Zurüch zum Inhalt Tilbage til indhold.  Aus den "Deutschen Nachrichten" Fra den tyske avis Einzelne Lager Om de enkelte lejre

 

Deutsche Nachrichten 1946 Nr 46

 vom 9. Dezember 1946

Deutsche Nachrichten 1946 nr 46

 fra 9. december 1946.

 
 Wochenschwatz #1
  • Die Rückkehr nach Deutschland #14
  • Unser Schmerzenskind: Danzig von Willy Grashof, Klövermarken, Bez. 7. Bar. 475. #27. Antwort: #32. von Gudrun Hardt, cand. mag., Tuberkulose-Hospital Broholm #34. Svar: #41.
  • Krieg dem Kriege ... R. Mahlo, Skallerup Klit. #42
  • Selbständigkeit von J. Nolte, #58
  • Von Zone zu Zone #63
  • Sinn für Humor von Frau Irmgard Brausewetter. #65

  • Zwei Mahnungen 1) von Konrad Goth #69. Antwort: #74. 2) von Frau Gertrud Frank, Rye. #75
  • Ugens passiar
  • Tilbagekomsten til Tyskland.
  • Vort smertensbarn: Danzig.
  • Krigen imod krigen
  • Selvstændighed
  • Fra zone til zone
  • Sans for humor

  • To formaninger.
     1 Wochenschwatz von Jochen Spatz
          Liebe Landsleute. Kaum beginnen die ersten Konturenneuen politischen Lebens sich aus den Nebeln des deutschen Niederbruchs zu lösen, da tönen gleich wieder sattsam bekannte Seufzer politischer Unweisheit durch die Lande. Wer von uns hätte nicht das Geschwätz von "unfruchtbaren Parteienhader" vernommen, der alle Entwicklung hemme und alle Tatkraft lähme? Und Hand aufs Herz! Wer hätte nicht schon verständnisinnig mit dem Kpofe dazu genickt und sich eingereiht in die bekümmerte Seufzergemeinte?
    3       Parteienhader! Gezänk und Uneinigkeit! Gefeilsch um Posten, Einfluss, Gehälter und andere Vorteile! Das Volk kann derweilen Steuern bezahlen, hungern und frieren. Wenn es nur den Parteigrössen gutgeht! So wurden uns ja die Parteien des Volksstaats von der einen partei geschildert, die zur Alleinherrschaft strebte, nicht wahr? Und wir passten nur gar zu gern in diesen keinen Gedankenarbeit fordernden Streifen, der vielen heute noch im Gedächtnis schwirrt wie ein schnarrender, seichter Film.
    4       Und dann geht es weiter im Text: Nun kommen sie wieder, diese Parteien, und zanken sich. Da war es zu Hitlers Zeiten doch besser, als es nur eine Partei gab. Damals wirde nicht geredet. Da wurde gehandelt, gründlich gehandelt sogar. Damals wurde etwas geschafft. 
    5       Freilich. Sehr richtig. Etwas geschafft. Erste Spatenstiche, Reichsautobahnen, die gewaltigste Aufrüstung zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Zwar wurde dabei auch erheblich geredet. Doch immer nur von der einen Partei, die ihren Mitläufern und Nachläufern trotz aller grossen Worte nicht allzuviel auf die Nase band. Und darum sitzen wir heute hungernd hinter Stacheldrähten oder in Trümmern und könne vor Schulden und Sorgen nicht aus den Augen gucken. 
    6       Wo der Zusammenhang liegt? In der Tatsache, dass wir nur eine Partei in Deutschland hatten. Eine alte Bauernregel lehrt uns verschmitzt: Einmal ist keinmal. Wandeln wir sie ins Politische ab, so trifft sie den Nagel auf den Kopf. Eine Partei ist keine Partei, weil der Gegensatz fehlt, die gegenseitige Überwachung. Wo nur eine Partei lebt, beherrscht sie Volk und Staat allein. Ja, sie gibt vor, der Staat zu sein, nicht einmal zu Unrecht. Sie kann mit dem Volke schalten und walten wir ihr beliebt, denn es redet ihr niemand drein. Wer Einwände wagt, stellt sich ausserhalb. Er wird als Staatsfeine mit Vernichtung bedroht.
    7      Kurzum, im Einparteistaat gibt es kein Gegengewicht gegen die herrschende Schicht. Weder die Einnahmen noch die Ausgaben der Staatskasse kommen natürlich zustande, nämlich durch Abwägen, Ausgleichen, Unterhandeln und Feilschen. Sie werden ganz einfach verordnet. In der Politik nach innen und aussen ist es das Gleiche. Das Volk wird zum Wertstoff in den Fäusten der robusten Machthaber herabgewürdigt. 
    8       Das ändert sich gründlich, wo sich das Volk in Parteien gliedert, die unterschiedliche Auffassungen über die Rechte und Pflichte der Gesamtheit haben. In einem solchen Staate ist es unmöglich, die Kenntnis von den Einnahmen und Ausgaben der Staatskasse zu einer Geheimwissenschaft zu machen. Schwerwiegende Entschlüsse lassen sich nicht lange verschleiern, weil die Parteien im Wettstreit um die Gunst des Volke eifersüchtig darüber wachen, ihrer Bedeutung entsprechend ins Bild gesetzt zu werden. Da heisst es, öffentlich Rede und Antwort zu stehen.
    9      Darum ist et gut, Parteien zu haben, die ihre Weisheit zu Markte bringen und ihre Gegensätze vor den Augen des Volkes austragen. Nur muss dieser Meinungskampf nach gewissen Regeln des Anstandes durchgeführt werden. Tiefschläge und Beinstellen sind nicht nur im Boxring abscheulich. Sie sind auch im politischen Leben verwerflich. 
    10      Versteht ihr, wie ich es meine? Dann will ich für jene, die zögern, mir recht zu geben, mit einem Beispiel schliessen. In Deutschland muss möglichst bald den Ostflüchtlingen und Ausgebombten geholfen werden. Wer soll den Lastenausgleich beschliessen, der ihnen allen die bescheidene Grundlage eines neuen Daseins gewährleisten muss? Eine durch Einparteisystem bestellte, allmächtige Regierung? Wie würde sie entscheiden? Nach Recht und Billigkeit? Nein. Nur nach den Gesichtspunkten ihrer eigenen Machtvollkommenheit. Eine Partei der Ungeschädigten, die alles aus diesem Kriege gerettet haben? Nein. Die Opfer des Krieges würden dabei vor die Hunde gehen. Eine Partei der Flüchtlinge und der Ausgebombten? Ebenfallds nein! Denn eine solche Partei müsste naturnotwendig (mit Rücksicht auf die Natur des Menschen!) Forderungen stellen, die vom Volksganzen nicht getraten werden könnten. 
    11      Merkt man, worauf ich hinaus will? Nur aus den Gegensätzen verschiedener Auffassungen wird das für alle erträgliche Mittelmass gefunden. Im abwägenden Zusammenwirken auseinanderstrebender Kräfte werden Beschlüsse gefasst, die der Gesamtheit des Volkes dienlich sind. 
    12      Darum lasst uns nicht auf die Parteien schimpfen. Lasst uns nur zusehen, dass wir in Deutschland nicht wieder wie früher das Parteienwesen zum Parteienunwesen machen. Wir Deutschen sind da ein wenig eigenartig. Sobald der Zügel ein wenig gelockert wird, meinen wir leicht, es sei das Recht eines jeden hergelaufenen Bäckermeisters, der zu wenig für seine Brötchen bekommt, einen eigenen Parteiladen aufzumachen. Eine Bäckermeisterpartei ist aber keine Partei, so wenig wie eine Allein-Partei diesen Ehrennamen verdient. 
