen sie viel zu langsam. 
            Als ich in Deutschland war, habe ich mit einem Freunde gesprochen, der Leiter eines grossen Arbeitsamtes ist. Er klagte sehr über den Mangel an tüchtigen Arbeitskräften. Und so wie ihm ergeht es den meisten Arbeitsämtern. Alle haben mehr offene Stellen, als erwerbslose Facharbeiter in ihren Karteien verbucht. Woher das kommt? Zum Teil aus der Arbeitsunlust, wie sie nach jedem Kriege in Erscheinung tritt, teils aus plötzlich überflüssig gewordenen enttäuschtem Heldentum, teils aus Erschöpfung oder auch aus einer Verzweiflung, der jede geregelse Tätigkeit als sinnlos erscheinen lässt. 
    6       Viele Männer finden an der Unregelmässigkeit des Kriegerdaseins Gefallen. Sie lassen sich nur zu gern aus ihrem Alltagstrott reissen und scheuen nach ihrer Entlassung vom Heeresdienste vor geregelter Tätigkeit zurück. Vor allem solange man noch auf anderem Wege sein Auskommen finden kann. Mag dieser Weg oftmals auch schmählich sein, wie in Schiebertum und in Schleichhandel, er findet seine zahlreiche Mannschaft. 
    7         Andere Ursachen stossen hinzu und steigern die Nachfrage nach geeigneten Arbeitern. Sehr viele Leute werden zur Zeit mit Dingen beschäftigt, bei denen man keine Güter erzeugt. Die Militärbehörden binden einen grossen Teil der vorhandenen Arbeitskräfte. Die Wohnungsnot trägt dazu bei, enen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu erschweren, denn es gehört heute schon Mut dazi, um einer Lohnarbeit willen den Wohnort zu weckseln.
    8       Hinzu kommt das Sinken der Arbeitsleitung durch die Mangelernährung, den Hunger. So mancher Arbeiter ist aus Selbsterhaltungstrieb gezwunden, seinen Betrieb für Tage im Stich zu lassen, um irgendwo einen Sack Kartoffeln, ein paar Kohlköpfe oder ein Brot zu ergattern. 
    9      Die Kriegsverluste haben ein übriges getan, um den Mangel fühlbar zu machen. Bei Kriegsausbruch hatte Deutschland rund achtzehn Millionen Arbeiter, dazu sechs Millionen Angestellte und Beamte. Von diesen vierundzwanzig Millionen waren acht Millionen weibliche Arbeitnehmer. -- Nun sind aber schätzungsweise zu Hitlers Ehre vier Millionen Deutsche auf den Schlachtfeldern verblutet. Ungefähr fünf Millionen weilen noch in Kriegsgefangenschaft; auf wie lange? Der Ausfall vergrössert sich weiterhin durch die Kriegsversehrten, die ganz oder teilweise arbeitsunfähig geworden sind. 
    10      Dieser Verlust an Arbeitskraft wiegt umso schwerer, als er gerade die Jahresklassen der grössten Leistungsfähigkeit -- nämlich die Männer zwischen achtzehn und vierzig Jahren -- traf. 
          Zugleich bleibe der Zuwachs an jüngerer Arbeitskraft zurückt, weil zu Kriegszeiten die Geburtenziffer absinkt. 
    11      Der ganze Ernst dieses Vorganges zeig sich besonders sinnfällig im Bergbau. Die Altersgrenze der Hauer "vor Ort" lag früher bei 40 Jahren. Heute aber ist dort das Durchschnittsalter um acht Jahre angestiegen. Daraus ergibt sich die zwingende Notwendigkeit, für jüngeren Nachwuchs zu sorgen, wenn die Kohlenförderung in den nächsten Jahren nicht empfindlich geschädigt werden soll. Ohne Bergleute keine Kohle, ohne Kohle kein Neuaufbau Deutschlands.
    12     Warum diese nüchternen, sachlichen Angaben in einem Wochenschwatz? Weil sie uns Flüchtlingen zeigen, dass jeder von uns, der arbeitsfähig und arbeitswillig ist, einen Platz finden wird, auf dem er seinen Mann stehen kann. Auch die Frauen, die ihren Ernährer verloren haben, werden auf Jahrzehnt hinaus in Deutschland lohnende Arbeit finden. 
