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Deutsche Nachrichten 1946 Nr 48

 vom 23. Dezember 1946

Deutsche Nachrichten 1946 nr 48

 fra 23. december 1946.

 
 Wochenschwatz #1
 1 Wochenschwatz von Jochen Spatz
      Liebe Landsleute. Wir Menschen haben heutzutage eine komische Art, unsere hohen Feste zu feiern. Das Fest der Liebe, des kommenden Lichts zum Beispiel, leiten wir ein mit einem grossen Gerauf, gleichgültig, ob wir uns in Freiheit und Wohlstand oder in Armut un Unfreiheit befinden. 
       Die Wohlhabenden und Freien stürzen in diesen Wochen von Geschäft zu Geschäft, bis ihnen die Zunge aus dem Halse hängt wie von der Jagd erhitzten Hunden. Sie feilschen um schlechte Waren zu hohen Preisen, als hinge die Seligkeit davon ab. 
3       Zwar haben wir einst in der Schule gelernt, der Advent sei die Zeit der stillen Einkehr, der Vorbereitung. Aber die menschlichen Triebe erweisen sich ja zuweilen stärker als jene Schulweisheit. 
      Das leise Glockenklingen unter den duffen Winterwolken, mit denen der Himmel die frierende Erde wie in Watte wickelt, damit ihr der Frost nicht allzu weh tut, die sanften, weltabgewandten Orgelklänge, die aus matt erleuchteten Kirchen in die geschäftigen Gassen des weihnachtlichen Handels zirpen, werden übertönt vom Geklirr und Gerassel elektrischer Ladenkassen. 
4       Und wenn sich der freie, wohlhabenden Festteilnehmer am Heiligabend unterm Tannenbaum bei Lichte besieht, hat er nicht, wie es so schön im Adventschoral heisst, sein Herz mit Ernst bestellt, sondern eigentlich nur in Hast seine Geldtasche leer und sich selber hungrig und müde gemacht. 
        Merkwürdig, wie uns Menschen die Angst verfolgt und umher jagt, wir könnten irgendwie zu kurz kommen, uns könnte irgendwo etwas aus der Nase gehen, unser Anteil könnte zu klein geraten. 
5       Das ist im Flüchtlingslager wie überall auf der Erde. Doch inzwischen ist wohl die Balgerei zwischen den Gruppen und Bekenntnissen um die Verteilung er so karg bemessenen Kleidervorräte beendet. Der in den letzten Wochen beträchtlich gesteigerte Zustrom zu kirchlichen Handlungen und Einrichtungen dürfte mig dem Schwinden der auszuteilenden Kleidungsstücke wieder in sein natürliches Flussbett zurückgeglitten sein. Und endlich darf sich der Mensch beruhigt ein Weilchen zum Zauber der Weihnacht oder der Wintersonnwende -- je nach Bekenntnis -- einspinnen lassen, der alle empfindsamen Gemüter umhüllt und erfüllt, gleichgültig, ob sie gläubige Christen, eifernde Kirchenläufer und Beter, hochfahrende Gottesleugner oder kühl und freidenkerisch eingestellte Besserwisser sind. 
6       Auch die Gemüter der härtest gesottenen Eigenbrödler und Sonderlingen tauen in diesen dunklen und kalten Tagen um einige Grade auf. Das Geheimnis dieser berückenden Zeit vor dem Jahreswechsel sitzt uns tiefer im Blute, als wir gemeinhin wissen. Lange bevor die Heilsbotschaft aus dem Orient die Träume der Menschen mit ihren lieblichen Bildern verschönte, war die Wintersonnwende im rauhen Norden die Zeit des Zusammenrückens, des Einander-Verbundenseins der dem Dunkel und der Unbill anheimgegebenen Menschen, die sich nach Behagen und Frieden, nach Glanz und Wärme sehnten.