    13Ein kluges Volk kan gut gedeihen
    durch Meinungskampf und Gegensatz
    von etwa drei bis fünf Parteien.
    In diesem Sinne Jochen Spatz. 
    14 Die Rückkehr nach Deutschland
         Der Militärkommandant der französisch besetzten Zone hat bekanntlich die Zusage gemacht, ausser den 2000 in dieser Zone ansässigen Flüchtlinge weitere 10.000 zu übernehmen. 
          Offiziell wird von dänischer Seite mitgeteilt, dass zwei Vertreter der französischen Militärbehörden der Besatzungszone, Hauptmann Viel und Hauptmann Bruckere, im Aussenministerium über die praktischen Fragen der Rückkehr in die französische Zone verhandelt haben. Von dänischer Seite nahmen unter anderm der Leiter der Flüchtlingsverwaltung, Minister a. D. Johannes Kjærbøl, der Kontorchef im Aussenministerium B. Dons-Møller und der Verkehrsverwalter der Staatsbahn, Johnsen, teil. 
    Tilbagekomsten til Tyskland 
           Militærkommandanten i den franske zone har som bekendt afgivet tilsagn om udover de 2000 flygtninge, der er kommet til denne zone at modtage yderlige 10.000 flygtninge.
           Officielt meddeles det fra dansk side, at to repræsentanter for de franske militærmyndigheder i besættelseszonen, kaptajn Viel og kaptajn Bruckere, i udenrigsministeriet har forhandlet de praktiske spørgsmål om hjemkomsten til den franske zone på plads. Fra dansk side deltog bl. a. lederen af flygtningeadministrationen, tidligere minister Johannes Kjærbøl, kontorchefen i udenrigsministeriet B. Dons-Møller og direktøren for Statsbanerne, Johnsen. 
    15     Die Rücksendung beginnt am Sonnabend, den 14. Dezember. Jede Woche werden ungefähr 1000 Flüchtlinge abreisen. Das vorläufige Reiseziel für die in der französischen Zone beheimateten Flüchtlinge ist ein Durchgangslager bei Worms. Die übrigen 10.000 werden vorerst auf die Lager Offenburg und Biberach (östlich von Strassburg) verteilt. Die Übernahme dieser Flüchtlinge soll bis Februar durchgeführt werden.        Tilbagesendelsen begynder lørdag den 14. december. Hver uge vil cirka 1000 flygtninge rejse ud af landet. Det foreløbige rejsemål for de flygtninge, der hører hjemme i den franske zone er en gennemgangslejr ved Worms. De øvrige 10.000 bliver i første omgang fordelt på lejrene Offenburg og Biberach (øst for Strassburg). Overtagelsen af disse flygtninge skal være tilendebragt i slutningen af februar. 
    16 Deutsche Zeitungen berichten:
    Hamburg (DPD): Der erste Transport mit 1000 deutschen Flüchtlingen aus Dänemark traf am Freitag um Mitternacht, ans Flensburg kommend, in Hamburg ein, um nach einstündigem Aufenthald nach Osnabrück weiterzufahren, wo ein Durchgangslager die Rückkehrer für wenige Tage aufnehmen wird. 
          Der Transport setzt sich zusammen aus einigen Familien, etwa 150 Männern -- meist über 50 Jahre -- rund 350 Kindern bis zu 15 Jahren, darunter 7 in Dänemark geborene Säuglinge und 500 Frauen, die aus dem grössten dänische Internierungslager, Oxböl bei Esbjerg kommen. Diesem ersten werden weitere Transporte folgen. 
    Tyske aviser beretter: 
    Hamburg (DPD): Den første transport med 1000 tyske flygtninge fra Danmark ankom fredag ved midnatstid fra Flensborg til Hamburg, for efter en times ophold at køre videre til Osnabrück, hvor en gennemgangslejr skal optage de hjemvendte for nogle få dage. 
          Transporten består af nogle familier, cirka 150 mænd -- for det meste over 50 år gamle -- omkring 350 børn op til 15 år, herunder 7 spædbørn født i Danmark og 500 kvinder, som kommer fra den største danske interneringslejr Oksbøl ved Esbjerg. Flere transporter vil følge efter. 
    17 So leben die Deutschen in Dänemark
          Es geht diesen deutschen Menschen in Dänemark nicht schlecht. Sie leben in Lagern, die sich im Laufe der Zeit zu einer kleinen Siedlung mit einer fest zusammenhaltenden Gemeinde entwickelt haben. Von der Schneiderstube, dem Friseur, den verschiedensten handwerklichen Betrieben, in die junge Menschen sogar in die Lehre gehen können, über Volks- und Oberschulen, Theater und Varieté, eine achtseitige, wöchentlich einmal erscheinende Lagerzeitung bis zur Badeanstalt mit warmen Wannenbädern und einem ausgedehnten Gesundheitsdienst, der eigene Lazarette unterhält, fehlt nichts. 
    Således lever tyskere i Danmark 
           Det går ikke tyskerne i Danmark dårligt. De lever i lejre, som i tidens løb har udviklet sig til en lille bosættelse med en fast sammentømret menighed. Fra skrædderværkstedet, frisørsalonen, de forskellige håndværksfag, hvor unge mennesker endog kan komme i lære, over folkeskoler og højere skoler, teater og varietéer, til en ottesiders ugeavis og badeanstalten med varme karbad og en udmærket sundhedstjeneste, som har eget lazaret, mangler intet. 
    18 Vor allem aber sind die geeigneten Fachkräfte -- besonders in den grossen Lagern, die sich der einzelnen Einrichtungen annehmen, vorhanden. Universitätsprofessoren und Schullehrer leiten den Unterricht und haben ein umfassendes Volksbildungswerk ins Leben gerufen, in dem die Fremdsprachenkurse stark im Vordergrund stehen. Bewährte Ärzte führen die Gesundheitsabteilungen, und bekannte Schauspieler wirken im Lagertheater in Oxböl, dessen Intendant vom Danziger Staatstheater kommt.  Men fremfor alt er de egnede fagkræfter til stede -- især i de store lejre, der kan tage sig af de enkelte indretninger. Universitetsprofessorer og skolelærere leder undervisningen og har kaldt et omfattende folkedannelsesværk til live, idet fremmedsprogskurserne står stærkt i forgrunden. Erfarne læger leder sundhedsafdelingerne, og bekendte skuespillere virker i lejrteatret i Oksbøl, hvis intendant kommer fra Danzig byteater. 
    19 2500 Kalorien täglich
          Das Essen ist durchaus ausreichend. Es gibt 2500 Kalorien täglich und zwar in erster Linie eine warme Mahlzeit, die in der Gemeinschaftsküche eines jeden Blocks zubereitet wird, sowie wöchentlich durchschnittlich 140 Gramm Fett, 175 Gramm Wurst, 100 Gramm Käse und ausreichend Brot. Kinder bis zu 15 Jahren erhalten täglich einen Liter Vollmilch.