          Das ist trotz allem ein Trost, nicht wahr? 
    Wer nur gewillt ist zuzugreifen,
    der findet einen Arbeitsplatz.
    Er braucht nicht arm umherzustreifen.
    In diesem Sinne Jochen Spatz. 
    13  Hoffnung lässt den Mut nicht sinken
          In der Anlage übermittle ich Ihnen hiermit die Abschrift eines Briefes an meinen Freund Karl zur gefälligen Verwendung und Veröffentlichung. 
    Mit bestem Gruss
    Johann Götz,
    74 Jahre, Lager Knivholt, B. 45. II
    14  Lieber Karl!
           Deinen Brief vom 18.8. erhielten wir. Deine Mitteilung, dass Du wieder Bauer werden willst, findet nicht nur wegen der grossen Kartoffeln meine volle Zustimmung. Bauer sein ist nämliche das wertvollste und werbeständigste in der Erscheinungen Flucht. Solange die Welt steht, wird der Bauer bestehen. Damit will ich nicht sagen, dass der Beruf leicht und sorglos ist. Du bist in Deinem Leben auf so vielen Pferden geritten, hast nicht nur in der Heimat, sondern auch wiederholt über dem grossen Wasser zahlreiche Versuche, das Leben neu zu zimmern, gemacht. 
    15  Hier wie dort hast Du genügend Erfahrungen sammeln können. Erfolg und Misserfolg waren Deine Begleiter. Im Weltkrieg 1914-1918 und der nachfolgenden Inflation bist Du ebenso hart, wie Millionen Menschen mitgenommen worden, und diesesmal von 1939 bis 1945 bist Du auch wieder unter den Millionen, denen die Heimat und die letzte Habe geraubt wurde. Nun bist Du inzwischen in Sturm und Drang in jenes Alter gekommen, in dem die jugendliche Kraft geschwächt und der Unternehmungsgeist nicht mehr die frühere Schwungkraft besitzt. Da ist es nun zu verständlich, wenn im abgeklärten Alter die Liebe zur bäuerlichen Scholle und zur ländlichen Lebensweise erwacht. 
    16  Im Flüchtlingslager geht es uns wie dem Vogel, der auf der Leimrute sitzt und sein Nest nicht erreichen kann. Die Sehnsucht nach der Heimat, die erzwungene Untätigkeit, der Stacheldraht, das ganze unbefriedigende Lagerleben zerrt an unseren Nerven und belastet unser seeliches Empfinden schwer, dazu die Ungewissheit, wie sich die Zukunft in Deutschland für das ganze Volk gestalten wird. Und trotz alledem und alledem wäre es falsch zu verzagen. Die Sonne scheint nach wie vor auf alle Kreaturen und lässt Korn und Wein reifen. Jeder Tag bringt uns nicht nur dem Tode näher, sondern auch der Lösung der gegenwärtigen Streitfragen. 
    17  Und noch eins: Auf allen Gebieten hat der Krieg technische Probleme gelöst, die die bedeutendsten Umwälzungen in der kommenden Weltfriedenswirtschaft auslösen werden. Grenzen sind schon jetzt sehr problematisch geworden, nachdem in der Luft in der Stunde Entfernungen von mehr als tausend kilometern überwunden werden. Und dazu die Auswirkungen der Atomkraft und der Strahlenenergie im friedlichen Wettbewerb. 
    18  Ich war 1909 in Würzburg, als Professor Röntgen die nach ihm benannten Strahlen entdeckte. Es sind noch keine 40 Jahre vergangen, und die Strahlentheorie hat in der Praxis in diesem Zeitraum zu ungeahnten Entdeckungen geführt. Rundfunk, Fernsehen, Fernschreiben erschliessen unabsehbare Möglichkeiten. Und welche Fortschritte sind inzwischen in der Krankheitsbekämpfung, der Bodenerforschung, der Entwicklung optischer Geräte eingetreten. 