7        Sie gaben ihrer Sehnsucht Ausdruck im Vorläufer unseres Lichterbaums, im Sonnwendfeuer. In seinen wohltuenden Flackerscheine träumten sie, starker Getränke und Speisen voll, von der wiederkehrenden Sonne, dem kommenden LIcht und Heil der Welt. Wie müssen die Völker des Nordens am Winter gelitten haben, da sie imstande wareh, ihre Sonnwendstimmung so zu verdichten, dass sie uns späten Nachfahren so lebendig vererbt in Fleisch und Blut übergehen konnte. Selbst als die sieghafte Mär des Südostens das Heil der Welt im Menschensohn verkörperte, konnte sie die alte Stimmung, den alten Brauch nicht verdrängen. Sie musste sich mit ihm vereinigen. Keines war stark genug, das andere auszuschliessen.
8       Wie könnte das anders sein. Wessen Herz wäre stumpf genug, um nicht die von Furcht und Zweifeln erfüllte Freude mitzuerleben, die die Hirten auf dem Felde vor Betlehem überwältigt haben muss, als sich vor ihren verzückten Augen der Himmel auftat in jener Wundernacht. Als die Engel des Höchsten vor ihnen tanzten und sangen: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!
9      Der zu Betlehem geborne Heiland fand auf dieser Menschenerde eine ungastliche Stätte. Schriftgelehrte und andere Leute beeilten sich, ihm einen Platz im duldsameren Jenseits anzuweisen. Und die Erde ward immer höllischer. 
       Dabei hatte die Botschaft zu Betlehem einen völlig aufs Diesseits gerichteten Ruf zu verkünden: Friede auf Erden. Und den Menschen ein Wohlgefallen! Daran ist nicht zu drehen und zu deuteln. 
10      Seit anderthalbtausend Jahren haben wir diese Botschaft gehört und nach ihrer Erfüllung geseufzt. Warum eigentlich?
        Die Sonne wendet sich und kehrt wieder nach Gesetzen, die sich von Menschen nicht ändern lassen. Aber unsere irdische, menschliche Not kommt aus Gesetzen, die wir uns selber geschaffen haben und schaffen. Wir haben es in der Hand, sie zu ändern. Wenn wir nur wollen. 
Die alte Mär wird Wirklichkeit,
und Frieden greift auf Erden Platz,
sind wir zum Dienst an ihm bereit.
In diesem Sinne Jochen Spatz. 
11  Mehr über das Soldatentum ...
      Als eifriger aber auch kritischer Leser der "Deutschen Nachrichten" habe ich Ihren Artikel in Nummer 43 derselben Zeitung zur Kenntnis genommen (46-43#60). Ich kann nicht umhun, als ehem. Leutnant und jetziger Feldmeister und Minenkommendoführer der Dienstgruppe Dänemark dazu Stellung zu nehmen. Ich kann es um so weniger,da ich durch den ihn Ihrem Aufsatz über das Soldatentum enthaltenen Angriff gegen das Minen- und Sprengkommando und die über 200 im Mineneinsatz in Dänemark gefallenen Kameraden dieser Einheit, unter denen sich auch Offiziere befinden, dieselben herzbgewürdigt sehe. Zu ihrer Rechtfertigung ergreife ich die Feder. 
12        Vorweg etwas Persönliches. Herr Specht. Ich war wohl junger Offizier, entstamme aber keiner Aristokraten- oder offiziersfamilie. Meine Eltern und Voreltern waren Arbeiter und Handwerker und ich selber bin nicht etwa aktiver Offizier, sondern im Zivilberuf Maurer, als welcher ich in nächster Zeit auch wieder arbeiten werde. 
13  Auch habe ich keine besondere Schulbildung genossen, wie Sie vielleicht annehmen könnten. Den Krieg mit all seinen Schrecken lernte ich sent Anfang 1942 als einfacher Soldat vorn kennen; auf dem Vormarsch in Russland, auf dem deprimierenden Rückzug vom Don bis nach Rumänien hinein; denn Offizier bin ich erst seit 1944. Ich scheue mich aber nicht zu sagen, und ich glaube im Namen der meisten meiner Altersgenossen zu sprechen, dass ich mit meinem jungen Herzen an die Gerechtigkeit unserer Sache glaubte und deshalb auch meine selbstverständliche Pflicht tat, ohne zu fragen, was da für mich herausspringen könnte oder was es dabei zu verdienen gäbe.