    2500 kalorier dagligt 
           Maden er helt igennem rigelig. Man får 2500 kalorier pr dag og det med i første række et varmt måltid, som bliver tilberedt i fælleskøkkenet i hver blok, dertil ugentligt gennemsnitligt 140 gram fedt, 175 gram pølse, 100 gram ost og tilstrækkeligt med brød. Børn op til 15 år får dagligt en liter sødmælk. 
    20       Eine junge Lehrerin, die im Lager aktiv mitgearbeitet hat, meinte anerkennend: "So viele Anregungen wie im Lager hatte ich vorher niemals gehabt". "Trotzdem", so furht sie fort, "ist es auf die Daurer gesehen, kein Zustand, hinter Stacheldraht zu leben. Wir wollen doch alle wieder einmal anfangen. Das Lager aber ist ein toter Punkt, der sich nicht überwinden lässt". (Norddeutsches Echo)         En ung lærerinde, som aktivt har arbejdet med i lejren, mente anerkendende: "Så mange udfordringer som i lejren har jeg aldrig tidligere haft". "Trods det", fortsætter hun, "er det, set i det lange perspektiv, ikke noget liv at leve bag pigtråd. Vi vil dog allesammen gerne omsider begynde. Men lejren er et dødpunkt, som ikke lader sig overvinde". (Norddeutsches Echo). 
    21      In den letzten Jahren haben wir vielerlei Flüchtlinge gesehen: solche, die aus den bombardierten Städten des Westens nach Mittel- und Ostdeutschland flohen und zu einer späteren Zeit wieder westwärts zogen, tage- und wochenlang in Trecks, die vielen Menschen aus dem Gebiet westlich (sic) der Oder, die zum grossen Teil ihre Heimat in der britischen Zone finden sollen. Ihnen allen waren Elend und grauenvolles Erleben vom Gesicht zu lesen, ihre Kleidung zeigte die Not.         I de senere år har vi set mange slags flygtninge: de, der flygtede fra de udbombede byer i vesten til Midt- og Østtyskland og senere igen drog mod vest, i dage- og ugevis på farten, de mange mennesker fra området vest for Oder, der for største delen skal finde deres hjem i den britiske zone. På dem alle kunne man i deres ansigter læse elendighed og grusomme oplevelser, deres klæder viste deres nød.
    22        Die Flüchtlinge aus Dänemark, die in Osnabrück eintrafen, machten einen ganz anderen Eindruck. Trotz einer tagelangen Fahrt mit der Eisenbahn und einem mehr als anderthalbjährigen Aufenthalt hinter Stacheldraht sahen sie gepflegt und frisch aus. Die Kinder, nach der langen und ungewohnten Reise müde, spielten einen Tag später quicklebendig auf dem Rasen des Lagers Lüstringen, wo wir sie besuchten.           De flygtninge fra Danmark, der ankom til Osnabrück, gjorde et helt andet indtryk. Trods en rejse i dagevis med jernbane og et mere end halvandet år langt ophold bag pigtråd så de velplejede og raske ud. Børnene, trætte efter den lange og uvante rejse, legede en dag senere spillevende på græsplænen i lejren Lüstringen, hvor vi besøgte dem. 
    23      Der Transport zählte etwas mehr als 1000 Menschen. Die Hälfte davon waren Frauen, ein Viertel Männer und ein Viertel Kinder bis zu 15 Jahren. Sieben von diesen Kindern wurden im Lager geboren. In der deutschen Grenzstadt Flensburg hatten Rote-Kreuz-Schwestern eine kräftige warme Suppe verteilt, die in der Kühle des Novemberabends gut bekam und eine angenehme Abwechslung der Reiseverpflegung darstellte, die sich aus Brot, Margarine, Wurst, Marmelade und Milch für die Kinder zusammensetzte. Die Flüchtlingsfrauen erzählten, dass die Verpflegung in Lager Oksböl besser gewesen sei als in der britischen Zone.         Transporten talte lidt mere end 1000 mennesker. Halvdelen deraf var kvinder, en fjerdedel mænd og en fjerdedel børn under 15 år. Syv af disse børn blev født i lejren. I den tyske grænseby Flensborg havde Røde-Kors sygeplejersker uddelt en kraftig varm suppe, som gjorde godt i novemberaftenens kulde og var en behagelig afveksling i rejseforplejningen, som bestod af brød, margarine, pølse, marmelade og mælk til børnene. Flygtningekvinderne fortalte, at forplejningen i Oksbøllejren havde været bedre end i den britiske zone. 
    24       Auch das Lager Lüstringen, das der Militärregierung unterstellt ist, sorgt für die Flüchtlinge gut. Sie erhalten mittags eine warme Mahlzeit und im übrigen Brot, Butter und Marmelade. Für den letzten Rest der Reise bekommen sie Wurstbrote. Sie schlafen in Wohnbaracken, an deren Wänden Stroh aufgeschüttet ist. Wolldecken sind in genügender Menge vorhanden. In jeder dieser Baracken stehen Tische und Stühle, ein grosser Ofen wärmt den Raum. Wir sahen einige Frauen draussen ihre Kleider ausbürsten, und aus der Gemütlichkeit, mit der sie diese Arbeit verrichteten und aus ihren zufriedenen und sogar frohen Gesichtern konnten wir schliessen, dass sie sich in Lüstringen wohl fühlen und die wenigen Tage bis zu ihrer endgültigen Abreise ganz gern hier verbringen, wo die Lagerleitung ihnen die Sorge um die Alltäglichkeiten abnimmt.           Også Lüstringen-lejren, som hører under militærregeringen, sørger godt for flygtningene. De får til middag et varmt måltid og forøvrigt brød, smør og marmelade. Til den sidste del af rejsen får de pølsebrød. De sover i boligbarakkerne, hvor der er spredt halm ud. Uldtæpper har de nok af. I hver af disse barakker står der borde og stole og en stor ovn varmer rummet op. Vi så nogle kvinder stå udenfor og børste deres klæder og af det gode humør, de udførte dette arbejde med, og af deres tilfredse og endog glade ansigter kunne vi drage den slutning, at de følte sig godt tilpas i Lüstringen og ganske gerne ville tilbringe de få dage her indtil deres endelige afrejse, her, hvor lejrledelsen fritager dem for bekymringen om hverdagens gøremål. 
    25       Von hier aus denken sie zurück an das dänische Lager, das 38.000 Flüchtlunge aufgenommen hatte und das grösste auf dänischem Boden ist. Die Insassen dieses Lagers erwartet man nach und nach alle in Osnabrück. Jede Woche wird ein Transport von rund 1000 Personen hier eintreffen und im Lager Lüstringen aufgelöst werden. Der weitaus grösste Teil des ersten Transportes ist schon am folgenden Tage in andere Städte der britischen Zone weitergereist. Nur einige kinderreiche Mütter warten noch auf ihre Verwandten, die telegraphisch hergerufen wurden, und einige wenige, denen das Gepäck unterwegs durch einen Zufall abhanden gekommen ist: ein Wagen, vollgestopft bis unter die Decke, wurde irrtümlicherweise abgehängt. --         Herfra tænker de tilbage på den danske lejr, som har optaget 38.000 flygtninge og er den største lejr på dansk jord. De indsatte i denne lejr venter man også lidt efter lidt til Osnabrück. Hver uge vil en transport på omkring 1000 personer ankomme her og blive anbragt i Lüstringen. Langt størstedelen af den første transporg er allered den følgende dag rejst videre til andre byer i den britiske zone. Kun nogle mødre med mange børn er tilbage, fordi de venter på deres pårørende, som telegrafisk er blevet kaldt hertil, og dertil nogle få, hvis bagage undervejs ved et tilfælde er bortkommet: En vogn, fuldstoppet med bagage til op under løftet, blev ved en fejltagelset koblet fra. 