    19       Physik und Chemie feiern wissenschaftliche Erfolge am laufenden Band. Dazu der Gärungsprozess bei allen Völkern der Erde. Wer wollte im Hinblick auf diese Tatsache schon jetzt eine Prognose für die Gestaltung der Zukunft auch nur für die nächsten zehn Jahre aufstellen? Jeder Mensch ist das Produkt seiner Verhältnisse. Und die Verhältnisse haben sich allein in den letzten 80 Jahren auf den verschiedensten Gebieten so grundlegend geändert, und von dieser Änderung bleiben auch die Menschen in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung nicht unberührt. 
    20  Wäre die Frage zu stellen, ob die Menschen vor 500 Jahren glücklicher gelebt haben als wir? Wir wissen aus der Geschichte, dass auch in der Vorzeit der Kampf um das Leben nicht leichter war als heute. Naturkatastrophen, Hungersnöte, Religions-, Fürsten- und Bauernkriege, Seeräuberei, Raubrittertum, Krankheit und Pestilenz haben im Altertum gewütet, und die Fron- und Sklavenarbeit würzte die sogenannte gute alte Zeit. Die Leiden der dahingegangenen Generationen waren keineswegs Schmerzen. Ketzer- und Hexenverbrennungen, Gladiatorenkämpfe usw. waren schon in unserem Leben nicht mehr zeitgemäss und das Recht der ersten Nacht sowie die Leibeigenschaft schwanden dahin. 
    21  Bei diesem Rück- und Ausblick haben wir gar keine Ursache, trostlos in die Zukunft zu blicken. Freilich könnte es manchen zur Verzweiflung bringen, wenn immer wieder der Termin zur Regelung der Friedensbedingungen mit Deutschland, eineinhalb Jahre nach der Kapitulation verschoben wird. 
    22  Und jede Verzögerung vermehrt das tausdnefältige Elend der Gegenwart und wir müssen dem Jammer untätig zusehen. Und doch rückt die Zeit näher, in der der deutsche Kopf- und handarbeiter seine Zähigkeit, sein Können und seinen Fleiss in friedlicher Mitarbeit zur Wiedergesundung der Weltwirtschaft unter Beweis stellen kann. Dann wird es mit gutem Mut wieder vorwärts und aufwärts gehen. In diesem Sinne grüsst Dich und die Deinen in alter Verbungenheit.
    Dein Freund Hans. 
    23  Warum Atomforschung?
         Sehr geehrte Redaktion.
         Ich möchte zu dem Artikel in Nr. 23 der Deutschen Nachrichten mit der Überschrift "Die neue Arche Noah" folgendes sagen. Da ich an der von Herrn Jochen Spatz vorgepredigten Demokratie und dem Weltfrieden sehr zweifeln muss, denn ein Volk, das den Frieden will, braucht nicht die Wirkung der Atombomben zu wissen, denn andere Völker können Bombenexperimente als Vorbereitungen zum Krieg auffassen. Und das kann zu einer Katastrophe führen. 
    24  Da bitte ich Sie, uns durch Ihre Zeitung die Gründe dieser Atombombenexperimente zu beantworten. Sind Sie vielleicht nicht in der Lage, darüber zu antworten, so müssen wir annehmen, dass Sie eine Idee vertreten, von der sich selbst die Ziele nicht wissen. Sollte dieses Schreiben nicht an die Öffentlichkeit kommen, so wissen wir aber, dass Ihre Idee ein Irrtum ist.
    Klaus-Werner Sieloff,
    Oksbøl, Bez. 4 Bar. 3
    25       Die Forschung geht ihre eigenen Wege, unabhängig vom Tun und Lassen der einzelnen Völker und Staaten.
          Der Mensch ist ein ruheloses Wesen, dessen Beruf es ist, immer tiefer in die Geheimnisse der Natur einzudringen und ihr Kraft um Kraft zu entreissen. 