14  Ich erschöpfte mich auch nicht in Widersprüchen und in einer pazifistischen Einstellung, deren Sie sich jetzt rühmen. Für mich genügte es, dass das Vaterland in einem Kampf auf leben und Tod stand. Das bestimmte für diese Zeit mein Handeln. Alles andere wurde zurückgestellt. Sie, die Sie ja das jetzt auf uns lastende Unglück schon vorher hatte kommen sehen, aber leider auch nichts unternommen hatten, mögen mich nun ruhig verurteilen. Verurteilen als einen Menschen, der nach Ihrer Meinung nur blindlings Befehle ausführte und dadurch erheblich schuld an der jetzigen Notlage seines Volkes ist. 
15        Ich würde mich aber als ehrlos bezeichnen, wenn ich jetzt, bedingt durch die anderen Verhältnisse, übereifrig meine "schon jeher demokratische und anti-militaristische Einstllung" hervorkehren und versuchen würde, meine damalige Haltung verleugnen zu wollen. Sie können aber glauben, dass wir jungen Menschen durch die eingetretene katastrophale Niederlage unseres Landes und seiner Weltanschauung in ein grosses geistliges Chaos gestürzt wurden. 
16  Dass wir eine lange Zeit wie betäubt waren und allen Glauben an die menschlichen Werte verloren zu haben schienen. Dass für mich persönlich auf diese Phase eine Zeit des inneren Ringens und Suchens um Klarheit folgte und dass ich nun endlich so weit bin, mich aus den geistigen Trümmern hervor zu arbeiten. 
17        Nun zu ihrem Artikel, Herr Specht. Auch ich sehe heute vieles, vieles anders, mit anderen Augen. In einigen Punkten muss ich Ihrem Aufsatz durchaus beipflichten. Es ist in den letzten Monaten des Krieges manches vorgekommen, was lieber hätte ungeschehen bleiben sollen. Ich scheue durchaus nicht nationale Selbstkritik. Ja, ich erachte sie sogar als sehr notwengit, wenn es für uns wieder einen Weg nach oben geben soll. 
18  Und doch muss ich Ihnen einen Mangel an Objektivität vorwerfen, wenn Sie verschiedene, wirklich bedauerliche Vorkommnisse verallgemeinern wollen, wenn Sie die überaus grösste Zahl der Anständigen diesen verantwortungslosen Personen gleichstellen. Es wirkt überaus geschmacklos, wenn Sie den deutschen Offizier, wie gesagt von einigen Ausnahem abgesehen, als einen überheblichen, blutrünstigen Unterdrücker derjenigen hinstellen, die keine Offiziere sind und wenn Sie ihn als einen üblen Saufkumpan und sittlich verkommenen Menschen bezeichnen. Sie berichten dabei von Kasernenhöfen, Stabsärzten usw., so dass man annehmen muss, Sie haben Ihre Soldatenzeit meistens dahinten verbracht und wenig von der Front gesehen. 
19  Denn hätten Sie es, wären Ihnen auch andere Bilder zu Gesicht gekommen. Beispiele von höchster Kameradschaft zwischen Offizier und Mann. Vorn bei einer Inf. Kp. zum Beispiel gab es keine grossen Unterschiede zwischen ihnen, denn sie zogen ja alle am gleichen Strang. 
20  Und ich kann Ihnen nur von meiner langen Gefreitenzeit berichten, ich war Meldeläufer, dass ich für meinen Komp. Chef durchs Feuer gegangen wäre; denn er war ein wunderbarer Mensch und Offizier. So war es auch bei vielen anderen Einheiten. Sie können auch gewiss sein, dass gerade die jungen Offiziere vorn nicht ihr Leben schonten und vorangingen, wie ja die leider hohen Verlustziffern es auch besagen. 
21        Herr Specht! Auch ich, und mit mir wohl die menstek der vernünftig denkenden Menschen wünschen keinen neuen Krieg mehr, gerade weil wir ihn in so schreckhafter Weise an eignen Leibe verspürt haben. Bei der sprunghaften Entwicklung der Technik bedeutet eine neue auseinandersetzung nach meiner Ansicht tatsächlich der Vernichtung der menschlichen Kultur und Zivilisation. Ich glaube auch an keinen neuen Krieg in absehbarer Zeit, genau so wie ich diesen Gerüchten entschieden entgegentrete. 