    26      Fast alle Flüchtlinge stammen aus Ostpreussen, Westpreussen oder Pommern. Sie müssen sich nun eine neue Heimat in Westdeutschland suchen. Damit sind Existenz- und Berufssorgen verbunden, und die Heimkehrenden täuschen sich keineswegs mit Illusionen über die Schwierigkeiten ihrer Situation hinweg. Zunächst jedoch freuen sie sich, dass sie endlich nicht mehr hinter Stacheldraht leben müssen und kosten dieses Gefühl aus. -- (Neues Tageblatt, Osnabrück).        Næsten alle flygtninge stammer fra Østprøjsen, Vestprøjsen eller Pommern. De skal nu finde sig et nyt hjem i Vesttyskland. Dermed er eksistensbekymringen og erhvervsbekymringen sammenfaldende, og de hjemvendte narrer på ingen måde sig selv med illusioner om vanskeligheden af deres situation fremover. Men nu glæder de sig dog over, at de endelig kan leve uden at være bag pigtråd og denne følelse nyder de tilfulde. -- (Neues Tageblatt, Osnabrück) 
    27 Unser Schmerzenskind: Danzig. 
           Zu dem Artikel in Nr. 44 der Deutschen Nachrichten vom 25. 11. 1946: "Danzigs Wiederaufbau" Herrn Artur Lindberg b, Dagens Nyheter, Stockholm. 
    28       Wer diesen Artikel über Danzigs Zerstörung gelesen hat und fast bis zuletzt in Danzig gewesen ist, fasst sich an den Kopf und fragt sich, warum in diesen Notzeiten ganz besonders stark gelogen werden muss. Man könnte es ganz kurz abtun und sagen, es ist eben leichter, als die Wahrheit zu sagen. Wemm dem so wäre, könnte man sich damit zufrieden geben, aber die Dinge liegen eben anders. Diese sehr durchsichtigen Berichte werden oft, mit der Dummheit der Menschen rechnend, weitergegeben, um als grosser Antifaschist oder gar als geborener Nazigegner zu erscheinen. Früher gab es "Augendiener" und "Radfahrernaturen" in der Minderheit, heute scheint die Mehrzahl der deutschen Menschen unter diese Rubrik zu fallen. 
    29 Nun zu dem Artikel selbt. 85% der alten Hansastadt Danzig ist zerstört, der grössere Teil wieder durch systematische Sprengungen dder Wehrmacht. Nein, lieber Lindberg, die nach dem 25. 3. 45 aus Danzig geflüchteten Flüchtlinge schütteln den Kopf über diese falsche Behauptung. Am 25. 3. 34, dies war ein Sonntag, wurde Danzig aus der Luft und durch Beschluss zerstört ind in Brand gesetzt. Da das Landgericht, Polizeipräsidium und viele andere Gebäude noch stehen und nus ausgebrannt sind, ist der Beweis erbracht, dass in dem Bericht die bewusste Unwahrheit gesagt wurde. 
    30       Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man die Verteidigung der Stadt Danzig hätte rechtzeitig aufgeben sollen, um diese Zerstörungen zu vermeiden. Angesichts der vielen lügenhaften Behauptungen ist es sehr bedauerlich, dass kaum noch ein deutscher Mensch es wagt, sachlich zu berichten und der grossen Lüge entgegenzutreten. In Deutschland soll die Demokraeit aufgebaut werden, folglich muss die Wahrheitsliebe geweckt und gefördert werden. Dies ist besonders notwendig, weil wir sonst wieder die Demokratie zum Popanz werden lassen wir 1918-1933 und die Reaktion wieder zum Rechtsextrem der Nutzniesser wird. 
    31 Zur Zeit haben wir gerade genug Scharlatane in allen Schattierungen herum zu laufen, die sich als politische Konjunkturritter und moderne Zeitreporter betätigen. Um nicht unter diese gerechnet zu werden, muss man sich erst von den Tatsachen überzeugen und dann berichten. Die Tatsachen über Danzig sehen eben anders aus, als sie in dem Bericht geschildert werden. 
    Willy Grashof,
    Klövermarken, Bez. 7. Bar. 475.
    32 Unsere Antwort.
         Wie schon aus Ihrer Anschrift hervorgeht, machen Sie die "Deutsche Nachrichten" gerechterweise nicht für den Bericht aus "Dagens Nyheter" verantworlich. Wir haben ihn lediglich übernommen, um unsere Leser darüber auf dem Laufenden zu halten, was künftig mit Danzig geschehen soll. Der zweite Satz dieser Meldung konnte tatsächlich so aufgefasst werden, als sei keine Bombe und kein Artilleriegeschoss auf Danzig gefallen. Wir bedauern, dass dieser Eindruck entstehen konnte; denn es ist uns aus vielfachen Augenzeugenberichten bekannt, dass auch Danzig unter schweren Bombenangriffen und Geschützbeschuss gelitten hat.
    33      Auch der Berichterstatter Lindberg hat dies wahrscheinlich nicht bestreiten wollen. Das wichtige wird ihm gewesen sein, die sinnlosen Sprengungen zu erwähnen, die bei Aufgabe det Stadt systematisch durchgeführt wurden -- übrigens nicht nur in Danzig, sondern an vielen Orten Deutschlands. Oder will Herr Grashof bestreiten, dass die Wehrmacht in Danzig gesprengt hat? Dann würde er den Fehler Lindbergs wiederholen. Beides ist in und mit Danzig geschehen. Schaden sowohl durch fremde als auch durch heimische Kampfmassnahmen. 
    J. Sp. 
    34     Noch einmal: Was ich in Danzig sah ....
          Als Studenting der Medizinischen Akademie in Danzig bin ich über 2 Jahre lang täglich im Anatomischen Institut im Danzig aus- und eingegangen und ich möchte zu dem Bericht von Stanislaw Strabski "Mydo z ludskiege tuscu in: Wydawnictwo-Zachodniej Agencji Prasowei, Posen 1946 folgenes bemerken: 
            Die Anatomie und das hygienische Institut standen Ecke Delbrückalle und Hindenburgallee, nicht Adolf Hitler-Strasse. 
    35       Der Präpariersaal befand sich im Keller und es war dort nur ein Becken vorhanden zum Aufbewahren und Frischhalten kleiner Präparate. Dahinter dann lag der Leichenkeller mit 6 bis 8 Becken, in denen die Leichen fast ein Jahr lang in Alkohol liegen mussten, damit sich das Körpereiweiss fixierte, was. wie Herr Georg Drossel -- Aalborg, schon sagte, eine Entgiftung bedeutet. Die schweren Eisendeckel verhindern das schnelle Verdunsten und Verfliegen des Alkohols. In den oberen Stockwerken war weder Platz noch die erforderlich niedrige Temperatur zur Aufbewahrung verweslicher Organismen. 
    36      Im Dezember 1944 war ich das letzte Mal dort und habe nichts von diesen angeblichen weiteren Einrichtungen gesehen. Es waren im Erdgeschoss sonst nur noch der Demonstrationssaal und das Büro und Privatlabor des Chefs, im ersten Stock der Unterrichtsraum für die med. techn. Assistenten; das übrige wurde von dem zweietagigen Hörsaal eingenommen. Der Anbau hinter der Anatomie war im Dezember 1944 noch im Bau. Was dann bis zum März 1945 gebaut und eingerichtet wurde, weiss ich nicht. Doch ist nicht anzunehmen, dass unter Bombenhagel und Aribeschuss noch viel geschafft wurde. 