    26       "-- Dass ich erkenne, was die Welt im innersten zusammenhält --" Der Fluch der Menschheit ist, dass bisher Entdeckungen und Erfindungen menschlichen Geistes für Kriegszwecke eingesetzt werden können und auch eingesetzt werden. Für gewöhnlich ist es bisher immer so gewesen, dass man bei jeder neuen Erfindung annahm, sie würde den Krieg unmöglich machen. Und immer liessen sich die Errungenschaften der Technik und Chemie als Waffen und Gegenwaffen benutzen. 
    27        Sollte man deshalb die Forschung verbieten? Das hiesse, das Kind mit dem Bade ausschütten. Ausserdem wäre es nutzlos. Denn der menschliche Geist lässt sich von Menschenhand keine Fesseln auferlegen. 
    28       Daher bleibt uns nur eines übrig. Wir müssen alle Kräfte anspanne, der Verständigung unter den Völkern zu dienen und Kriege zu verhindern. Erst wenn wir diesem hohen Ziele näherkommen, wird der Fluch in Segen verkehrt. Die Kräfte der Zerstörung werden im Dienst der strebenden Menschheit zu Kräften des Aufbaus und des Wohlergehens aller Menschen. 
    29         Utopie? Denken Sie an die Rolle, die heute das Dynamit im Bergbau und Strassenbau spielt. Denken Sie an die völkerverbindende Tätigkeit des friedlichen Flugverkehrs, an die neue Methode der Heilkunde und dergleichen. Nun kommen Sie mir aber nicht mit der üblichen Redensart, da sähe man ja, wie notwendig Kriege seien. Die Fortschritte, welche die Menschheit in friedlichen Zeiten macht, sind durchaus nicht geringer, als jene der Kriegszeiten. Sie treten nur äusserlich nicht so sehr in Erscheinung, weil sie nicht ruckweise und plötzlich auftreten, sondern im Zuge gleichmässiger Entwicklung nach und nach gestaltet werden. 
    30        Was nun die Atomzertrümmerung angeht, ist es das gute Recht des Menschen, all ihre Wirkungen zu erfahren und zu messen. Letzten Endes werden  auch diese, der Natur entrissenen Geheimnisse in den friedlichen Dienst der Menschen gestellt werden müssen. 
            Übrigens sind die Versuche bei der Insel Bikini in Amerika selbst heftig kritisiert worden, weil sie zu Missverständnissen unter den Völkern führen konnten. Seither sind sie eingestellt, und werden künftig wahrscheinlich in einer weniger verfänglichen Form durchgeführt. 
    Jochen Spatz
    31  Ein Kleinbauer schreibt
            Werter Herr Spatz!
           Zur Frage der Bodenreform haben in den D. N. mehrmals Land- und nicht Landwirte Stellung genommen; aber noch kein Kleinbauer, der sich schon mit einem Kleingrundstück herumgeplagt hat. Herr Merkel hat wohl Erfahrung und Wissen am besten vereint, und doch den Glauben an die Möglichkeit einer so fundierten Wirtschaft bewahrt. Aber meistens begegnet man im Lager einer grossen Abneigung. Dankenswerterweise hat der dänische Reichstagsabgeordnete, Herr Hansen, im Lager zwei Vorträge gehalten: Über das Verhältnis der Kleinbauern hier im Lande; aber auch damit ist wenig Wandlung erzielt worden. Die meisten tun so, als ob in Deutschland die kleinen Wirtschaften garnicht bekannt wären. Und doch gab es auch im Osten, besonders im Memel-Gebiet zu hunderten Wirtschaften von 5 bis 8 ha. Und das in Gebieten, die weit von jedem grossen Absatzgebiet waren. 
    32       Ob nun Land- oder Stadtrandsiedlung, das muss denen, die an der Spitze stehen, überlassen bleiben, da sie die Möglichkeit haben, die nähere Zukunft zu beurteilen. Den Flüchtlingen und Arbeitslosen liegt es fürs erste nur daran, der Suppenküche und dem Brot vom Gabentisch zu entfliehen. Und alles, was diesem Zweck dienen kann, soll uns willkommen sein. Jedem muss aber das Recht bleiben, sich nach einer ihm zusagenden Arbeitsstelle umzusehen.