22  Es wäre nur eine Verkennung der eignen hoffnungslosen Lage, wenn wir uns glauben machen wollten, wir könnten als lachende Dritte aus einem Krieg zwischn Ost und West hervorgehen. Die Wirklichkeit wäre, dass die letzten Überreste unserer einstmals blühenden Städte vollens ins Schutt und Asche gelegt und das schon arg zur Ader gelassene deutsche Volk in seiner Substanz vernichtet werden würde. 
23       Sie können überzeugt sein, dass ich gewiss kein Militarist in Ihren Sinne bin. Auch ich lehne ein Soldatentum ab, welches sich in der unterdrückung der Persönlichkeit des Menschen und in einer Tyrannei von gewissenlosen Korporälen und Offizieren äusssert. Zucht, Ordnung und Gehorsam, die Grundpfelier der menschlichen Gesellschaft überhaupt, müssen natürlich gewahrt bleiben. Dieses lässt sich allerdings auch anders erreichen, als durch gewaltsame Methoden. Mir schwebt dabei die engl. und amerikanische Wehrmacht vor Augen. -- 
24  Mag nun das deutsche Soldatentum einige bedauerliche Auswüchse gezeigt haben, so kann es soch den Vergleich mit dem der anderen Völker aushalten. Ich wenigstens gehöre nicht zu den Leuten, welche nun alles verhöhnen und mit Schmutz besudeln wollen, sei es, um jemanden nach dem Mund zu reden oder sich Vorteile zu verschaffen. 
25   Auch bin ich nicht von der Sorte einer kleinen Minderheit von Menschen, die bei der Kapitulation nun endlich ihre Zeit für gekommen sahen und mit flegelhaftem Auftreten protzten, um dadurch ihrer Abneigung gegen alle Ordnung deutlich Ausdrick verleihen zu können. Meistens handelte es sich aber hierbei um halbwüchsige, unreife Bürschchen. 
26         Ich persönlich also lehe ein im richtigen Verhältnis zum Volk stehendes Soldatentum nicht ab. Ich sehe die sittlichen Werte dieses Standes. 
27        Über Ihren Angriff gegen unsere Dienstgruppe und insbesondere gegen ihre Offiziere, könnte man überlegen hinweggehen, wenn er nicht geeignet wäre, uns in verleumderischer Weise in ein falsches Licht zu setzen. Herr Specht! Während Sid im Flüchtlingslager, wenn auch hinter Stacheldraht, so doch in persönlicher Sicherheit Ihre Tage verbrachten, haben wir unter steter Lebensgefahr Minen aufgenommen, Munition gesprengt oder im Panzer Minenfelder überrollt. 
28  Aber alle, Offizier wie Mann. Schauen Sie sich nur unsere Verlustlisten an. Wir stehen auch heute noch im harten Einsatz für unser Vaterland, indem wir tagtäglich auf den Minenfeldern arbeiten. Und wenn da einmal gefeiert wurde, so war es das Recht des Mannes, der nicht wusste, ob ihm das Schicksal nicht eines Tages auf dem Minenfelt sein Leben beendete. 
29         Sie scheriben, dass Sie sich an das gute Leben der Offiziere der Dienstgruppe erinnern, welches diese geführt haben. Ich kenne infolge meiner dienstlichen Tätigkeit auch Flüchtlingslager und Lazarette, wo gewisse Gruppen von Menschen wesentlich anders leben, als die gewöhnlichen sterblichen Flüchtlinge. Der Ihnen das sagt, ist ein mit seinen Männern im Mineneinsatz stehender Offizier, Herr Specht!
30         Abschliessend kann ich nur noch sagen: Nur durch nationale Würde und ehrlichen Willen zum Wiederaufbau, nicht aber durch kriecherische Unterwürfitkeit und Dienstbeflissenheit könne wir wieder bei den anderen Völkern Vertrauen finden und sie von ihrem Misstrauen gegen uns befreien. Wir brauchen die übrige Welt, wenn wie leben wollen. Und das wollen wir doch. 
Hochachtungsvoll
Günter Haase, 
Feldmeister, Bjaergby pr. Hjörring. 
31        Ohne Herrn Franz Specht oder anderen Lesern vorgreifen zu wollen, erlauben wir uns zu der Erwiderung des Herrn Günter Haase auf das Spechtsche Schreiben einige Bemerkungen.