    37      Nun zu den "Zeugenaussagen": Ja, Herr Prof. Spanner war der Direktor des Institutes und sein erster Assistent, Herr Dr. Wollmann, ein Luftwaffenarzt, aber kein SS-Offizier! Die zu den Präparierübungen notwendigen Leichen wurden von dem Oberpräparator van Bergen nach Freigabe für diesen Zweck geholt. Sie stammten, wie bemerkt, aus Heilanstaltenund Gefängnissen; erst in letzter Zeit hatten wir auch Enthauptete. 
    38       Mazur war erst kurze Zeit in der Anatomie. Die angebliche Versuche hat van Bergen garnicht machen und leiten können, da er bereits Ende 1943 zur Wehrmacht eingezogen wurde. 
           Und wie schrieb Kurt Vieweg? Sollte es nicht der Pharmakologe Prof. Koll gewesen sein? Und Tausende von Leichen? Wir brauchten für einen Kursus ungefähr 30-40. Und wenn für die zwei nächsten Jahre für die nur im Winter laufenden Kurse vorgesorgt wurde, so können es höchstens 100-200 Leichen gewesen sein. 
           Das waren die "Zeugenaussagen". Und was sagen die Angeklagten, Herr Strabski? 
    39       Leichen für Studien- und Forschungszwecke zu brauchen und sachgemäss vorzubereitgen und aufzubewahren ist nicht eine Erfindung der Danziger Medizinischen Akademie, sondern wird schon lange Zeit in der ganzen Welt geübt. Das jetzt in der letzten Kriegszeit auch Polen unter den Gerichteten waren, ist nicht Schuld der Professoren. 
           Sind nicht alle Erfahrungen und Entdeckungen auf dem Gebiet der Krankheiten und Anatomie Ergebnisse langwieriger, schwerer Forschungsarbeiten? Und auf ihnen basiert dann die Heilkunde, deren Segnungen Sie sicher auch schon erfahren haben. Muss man nicht diesen Männern, die ihre ganze Kraft dafür einsetzten, Erkenntnisse zu gewinnen, um kranken Menschen zu helfen, dankbar sein? 
    40       Wenn nun Leute, die nichts davon verstehen, sich da hineinmischen und die ihnen unverständlichen Arbeitsvorgänge auf ihre Art und Weise deuten, und zwar falsch deuten und sie noch gar zu Propagandazwecken in die breite Öffentlichkeit bringen, ist das sehr hässlich. 
           Und uns macht es nur misstrauisch gegen all die Veröffentlichungen der Greueltaten der Deutschen; wie weit ist es Wahrheit, wie weit schmutzige Phantasie, um Rachegelüste zu stillen? 
    Gudrun Hardt, cand. mag.,
    Tuberkulose-Hospital Broholm pr. Gudme - Sydfyn.
    41 Schluss der Debatte
          Wir veröffentlichen vorstehendes Schreiben ohne Stellung dazu zu nehmen, denn bei dem jetzigen Stande der Aussprache ist ein klares Bild der Tatsachen von hier aus nicht mehr zu erlangen. Der wesentliche Punkt in dieser ganzen Anlegenheit schien nur zu sein, dass man in Danzig versucht haben soll, aus menschlichen Leichen Seife zu kochen. Auf diese Behauptung geht Fräulein Hardt nicht ein. Ihre Angaben lassen also die Möglichkeit der von Vieweg geschilderten Versuch offen. Damit schliessen wir die Debatte. 
    J. Sp. 
    42  Krieg dem Kriege ...
          Man hat errechtnet und es ist für jeden Sachkündigen auch glaubhaft, dass auf der Erde etwa 8 Milliardeb Menschen sich ernähren, natürlich auch wohnen, sich bekleiden und kulturell befriedigen können. Afrika, Australien, Amerika und Asien bieten bei einer grosszügigen Wasserhaltung und - verwendung ganz ungeahnte Ertrags- bezw. Bewirtschaftungsmöglichkeiten. 
    43  Würde man z. B. bei Gibraltar einen Staudamm von etwa 20 km Läng errichten, so würden grosse Teile des Mittelländischen Meeres allmählich austrocken, da ständig grosse Wassermengen aus dem Atlantischen Ozean ins Mittelmeer fliessen, das sonst -- ähnlich wie das Kaspische Meer -- nach und nach verdunsten würde. Der Staudamm bei Gibraltar könnte übrigens soviel elektrische Kraft liefern, dass ganz Europa damit versorgt werdeen könnte.
    44        Gegenwärtig leben auf der Erde etwas über 2 Milliarden Menschen, also nur ein Viertel des durchaus möglichen. Die grösste Sorge aller Lebewesen, nämlich die um den Futterplatz, ist also beim Menschen vorläufig ganz überflüssig. Deshalb hätte es nie einem Krieg zu geben brauchen. Wir haben Wissenschaftler, die uns das Weltall und die Entfernung er weitesten, noch gerade wahrnehmbaren Sterne ausmessen, nach Lichtjahren (unsere Sonne ist ja nur 8 Lichtminuten entfernt). 
    45  Anderen gelang die Atomzertrümmerung (wer kann sich eine Atomgrösse überhaupt praktisch vorstellen?). Wieder andere Forscher und Erfinder gaben uns das Radio, mit den wir (früher) in unserm Hein hörten, wenn jemand in Amerika, Japan oder noch weiter entfernt sprach oder musizierte. Man erfandt für Licht und Kraft den elektrischen Strom und ähnliches. Das vor einem Jahrhundert noch technisch und wissenschaftlich unmögliche Fliegen durch die Luft ist heute Selbstverständlichkeit geworden. Aus Kohle gewinnen wir Benzin und vieles andere, aus Fischfleisch Käse, Strassenmüll, aus Holz dagegen Spinnstoffe. 
    46  Wir haben Männer und Geister gehabt ( um nur ein paar wahllos zu nennen) wie Goethe, Wagner, Watt, Edison, Keppler, Leonardo da Vinci, Arco usw., die alle überragten und Grosses schufen. Das alles aber gibt uns die Gewissheit, dass der Menschengeist wirtschaftlich, technisch, wissenschaftlich wie auch kulturell noch vielerlei Grosses, Neues und Schönes erfinden, entdecken und schaffen wird. Man kann nur die an Wahnsinn grenzende Schattenseite nicht begreifen, dass sie ständig Millionen wertvoller Arbeitskräfte mit der Herstellung von Mord- und Zerstörungswerkzeugen beschäftigen, sie damit ausrüsten und einüben, in närrische Kleider stecken, bis dann so etwa ein simpler Gefreiter, der auch Politiker wurde un den Zirkus eröffnete, in 5 Jahren rund 50 Millionen unschuldiger Menschen unter die Erde brachte und die Kulturwerke eines Jahrhunderts vernichtete. 