    33  So viele Bauern hört man über ihren, wie sie sagen, schweren Beruf klagen, als ob sie jemand gezwungen hätte, mit dem Pflug und der Sichel zu arbeiten, das muss verschwinden. Doch richtig besehen findet man überall Licht und Schatten in naher Gemeinschaft. 
    34       Die Bodenreform wird davon auch nicht verschont bleiben, die sozisagen jetzt beim Mondschein geschaffen werden muss. Wer kann es wissen, wie sie am Tage bei Sonnenschein sich herausstellen wird. Wenn die Landflucht kein leeres Wort war, so ist mit ihrem Aufleben wieder zu rechnen, sobald das Handwerk und die Industrie die Möglichkeit bieten. Ist das in absehbarer Zeit nicht zu erwarten, so muss der verfügbare Boden planmässig zum Segen der Allgemeinheit und zum Wohle des Einzelnen verteilt werden.
    35        So wie Herr Rossberg das Kleinbauernleben in Sachsen bezeichnet, darf es natürlich nicht sein. Wer nicht Lust und Liebe zum Beruf hat, soll ihm fernbleiben, im Handwerk oder in der Stadt sein Brot suchen und wenn möglich, sich an einer Randsiedlung erfreuen. Wenn das Land den Lohn geben muss, so verlangt es auch den vollen Einsatz. Das Doppelverdienen ist eine Habgier und es ergeht denen dann meistens wie einem Hund, der in der Schnauze schon einen Knochen hält und nach einem zweiten schnappt, dann fällt ihm der eine heraus. 
    36        Bei der ersten Hackfruchtpflege sowie bei regnerischem Erntewetter muss man auch die Frau um Hilfe bitten. Sonst gehört die Frau auch auf dem Lande den Kindern, der Küche, dem Gemüsegarten und dem Geflügelhof, und in dringenden Arbeitszeiten muss sie am Nachmittag das Melken erledigen. Aber des Morgens und im Winter ist das Melken grundsätzlich heute die Arbeit des Mannes. 
    37       Die Grösse der Siedlung müsste auf alle Fälle erlauben, 3 Kühe und 1 Pferd zu halten. Ich möchte sagen, das ist Lebensbedingung. Besser noch 4 Kühe und die Pflugarbeit zum Teil in Lohnarbeit erledigen lassen. Auf mittlerem Boden möchten das die Fläche von 6 ha sein. In der Grösse von 8-12 ha sollte es m. E. überhaupt keine Wirtschaft geben. 
    38        Anschliessend daran auf schweren Boden und die grösste Einheit auf leichten Böden, die auch zur Gründung grosser Schläge bereitgestellt werden müssen. 
    39        Die Maschinen- und Arbeitfrage kann dadurch gelöst werden, wenn man sich in kleinen Gruppen bindet. So kann das Vielfachgerät, der Grasmäher mit Ableger, die Drillmaschine und anderes Gerät immer das Eigentum des Einzelnen sein und wird durch Gegendienst beglichen. Die Drillmaschine braucht nur 1,5 m breit sein, die iest handlich und für jede kleine Fläche zu verwenden. Dann braucht auch der Feldweg nur 2 m breit sein. Und die Grenzraine als Unkrautträger können und müssen verschwinden. 
    40        Jetzt schon über Wohnhäuser zu reden, finde ich ganz und gar verfrüht. Das Fundament der Wirtschaft muss der Stall und nur der Stall sein. Umsomehr und dauerhafter kann dafür gebaut werden. Der Stall 9x9 m reicht für eine 8 ha-Wirtschaft aus. Am Ostende kommen noch 4,5 m mit Unterkellerung zu. Die geben zuerst die Notwohnung, über die oben der Speicher angelegt wird. Dann folgt eine Futterküche mit Zugängen zum Keller und Speicher und erst Jahre später kann das Wohnhaus, wobei die Wünsche des Besitzers Berücksichtigung finden, gebaut werden. Dann verwandelt sich die Notwohnung in Werkraum und Hühnerstall. So ist keine Arbeit und kein Material unnütz verwandt worden. (Eine Bauskizze liegt im 2. Brief zur Erläuterung bei). 