32        Herr Günter Haase ist erst 1944 Offizier geworden, also zu einer Zeit, in der nur noch ganz zuverlässige Nationalsozialisten zu Offizieren befördert wurden. Es ehrt ihn, sich selbst als einen solchen vorzustellen, der "mit seinem jungen Herzen an die Gerechtigkeit unserer Sache glaubte". Er hat auch recht, wenn er meint, es sei unsympatisch; (ehrlos) jetzt zu versuchen, seine damalige Haltung zu verleugnen.
33        Leider teilt Herr Haase den Lesern nicht deutlich mit, welche geistige Stellung er heute bezogen hat. Mit einigen allgemein gehaltenen Feststellungen wie: " -- -- das ich nun endlich soweit bin, mich aus den geistigen Trümmern hervorzuarbeiten", ist leider deshalb so wenig getan, weil Herr Haase weiter unen schreibt: " -- Ich persönlich lehne ein im richtigen Verhältnis zum Volk stehendes Soldatentum nicht ab. Ich sehe sie sittlichen Werte dieses Standes. -- -- "
34        Diese Feststellung wirkt um so verwirrender, als Herr Haase in einem vorhergehenden Absatz einen neuen Krieg mit sehr richtiger Schlussfolgerung ablehnt, ein solcher Krieg bedeute die Vernichtung der menschlichen Kultur und Zivilisation. 
35         Wer das so klar erkannt hat, wie Günter Haase, der darf nicht auf halbem Wege stehen bleiben, der musste seine Menschenpflicht tun und sich durchringen zu einer "pazifistischen Einstellung", sonst tut er eben das, was er für sich ablehnt: er erschöpft sich in Widersprüchen. 
36          Die sittlichen Werte des Soldatentums wird niemand verkennen wollen. Denn die Anforderungen, die der Krieg an Mut und Selbstüberwindung richtet, sind so gross, dass sie den Menschen, der sie erfüllt über sich selbst hinanssteigern. Doch die Zeit, in der mit einer solchen haltung von vornherein sittliche Werte zu erringen waren, ist überholt. Heute geht es nicht mehr darum nur tapfer, aufopfernd, pflichttreu und gehorsam zu sein. Heute ist die Erde durch die Technik so klein geworden, dass die ganze Welt jeden einzelnen Soldaten zu fragen berechtigt ist: Wofür bist du tapfer, aufopfernd, gehorsam und pflichttreu? 
37  So merkwürdig sich das anhört, gerade in dieser Zeit, wo die Technik den Menschen in Massen zusammenpresst, ist die Menschheit mehr als jemals zuvor von der Haltung des Einzelmenschen abhängig und auf seine Bewährung angewiesen. 
38        Herr Haase nimmt den deutschen Offizier -- seinen eigenen Stand in Schutz. Auch das ehrt ihn, denn es ist ein Zeichen von Korpsgeust und Kameradschaft. Auch uns ist bekannt, dass viele deutsche Offiziere hohe männliche Tugenden in sich trugen. Doch als Typ hat der deutsche Offizier leider im Ausland ein ebenso geringes Ansehen genossen, wie ihm in Deutschland ein übersteigertes zuteil geworden ist. 
39         Vor allem begreift man im Auslande allzuwenig, wieso es dem technisch so tüchtigen und menschlich so aufopferndem Offizier nicht geglückt ist, Hitler -- dem militärischen und politischen Dilettanten -- zur rechten Zeit die Macht aus der hand zu winden. Zweifellos hängt diese Tatsache mit der Vergötterung der Befehlsgewalt in Deutschland zusammen. 
40  Befehl war Befehl, gleichgültig, wer ihn gab, gleichgültig, welche Handlung er forderte: stets wurde er gehorsam befolgt. Und wenn sich der Mensch gegen die Sinnlosigkeit des Befehls aufbäumte, sei es aus besserer Einsicht, dann hing der Mensch, und der Befehl obsiegte. 
41       Herr Haase meint: " -- -- Es ist in den letzten Monaten des Krieges manches vorgekommen, was lieber hätte ungeschehen bleiben sollen -- -- "
42       Auch diese Formulierung ist wenig befriedigend, wenn man sich der Unzahl von Verbrechen und Scheusslichkeiten erinnert, die unter der Herrschaft des Nationalsozialismue begangen wurden. 