    47  Wer so Monate -- jahrelang um den Sohn (oder mehrere), um Vater, Bruder, Liebsten in qälender Ungewissheit bangte, wer unzählige Male den Briefträger mit Sehnsucht und banger Sorge erwartete, wem hundertmal beim Alarm der Atem stochte und die Angst packte, wer dann in tagheller Nacht sein abbrennendes Heim erblickte und durch Feuersturm und zügelnde Flammen sein nacktes Leben retten konnte, anderntags dann durch lange zerstörte Häuserzeilen schritt, mit denen unser ganzes Lebenswerk und -inhalt, unser häusliches Glück zugrunde ging, 
    48  wer dann wie ein Bettler geächtet und herumgestossen wurde, bis er mit einer ihm das Letzte nehmenden verzweifelten Flucht, von Eis, Kälte und Nöten gegeisselt, schliesslich auch die Heimat, seine Scholle verlor, wer um sich die Toten, die Verkrüppelten, die Blutlachen sah, wer die unsagbare Teufelei eines der ungezählten Volltreffer grossen Kalibers in der Nähe erlebte oder sich die Wirkung eines solchen Torpedovolltreffers auf ein mit Tausenden vollbesetztes Schiff vorstell, wer die unfassbaren Scheusslichkeiten aus dem Nürnberger Prozess glauben lernte, wer sich all die schrecklichen Momente des Krieges nochmals in der Erinnerung wachruft und seine heitige Lage an dem verlorenen Glück und eigenen Herd misst, der verzagt völlig an jeden gesunden Menschenverstand. 
    49  Die ganze Kultur und Friedensliebe wirkt als höhnische Fratze, weil die führende Geister und Männer der Menschheit den Krieg nicht ausrotten konnten und vielfach sich auch ernsthaft darum garnicht bemühten. Wenn Hitler durch sein Buch "Mein Kampf", durch die Wiedereinführung der Wehrpfllicht, durch den Austritt aus dem Völkerbund und durch Vertragsbrüche und ähnliche Sachen ganz eindeutig erkennen liess, dass schon in der Parole "Nieder mit dem Schandvertrag von Versailles" die Kriegserklärung zum Weltkrig lag, so sei die ganze Intelligenz der Welt befragt, ob es wirklich keine andere Abwehrrepressalie, totaler Boyhkott etc. gab, als den massenmordenden zerstörenden Krieg.
    50  Denn gerade die führenden Männer wussten am Besten, was dieser Krieg an Opfern bringen würde. Hitler hat angefangen, er ist der Hauptschuldige für alle Ewigkeit. Diesen Fluch werden ihm alle ernüchterten Deutschen immer nachrufen. Sind jene aber nicht gleichfalls mitschuldig, die in der ganzen Welt ihre Heere und Flotten rüsteten und vermehrten zu Lande, zu Wasser und in der Luft? Doch nicht zum Frieden, sondern zu Krieg!
    51  Wer den Nationalsozialismus als friedensstörende Eroberungspolitik hasste, war gegen Hitler. Wer aber von all den Gegnern hasste und bekämpfte wahrhaft den Krieg, zumal der krieg 1914-18 grausamsten Anschauungsunterricht geboten hat? Die Kriegsdienstverweigerer und Rüstungsstreiks waren reichlich unbekannt, weil es allen viel schwerer war, einen wahrhaften Heldentod, im Kampf gegen den Krieg zu sterben, als den kriegerischen Soldatentod zu wählen. Es waren als einzige Schuldige aller Kriege, also auch des letzten, in allen Ländern führende Kräfte am Werk, die mit Geld und Hungerpeitsche die Volksmassen zur Rüstungsarbeit und zum Soldatentum zwangen und überredeten, um sich und ihrer Schicht aus solchen Kriegen Nutzen und Gewinn zu verschaffen. 
    52  Diese Massen aber haben von siegreichen beendeten Kriegen ihre persönlichen Opfer, von verlorenen dazu noch die Kriegsschulden als Erfolge zu buchen gehabt, aber keinerlei Vorteile. Denn an das Bitterste und Schwerste, was uns in Deutschland erwartet, denken heute noch wenige von uns. Es ist nicht mehr die Lebensmittelknappheit, die in absehbarer Zeit gemildert wird. Wir haben auch nicht annähernd ausreichenden Wohnungen, werden vielfach in allzugrosser Enge zusammenwohnen und als Hohn werden wir in den Städten noch jahrelang an den Trümmern vorbeigehen, wo einstmals schöne Wohnungen mit aller Häuslichkeit standen. 
    53  Wir werden noch lange in zerschlissenen und geflickten Sachen und schlechten Schuhwerk herumlaufen, wegen Waren- und Geldknappheit. Frauen und Männer werden noch hunderte Male an ihre schönen Kochtöpfe, Geschirr, Kleider, Möbel, Betten, Schreibtische, Bücher, Radio, an alle die Gebrauchs- und Kulturdinge denken, die sie einst besassen. Und vor allem wird uns die viel zu kleine Lohntüte ewig Kummer machen, die nicht hin nicht her langt und -- geborgt wird nicht mehr, das dürfte feststehen. Tausend Mal wird jeder an all das denken. Die Mütter an ihre Söhne, die jung und hoffnungsvoll getötet wurden, die Väter, Bräute, Geschwister an all ihre Gefallenen, die so viele Zukunftsträume in ihr Grab mitnahmen. 
    54  Millionen Krüppel, Schwache, Alte, Waisen, Witwen werden diesen Krieg noch erst verfluchen lernen, wenn selbst ihre bescheidensten Hoffnungen auf die Zukunft Schritt für Schritt enttäuscht werden. Die sagenhaften grauen Haare werden uns erst noch wachsen. Denn auch das sei hier gesagt, dass diejenigen, die heute noch gute Nachrichten von Deutschland haben, weil es ihren Angehörigen zur Zeit gut geht, in ein paar Jahren grausam "gleichgeschaltet" sein werden, weil gerechterweise alle Deutschen im Lande die gleichen Lasten zu tragen und Entbehrungen zu erdulden haben werden, weil jeder auch in der Not sich der Gemeinschaft, die diesen Krieg führte, unterordnen muss. 
    55  Es wird die erste Aufgabe einer Reichsregierung sein, all die selbstherrlichen Besserstellungen der vom Kriege Verschonten zu Gunsten der allgemeinen Notlage etwas einzuebnen. Uns allen aber muss all das gesagt werden, all das Leid zu dem einzigen millionenfachen Schwur zwingen: "Nie wieder Krieg!" Die Gewerkschaften und Parteien müssen als Punkt 1 ihrer Satzungen Rüstungsarbeiten jeder Art und Militärdiensts gru9ndsätzlich verbieten. Das ganze Volk muss mit leidenschaftlicher Aufmerksamkeit gefährdende Regung achten und radikal bekämpfen. Die stärkste Organisation und Bewegung im lande muss die der Kriegsgegner sein. 
    56  Jede Hetze oder Verunglimpfung gegen andere Länder oder Völker ist zu unterbinden. Mit einer solchen beweisstarken Friedensliebe wird nicht nur jeder deutsche Angriffskrieg verhindert, sie wäre die grösste Kulturtat, die Deutschland an die Stelle rückt, vor der alle Kriegslüsternen Respekt haben und von der die Pazifisten der Welt Kraft und Ausdauer empfangen. 
    57  Kriege sind Menschenwerk, sind Zerstörer, seelich und wirtschaftlich und ihr Gewinn ist neuer Hass und Neid. Kriege müssen deshalb unmöglich gemacht werden, wenn wir als Menschen uns über das Getier erhaben dünken und uns unserer Kultur und Zivilisation rühmen und erfreuen wollen. Ihr Mütter, Väter, Geschwister, ihr Staatenlenker und Denker, wollt Ihr Krieg oder Frieden: dann entscheidet, aber endgültig.