    41        Ebenso ist mit dem Bauen der Scheune keine so grosse Eile. Soll jetezt alles überstürzt gebaut werden, so wird durch den Materialverbrauch den anderen Siedlern die wirtschaftliche Freiheit verbaut und durch manches Unpraktische wird den Eigentümern viel Ärger bereitet werden. Es ist besser, weniger an Kochnische als an die Unterbringung der heranwachsenden Jugend und das Unterbringen der Altenteiler zu denken. Ebenso mit dem geringsten Materialverbrauch die grösste Zahl Siedler zum Schaffen auf eigener Scholle unterzubringen. 
    42        Zur Altersversorgnung müssten auch gangbare Wege gesucht werden. Wenn auch das jüngste der Kinder die Siedlung übernimmt, so muss es mit jahrelandem Deputat ohne Gegenleistund rechnen. Das ist untragbar! Vom 65. Lebensjahr muss allmählich eine Versicherung die Last übernehmen und von 70 Jahren ganz tragen. Dadurch wäre zu vermeiden, dass so kleine Wirtschaften zeitweilig zuviel belastet werden.
    Johann Szonn,
    Kløvermarken, Bez 4. Bar 153. 
    43  Etwas über die Fürstenabfindung
    An die Schriftleitung der Deutschen Nachrichten in Kopenhagen. 
           Vielleicht haben Sie die Güte, die folgenden Mitteilungen unter "Das Wort ist frei" abzudrucken. Es ist mehrfach auf die Fürstenabfindung nach 1918 hingewiesen worden und mancher Leser weiss wohl kaum, wie sie überhaupt möglich wurde. 
    44        Nach dem Zusammenbruch vom 1918 mit der anschliessenden Inflation kam es zu einem Volksbegehren gegen die Entschädigung der abgesetzten deutschen Fürsten. Dieses Volksbegehren musste, um einen Erfolg zu haben, über 50% aller Wahlberechtigten auf die Beine bringen, da es nicht um "Ja" oder "Nein" ging, sondern jeder Begehrende sich namentlich in eine Liste eintragen musste. 
    45  Diese nicht geheime Abstimmung stellte an den Mut vieler, die an sich nach Verlust ihres Vermögens gegen die Entschädigung der Fürsten (also nicht nur des Kaisers) waren, eine zu hohe Anforderung, da man bereits damals mit einer politischen Wendung rechnete und sich nicht kompromittieren wollte. Ausserdem hatte damals die allein öffentlich in Erscheinung tretende Propaganda der K. P. D. viele bürgerliche Elemente von der Eintragung abgehalten. Immerhin betrug die Zahl der namentlich Eingetragenen, soweit ich mich erinnere, an 15 Millionen .. .. 
    46  Herrn Dr. Werner Losert, Oksbøl.
            Obgleich es sehr reizvoll wäre, Ihr ganzes Schreiben abzudrucken und darauf einzugehen, müssen wir uns mit dem ersten Teile begnügen. Dabei bemerken wir, dass es nicht unsere Aufgabe sein kann, parteipolitische Auseinandersetzungen zu pflegen. Damit warten wir, bis wir wieder in Deutschland sind. Inzwischen mag ein jeder für sich allein prüfen, welcher Parteirichtung er zuneigt, was ihm am Verhalten der einzelnen Parteien zusagt und was ihm missfällt. 
    47       Und nun ein paar Sätze über die Fürstenabfindung.
           Nach Überwindung der Inflation steigerten sich die Ansprüche der ehemaligen deutschen Fürstenhäuser unaufhörlich. Weder im Reichstage noch in den Länderparlamenten liessen sich befriedigende Vergleichsgrundlagen schaffen. 
    48      Geschichtlich und ethisch war die Forderung entschädigungsloser Enteignung berechtigt. Selbst Bismarck war lange vor der Weimarer Republik auf diesem Gebiete nicht zimperlich, wie vor allem die Geschichte des Welfenhauses beweist. 