43        Der widerrechtliche Einmarsch ins Rheinland, der hinterlistige Überfall auf Österreich, die Ermordung der spanischen Zivilbevölkeerung durch die deutsche Luftwaffe, der Raub des Sudetenlandes, die Vergewaltigung der Tschechoslowakei, der unter Bruch des Freundschaftsvertrages mit Polen erfolgte Angriff auf dieses Land, der feige Überfall auf Dänemark (das durch einen Nichtangriffspakt angeblich gesichert war) und auf Norwegen, die hinterhältige Überrumplung der beiden friedlichen Nachbarn Holland und Belgien, der unter Bruch des Freundschaftsvertrages erfolgte Angriff auf Russland, der bewusste, mit kalter Berechnung vorgenommene Mord an viele Millionen Polen und Juden, die Ausplünderung der besetzten Länder, die Unterdrückung der überfallenen Völker, das alles sind entsetzliche Dinge, dass wir uns hüten wollen, mit so billigen Redensarten wie: " -- -- was besser hätte ungeschehen bleiben sollen -- " darüber hinwegzugehen. 
44        Denn wir sind heute auf den guten Willen der Umwelt angewiesen. Unser Land ist zu sehr zerstört, unser Volk zu ausgeblutet, als dass wir aus eigener Kraft wieder hochkommen könnten. (Wobei wir die Notwendigkeit und den Wert der eigenen Kraftanstrengung nicht unterschätzen wollen!)
45        Wie aber sollen die andern Völker, die Nachbarn, an unsern guten Willen glauben, wenn wir uns scheuen, die Dinge beim rechten Namen zu nennen? 
46       Aussprechen was ist. Das ist die erste Forderung nationaler Selbstkritik. Gleichzeitig ist es ein Zeichen von echter nationaler Würde und ehrlichem Willen zum Wiederaufbau. Leugnen ist unwürdig. Die Lüge ist schlechter Baugrund. Je ehrlicher wir bereit sind, die Verirrungen unserer Nation beim rechten Namen zu nennen, um so triftiger sind wir berechtigt, auch von den andern Nationen Selbstkritik zu erwarten. 
47        Zum Schluss noch eine Bemerkung: Es liegt und am Herzen, ausdrücklich festzustellen, dass wir die grosse und gefährliche Aufgabe der Diestgruppe, die von unserer Wehrmacht gelegten Minen auf dänischem Boden und in dänischen Gewässern zu beseitigen, durchaus anerkennen und als einen Beitrag zur Entgiftung der Stimmung zwischen Deutschland und Dänemark würdigen. Genau so ehren wir die Opfer, die dabei fallen. 
48        Inwieweit es aber nötig ist, die schwere gefahrvolle Arbeit gelegentlich mit dem Sinden von "Lidern aus der Kampfzeit" zu begleiten, wollen wir umso weniger untersuchen, als wir diese "wilden Streitgesänge" mehr als einen Ausfluss jugendlichen Übermuts oder als Mangel an Takt auffassen, denn als politische Demonstration.
Jochen Spatz
49  Was die Heimkehrer mitnehmen dürfen
         Wir Jungen beschäftigen uns hier im Lager mit Sammeln von deutschen und ausländischen Briefmarken, da viele Lagerinsassen Post aus aller Welt bekommen. Nun ist das Gerücht im Umlauf, dass uns diese Marken beim Grenzübertrirr nacn Deutschland abgenommen werden. Wir bitten um Auskunft, ob das zutrifft.
Mit freundlichem Gruss
Eckhard Billin, Schüler,
Aalborg-West, Baracke 21. 
50       Da in den Flüchtlingslagern die widersprechendsten Gerüchte über die Behandlung des Flüchtlingsgepäckes umgehen, wollen wir nachstehend den Wortlaut der in Frage kommenden Bestimmungen wiedergeben: 
51    Die deutschen Flüchtlinge bringen in das Durchgangslager ihr persönliches Eigentum mit, hierunter solche beschlagnahmten Gegenstände, wie Radioapparate, Schreibmaschinen, elektr. Kochgeräte, Bügeleisen, Bankbücher, die sich im Besitz des Luftvärnchefs (Lagerchef) befinden müssen und solche Kleidungsstücke, die den Flüchtlingen zum persönlichen Gebrauch auf Veranlassung des dänischen Staates ausgeliefert worden sind.