    R. Mahlo, 
    Flüchtlingslager Skallerup Klit.
    pr. Hjørring. 
    58  Selbständigkeit 
    J. Nolte,
    Bez. D -- Bar. 12a, Z. 2
    An die Deutschen Nachrichten, Kopenhagen. 
           Nur an der Selbständigkeit wächst das Verantwortungsgefühl. Sehr richtig har J. Sp. damit gesprochen. Wer besitzt aber diese Selbständigkeit, die im Interesse der ganzen Menschheit auf demokratischer Grundlage geschaffen werden soll? -- Die Demokratie, mit der heute so sehr hin und her jongliert wird, kann nur von Erfolg gekrönt sein, wenn neben der Bodenreform, wie ich sie seinerzeit darlegte, auch eine Geldreform einherschreitet. Die ganze kapitalistische Wirtschaftsform, wie sie heute auf der ganzen Welt ausgeübt wird, wird niemals zu einer wahren herzlichen Demokratie führen. Alles Gerede darüber bleibt nur leere Schall, solange nicht auch eine demokratische Wirtschaftsform die kapitalistische ablöst. 
    59        Arbeit und Kapital muss auf einen gleichwertigen Ausgleichsnenner basiert werden. Es ist ein Undung, wenn die Arbeit gezwungen wird still zu liegeb, wo sie dann rostet und das Material sich verringert, aber auf der andern Seite das Kapital sich vermehrt, auch wenn er ruht! Die Not unseres deutschen Vaterlandes erfordert es, dass alle Räder laufen, ungehemmt laufen, wenn alles das, was wieder gut zu machen ist, geschafft werden soll. Das Mehrgewicht des Kapitals aber, welches die Menschen dazu verführt, soviel wie möglich arbeitslose Einkommen einzustreichen, veranlasst den Kapitalisten, einfach in den Streik des Kapitals einzutreten und den Arbeitswilligen am Hungertuche nagen zu lassen. 
    60         Diesem kann nur dadurch abgeholfen werden, dass auch dem Kapital, wenn es streikt, der Brotkorb höher gehängt wird. Dies geschieht dadurch, wenn der Machtfaktor des Kapitals, die Verzinsung desselben in dine Entzinsung umgewandelt wird. Dadurch ist der Kapitalist gezwungen, sein Geld nicht streiken zu lassen, es rostet ihm dann eben so weg, wie der Arbeit ihr Material. Einem jedem Menschen, der guten Willens ist zu schaffen und dem die moralische und praktische Verantwortungsgabe nachgewiesen werden kann, muss zunsloses Kapital zur Verfügung gestellt werden, um im Sinne der Volkswohlfahrt schaffen zu können. Der heutige Kapitalist wird dadurch gezwungen, nun auch zinsfrei zu arbeiten und der Wettbewerb beider Gruppen wird dazu führen, die Räder in rastloser Tätigkeit zu schmieren. 
    61        Weiter wird der Wettbewern dazu führen, die Waren und Fertigprodukte auf zinsloser Wirtschaft aufgebaut, stetig zu verbilligen, ohne auch im geringsten die Arbeitslöhne zu vermindern. Das Streikfieber, welches heute trotz aller ungeheuren Not und des Elends in der ganzen Welt unter der Arbeiterschaft daherrast, kann dann auch erst als unbegründet verdammt werden. 
    62       Seien wir uns stetig bewusst, dass eine auf freiwirtschaftlicher (zinsloser) Wirtschaft aufgebaute Welt alle Hemmungen beseitigt, die letzten Endes stets zu Kriegen führen. Wir alle sind verpflichtet, nach diesem furchtbaren Aderlass uns auf Besseres zu besinnen, mitzuhelfen und nachzudenken, um in ruhiger Arbeit aufzubauen, was niedergerissen ist, ohne dem Nächsten dabei wehe zu tun. 
    J. Nolte. 
    Ich bitte um Aufnahme meiner Zeilen und dieselben zur Debatte zu stellen. 
    63  Von Zone zu Zone 
           Flüchtlinge können wieder ih ihre heimatliche Besatzungszone. 
            Deutsche Flüchtlinge, die infolge der Kriegsergnisse ihre Heimstätten verliessen, können jetzt nach einem von dem Alliierten Koordinierungsausschus in Berlin genehmigten Plan die Erlaubnis erhalten, in jene der vier Besatzungszonen zurückzukehren, in der sie früher ständig wohnhaft waren. -- 
    64        Die Zeitpunkt der Rückkehr und die Anzahl der Rückkehrer unterliegt den Anordnungen des jeweoligen Befehlshabers der Zone, in die die Rückkehrer einreisen wollen, ohne Rücksicht auf ihren augenblicklichen Aufenhaltsort.
           Weiter beschloss der Koordinierungsausschuss, dass die Durchführung dieses Planes nicht die bestehenden Abkommen über die Umsiedlung ausgewiesener Deutscher von Österreich, Ungarn oder der Tschechoslowakei behindern soll. 
    65    Sinn für Humor 
          Ach, wissen Sie, ich lese so gern die "Deutschen Nachrichten" und in der letzten Nummer 42 brachten Sie etwas von Wilhelm Busch, wunderbar, meinem Herzen entsprechend. Wie lange wünschte ich mir hier ein Buch von ihm zu besitzen. Hätte ich die künstlerische Begabung wie er, würde ich so gern Begebenheiten aus dem Lager, Klatschsucht der Frauen und Menschen, die sich besonders klug nennen, die jedem nach der Zunge reden, um sich nie zu schaden, und auch nie die offene Art zeigen und auf Mitmenschen auf diese Art vergiftend wirken, schildern. 
    66   Diese Menschen möchte ich malen wie sie sind und charakterisieren. Ach, wenn ich das nur könnte. Aber es ist mir nicht gegeben. Ich möchte nicht kritisieren, nein, ich möchte nur solchen Menschen zeigen wie sie aussehen, wie sie wirken und dass solche für junge werdende Menschen nicht erzieherisch wirken dürften. Ja, so kann nie ein ehrliches neues Deutschland erstehen. Wilhelm Busch verstand ich immer zu lesen. Ich las immer nur zwischen seinen humorvollen Zeilen den tiefsten Schmerz. Er war leider nur ein zu grosser Pessimist. 
    67  Aber hat er nicht recht für unsere Zeit? Geradezu und ehrlich sein, ja, dann ist man blöd, einfältig und gehässig, gesehen für solche Menschen, die ich meine. Ich habe schon oft für mich Gedichte geschrieben. Ich hätte gerne so manches unserer Zeitung übergeben, aber tat es nicht, weil ich weiss, diese Menschen lästern darüber und bessern sich nie. Ich erlebe dann stets wieder, was ich hier unter solchen Menschen leiden musste. Wenig gute und ehrliche Menschen gibt es. Ach, wenn es so in Deutschland ist, wo führt da hin? Darum meine trüben Gedanken für die Zukunft in Deutschland. 