    49        Da sich die bürgerlichen Parteien in Deutschland gegen die Enteignung aussprachen, einigten sich die Sozialdemokratische Partei, die Kommunistische Partei und der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund auf einen Entwurf, der durch Volksbegehren zum Gesetz erhoben werden sollte.
    50        In diesem Gesetzentwurf wurde gefordert, das gesamte Vermögen der Fürsten, die bis 1918 in einem der deutschen Länder regiert haben, zum Wohle der Allgemeinheit ohne Entschädigung zu enteignen. 
    51        Das enteignete Vermögen sollte zugunsten der Erwerbslosen, der Kriegsbeschädigten und der Hinterbliebenen, der Inflationsopfer, der Landarbeiter, Kleinpächter und Kleinbauern verwendet werden. 
    52        Die Listen ddes Volksbegehrens lagen vom 4. - 17. März 1926 aus. Trotz vieler Beeinflussungen und Drohungen trugen sich 12.516.673 Wahlberechtigte öffentlich in die Listen ein. Das war das Dreifache der zum Volksbegehren notwendigen Unterschriften.
    53        Die bürgerliche Mehrheit des Reichstages zeigte trotzdem keine Neigung, dem Willen dieser Massen Rechnung zu tragen, 236 bürgerliche Abgeordnete standen gegen die 142 Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten. 
    54        So kan es am 20. Juni zum Volksentscheid. Der Terror auf dem Lande war unbeschreiblich. Schwarze Listen, Boykotte, Überwachungen, kirchliche Beeinflussungen, Drohungen und Dienstentlassungen, alles musste den reaktionären Kräften des Reiches helfen, den Fürsten unermessliche Vermögenswerte zuzuschanzen. 
    55        Sogar der Reichspräsident von Hindenburg wurde vom "Loebell-Ausschuss gegen den Volksentscheid" veranlasst, unter Bruch seiner verfassungsrechtlichen Pflichten zu Gunsten der Fürsten in den Kampf einzugreifen. Am 22. Mai liess er einem Brief veröffentlichen und plakatieren, in welchem es über den Volksentscheid hiess: 
    56      "-- -- Ich sehe in ihm einen sehr bedenklichen Verstoss gegen das Gefüge des Rechtsstaates -- -- Er verstösst gegen die Grundlagen der Moral und des Rechtes -- --"
    57       Damit beschimpfte der Reichspräsident die 12,5 Millionen Wähler, die sich für Enteignung und für Abweisung schamloser Ansprüche öffentlich eingesetzt hatten. Im Namen der "Moral und des Rechtes" nahm er Leute in Schutz wie: 
         a) Den früheren mecklenburgischen Herzog Carl Michael, der bei Ausbruch des Krieges die deutsche Staatsangehörigkeit abschwor und ins feindliche lager überweckselte. Er liess sich die Anwartschaft auf die mecklenburgische Thronfolge für fünf Millionen Mark abkaufen und stellte nun nachträglich Erbansprüche an das durch den Krieg verarmte deutsche Volk.
    58       b) Die montenegrinische Prinzessin Jutte Militza, die unter Berufung auf deen Versailler Vertrag und den Erwerb ihrer jugoslawischen Staatsangehörigkeit durch internationale Gerichte 14,5 Millionen Mark von Deutschland zu erpressen versuchte. 
    59      c) Wilhelm II., der in Holland ein Millionengut besass und trotzdem noch 300.000 Morgen deutschen Bodens verlangte, dazu Schlösser und Vermögenswerte in Höhe von 183 Millionen Mark!
    60        Trotz des wütenden Kampfes gaben 14.455.184 Deutsche ihre Ja-Stimmen für den Volksentscheid ab. 
    584.723 stimmten mit Nein.
    559.406 Stimmen waren ungültig.
    24.186.637 Wähler blieben zu Hause.
    61    Damit war die entschädigungslose Enteignung abgelehnt, denn für die Annahme waren 19.892.976 Ja-Stimmen nötig.
          Die deutschen Fürsten behielten ihre Vermögen, die viele Hunderte von Millionen betrugen. Und das deutsche Volk verarmte immer mehr. 
    J. Sp.