52        Vor der Auslieferung der beschlagnahmten Gegenstände muss von den betr. deutschen Flüchtlingen eine Quittung verlangt werden. Die Angaben über die ausgelieferten beschlagnahmten Gegenstände werden zusammen mit dem Verzeichnis der Flüchtlinge in das Durchgangslager Kolding geschickt.
53        Untengenannte, an die deutschen Flüchtlinge ausgelieferten Gegenstände sollen dem Betreffenden vor der Abreise ins Durchgangslager abgenonnem und auf der Lagerkarte abgeschrieben werden: 
54       Decken, Handtücher, Laken, "Uniformteile", d. h. Kittel für das Küchenpersonal u. a., die solche ausgeliefert bekommen haben müssten, Monteuranzüge und Gummistiefel für Maschinenarbeiter, Küchenpersonal usw., sowie Essgeräte, Esschüsseln und Krüge. Die Frage, wie es sich mit Erbgut verhalten soll, ist noch nicht entschieden, und Flüchtlinge, der Erbansprüche geltend machen, müssen deshalb angewiesen werden, diese im Durchgangslager vorzubringen. 
55         Die Flüchtlinge müssen die D. P. 1-Karte Mitbringen, die im Durchgangslager mit der Repatriierungsbeglaubigung versehen wird, sowie Impfkarten usw. 
56        Wenn auch der Aufenthalt im Durchsgangslager sich über eine kürzere Zeit erstrecken kann, höchstens jedoch auf ca. 10-12 Tage, muss das Gepäck der Flüchtlinge vor der Abreise so gepackt werden, dass vor der Ankunft im Auffanglager in Deutschland nicht ausgepackt zu werden braucht. Die deutschen Flüchtlinge müssen deshalb als Handgepäck solche notwendigen Gegenstände behantel, die in dieser Zeit nicht entbehrt werden können, aber, da im Durchgangslager Decken und Esgeräte zum Gebrauch während des Aufenthalts im Lager ausgeliefert werden, soll das Handgepäck auf das wenigst mögliche beschränkt werden. 
57       Alles Gepäck wird jedoch von Kolding mit demselben Zug wie die Flüchtlinge abgesandt werden. 
58      Alles andere Gepäck ausser dem Handgepäck muss mit den obligatorischen Kennzetteln versehen sein, die in einer Anzahl von Exemplaren ausgegeben werden. 
59       Die Kennzettel sollen genau und deutliche mit Blockbuchstaben ausgefüllt sein. 
       Im Durchgangslager wird auf Grund der erhaltenen Listen Kontrolle über die Flüchtlinge geführt werden. 
60        Ausserdem werden Polizeiuntersuchung, Gepäck- und Geldkontrolle durchgeführt werden; gleichfalls wird an Flüchtlinge, bei denen deutsches Geld beschlagnahmt wurde, eine Rückzahlung erfolgen, jedoch nicht über 1000 RM pro Flüchtling. 
         Die britischen Behörden erlauben jeder Person, persönliches Eigentum jeder Art mitzubringen, abgesehen von Bargeld, wovon ein Beitrag über 1000 RM bis auf weiteres deponiert werden muss. 
         Vor der Reise vom Durchgangslager nach Deutschland, die im dänischen Zug direkt bis Osnabrück erfolgt, wird an jeden Flüchtling Kaltverpflegung für 3 Tage von Durchgangslager ausgeliefert.
61        Jeder Flüchtling darf also alles mitnehmen, was nach diesen Bestimmungen als sein persönliches Eigentum gilt, darunter auch gesammelte Briefmarken.
       Über die bewilligte Kaltverpflegung hinaus dürfen keine Lebensmittel aus Dänemark ausgeführt werden, auch dann nicht, wenn diese von den eigenen Zuteilungen erspart worden sind. 
       Die Gepäckkontrolle wird auf Grund unliebsamer Vorkommnisse sehr streng gehandhabt.
J. Sp.