    68  Aber heisst es einmal für kein Kind und mich nach Deutschland, dann gehen wir beide tapfer unserm Schicksal entgegen und immer höre ich die Worte meines toten Vaters: "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!" -- -- Und dann sagte er immer, er, der auch unter falschen Menschen litt "O lieb solang du lieben kannst, o lieb' solang du lieben magst. Die Stunde kommt, die Stunde kommt, wo du an Gräbern stest und klagst". Ja, ist soclh ein wertvoller Mensch erst tot, dann erkennt man ihn, dann spricht man von ihm, weit über das Grab hinaus. Das sind die Kämpfer ihres ganzen Lebens. Und diese selbst starben froh. Ihr Leben hatte Sinn. -- -- Ich gab Ihnen Freude und Dank über die Zeilen von Zeilen von Wilhelm Busch. Und ich schliesse mit besten Grüssen.
    Frau Irmgard Brausewetter. 
    69  Zwei Mahnungen ...  
          Fallt nicht in die Fehler von 1918-32 zurück, so möchte ich denjenigen zurufen, welche die deutsche demokratische Republik aufbauen wollen. 
           Seht euch die Leute an, die ihr zu euren Helfern und Mitarbeitern macht. Denn wenn man die Augen richtig aufmacht, dann sieht man allerhand Gestalten wieder, genao so wie 1918-19, die im Trüben fischen wollen, die denken, jetzt ist es Zeit aus der Versenkunt aufzutauchen, sich ein Pöstchen, Posten oder sogar eine fette Pfründe zu ergattern. 
    70  Ihre Gesinnung?? Sie haben gar keine. Heute schreien sie sich heiser, der Nazismus muss mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Gestern aber waren sie selber sein eifrigsten Mitläufer und konnten nicht genug tun, ihn zu lobsingen und zu lobpreisen. Ich gedenke des Anfang März 1933, wo sie am Tage vor der Wahl, ja noch am Wahltage selber die rote Fahne oder die schwarz-rot-goldene Fahne aus dem Fenster heraushängten, um nach der Wahl sofort die -- auf alle Fälle --bereitgehaltenen Hakenkreuzfahnen zu hissen, und die andere schleunigst zu verbrennen.
    71  Heute nun, soll abermals die Demokratie aufgebaut und untermauert werden, gut und gründliich. Also Achtung! nicht wieder in den alten Fehler verfallen. Seht euch nur die Gesichter recht an und den inwendigen Menschen. Seht euch nur an, wie sie sich in den Vordergrund drängeln. Bei ihnen ist Können und Intelligenz verhasst, nur Durchschnitt und darunter sind gefragt. Maulaufreissen riesengross, positives Arbeiten niemals. Aber selbst zeigen was sie können, da kann man sagen, Fehlanzsige. Sie lassen lieber andere arbeiten und fleissig sein. So fing es 1918-19 an und die Demokratie versandete. Soll dies heute wieder der Fall sein? Nein! 
    72  Seht euch gerade jetzt die Leute genau an, die zur Mitarbeit herangezogen werden. Diese müssen von der Richtigkeit der Demokratie felsenfest überzeugt sein, sie müssen einen anständigen Charakter haben. Tüchtige, fleissige, kluge Menschen, welche im Inntersten gewillt sind aus vollster Überzeugung am Aufbau eines deutsch-demokratischen Einheitsstates mitzuarbeiten. Ob Arbeiter, Handwerker, Bauer, Angestellter, Beamter oder sonstwas, Hauptsache er ist ein gerader aufrechter Mensch mit dem nötigen Idealismus und Schwung, der Berge versetzen kann. 
    73  Kein Konjunkturritter, der den Mantel nach dem Winde hängt und nur an sich denkt, nicht an das Volk. Wir wollen nicht wieder in den Fehler verfallen, dass alle möglichen minderwertigen Menschen sich als Demokraten aufspielen. Aber nur Egoisten reinsten Wassers sind, welche nur ihr eigenes Ich kennen und nur ihr eigenes Wohl und Wehe achten und so den Bau des neuen Staates schon in den Anfängen untergraben. Aber jeder anständig gesinnte Mensch, der für die Demokratie durchs Feuer geht und der bereit ist und mithelfen will, die neue Republik aufzubauen, sollte willkommen sein, um an der Gründung des allein richtige und allein lebensfähigen deutschen demokratischen Einheitsstaates mitzuarbeiten. 
    Konrad Goth, 
    Grove per Karup 60-11 -- Jütland. 
    74  Herr Goth nennt seine Überzeugung vom deutschen demokratischen Einheitsstaat "alleinrichtig" und "alleinfähig". Das klingt reichlich doktrinär. Will er damit alle andern Möglichkeiten demokratischer Staatsgestaltung von vornherein als "alleinunricht" und "alleinlebensunfähig" abtun? Das wäre wenig freiheitlich und wenig duldsam gedacht. Wer will versuchen, eine Meinung zu dieser Frage zu äussern? 
    J. Sp. 
    75  Werter Herr Spatz!
         Ich bitte Sie sehr höflichst um Abdruck meines nachstehenden Artikels. 
           An alle Flüchtlinge!
           Liebe Flüchtlinge, eineinhalb Jahre Internierung liegen schon hinter uns, und nicht ein einziger von uns allen hätte jemals daran gedacht, dass wir so lange, von aller Welt angeschnitten, hier hinter Stacheldraht leben müssten. Und doch ist es nun eine so lange Zeit geworden, die jedem einzigen von uns fast unerträglich erscheint. 
    76       So lebten wir nun anfänglich mit der grosen Hoffnung im Herzen, nach der Kapitulation Deutschlands doch auch bald in unser schwer geprüftes Vaterland zurückkehren zu dürfen, aber all unser Hoffen und Sehen versand ins Tiefe und Unendliche, ja und wer von uns hätte auch nur den einen Gedanken laut werden lassen, noch Weihnachten hier zu sein? Und so erlebten wir doch auch die erste Weihnacht fern von allen Lieben ohne jede Hoffnung 1945 in einem Land, das uns als Feinde und Eindringlinge betrachtet.
    77  So vergingen wieder Wochen, ja Monate und in einem jeden Flüchtlingsherz keimte wieder die grosse Hoffnung, doch dann 1946 daheim zu sein. Nur noch wenige Wochen trennen uns jetzt von dem grossen deutschen Weihnachtsfest, und für viele von uns ist die grosse Hoffnung, dieses Fest nun endlich zu Hause begehen zu dürfen, auch wieder zunichte gemacht worden. Nur einem kleinen Teil ist das glückliche Los zugefallen, Weihnachten 1946 daheim zu verleben. Ja, gerade in diesem Jaur ist uns das Leben und das Warten zur grossen Qual geworden, denn so manch einer hat nach langer Trennung seine lieben Angehörigen wiedergefunden und kann nun doch nicht bei ihnen sein. 
    78  Desto näher nun das Fest der Liebe heranrückt, umso sehnsüchtiger weilen unsere Gedanken bei unsern Lieben daheim, denn nur unsere Gedanken ist es frei, weit über den Stacheldraht hinauszuwandern zu unsern Angehörigen, und auch dei zweite Weihnacht, 1946, nur so in Gedanken zu erleben. Liebe Landsleute, wenn es das Schicksal auch wieder in diesem Jahre mit uns nicht gut gemeint hat, so rufe ich trotzdem allen zu, verzagt nicht, seid tapfer, lasst in euren verzagten herzen wieder die Hoffnung erblühn, denn es ist die letzte Weihnacht, die fern von der Heimat für uns heranrückt, denn bald wird die Sehnsucht für jeden von euch ihre Erfüllung finden, und in diesem Glauben grüsst sie
    Frau Gertrud Frank,
    Flüchtlingslager Rye 1, Bez. D. Bar 18-10.