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Deutsche Nachrichten 1947 Nr 1

 vom 6. Januar 1947

Deutsche Nachrichten 1947 nr 1

 fra 6, januar 1947.

 
  •  War Hitler nicht Österreicher? af Horst Virchow, 17 Jahre. #1. Svar: #9.
  • Wir werden uns zu schützen wissen af Geb. Friedrich Gangin, Lager Fraer, per Skörping-Jyll. #31.
  • Stimme aus Deutschland: Eure Tatkraft für ein besseres Ziel ... ! af Paul Koch: #43.
  • War es möglich zu helfen? af Ilse Schröder, Grove, Lager 67-11, Bez. IV, Bar. 603, Zinm. 1. #60.

  • Ingeborg Wulff, Oksböl: Sturm! #70.
    Ein offenes Wort an die Heimkehrer von Hans J. Reinowski. #81
  • Var Hitler ikke østriger? 
  • Vi må vide at beskytte os
  • Stemme fra Tyskland: Brug jeres kræfter på et bedre mål
  • Var det muligt at hjælpe?

  • Storm. 
    Et åbent ord til de bortdragende. 
     1 War Hitler nicht Österreicher? 
        Herrn Jochen Spatz. 
    3       Ich möchte Sie bitten, mir doch einige Fragen zu beantworten. 
    4       1) Adolf Hitler ist doch in Österreich geboren worden. Österreich ist jetzt wieder ein selbständiger Staat geworden und alles was Hitler gemacht hat, muss das übrige Deutschland tragen. Österreich verlangt jetzt sogar Wiedergutmachungskosten von Deutschland, wo aber doch der Urheber des ganzen Verbrechen aus Österreich stammt. Wie kommt das? 
    5  Wo hat Hitler den meisten Beifall gehabt, doch zuerst immer dort. Ganz zum Schluss ist es ihm doch gelungen in Nord-Deutschland Fuss zu fassen. Und nur noch mit Kampf. Wie hängt dies alles zusammen? Das kann ich und viele andere nicht begreifen.
    6         2) Das Tagesgespräch ist ausser dem nach Deutschland fahren, das Wort Demokratie. Ich bin mir nun noch über eins nicht klar. Wir haben jetzt Kriegsverbrecher von A. bis Z. Jetzt werden alle Demokraten. Sie nehmen vielleicht noch eine Stellung an, wenn dann der Wind wieder mal anders weht, dann sind die Demokraten die Verbrecher usw. Ich will nun nicht sagen, dass die Nazis wieder mal kommen, aber es ist doch schon vieles so gewesen. 
    7  Ich bin ja noch sehr jung, aber das sehe ich mit meinen Augen doch noch. Ich glaube doch, dass man sich aussprechen kann, nicht wahr; denn das Wort soll ja doch frei sein. Wie hängt das nun zusammen. Ich bin der Ansicht da, wenn ein Volk dreist verloren hat, aber trotzdem sein Recht verteidigen kann und soll. Oder darf ein Volk seine Rechte nicht verteidigen? Es steht ja manchmal so allerhand in den Nachrichten was manchmal nicht stimmt, aber Papier ist ja geduldig. 
    8  In de Hoffnung, dass Sie mich richtig verstehen, werde ich schliessen und bin sehr gespannt auf Ihre Antwort. Schreiben Sie aber auch richtig. 
    Herzliche Grüsse
    Horst Virchow, 17 Jahre. 
    9  Antwort
    10      Ja, Adolf Hitler wurde im Österreich geboren, aber dort hat er in seiner Jugend nichts werden können, weder als "Kunstmaler2 noch als Bauhandlanger. Darum ist er nach München ausgewandert, ohne seiner österreichischen Militärpflicht zu genügen. In München hat er bis zum Kriegsausbruch ein undurchsichtiges Leben geführt. Und als der erste Weltkrieg ausbrach, meldete er sich als Freiwilliger bei einem bayrischen Truppenteil
    11       Wo er den meisten Beifall gefunden hat? Nun vorerst einmal in Bayern. Denn die Bayern in ihrer reaktionären Eigenbrödelei förderten alles, was dem Staate von Weimar und der Demokratie Abbruch tun konnte.
    12       Warum ganz Deutschland die Folgen für Hitlers Regierungskunst tragen muss? Weil es ihm möglich war, eine deutsche Staatsangehörigkeit zu erschleichen, nämlich die braunschweigische. Ein dortiger Naziminister stell ihn als Regierungsrat bei der braunschweigischen Gesandtschaft in Berlin an. (So etwas gab es damals nämlich noch.)
    13 Hitler wurde ohne jede Ausbildung und ohne Staatsprüfung sofort in das Beamtenverhältnis übernommen, und zwar durch ein Gesetz, das die Braunschweiger Nazis mit Hilfe der deutschnationalen Landtagsabgeordneten durchdrücken konnten. So sehen Sie immer wieder, wie die angeblich so Hitler-feindlichen Deutsch-nationalen die Steigbügelhalter des "Führers" gewesen sind. 
    14 Als Hitler sich diese Beamtenstellung erschlich, rutschte er gleichzeitig in die Staatsangehörigkeit hinein; denn zu jener Zeit erwarb jeder Beamte zugleich mit seiner Stellung die Zugehörigkeit zu den Staate, der ihn anstellte. 
    15       Damit war die Voraussetzung für Hitler geschaffen, als deutscher Kandidat bei der Reichpräsidentenwahl aufzutreten, und deutscher Reichskanzler, später sogar der Alleinherrscher Deutschlands zu werden. 
    16         In dieser Eigenschaft hat er Österreich überfallen und erobert. Dabei spielt die Frage, wieviele Österreicher den Anschluss an das Dritte Reich ersehnt und gefordert hatten, in der heutigen Zeit nur eine untergeordnete Rolle. Hitler hat die freie Volksabstimmung, die den Willen der Österreicher ausdrücken sollte, durch seinen Einmarsch brutal verhindert. (Den österreichischen Kanzler Dollfuss, der ein Gegner des Anschlusses war, hatte er vorher ermorden lassen. Darum müssen wir uns heute damit abfinden, wenn die Österreicher sich auf den Standpunkt stellen, sie seien überfallen und dem Dritten Reich zwangsweise einverleibt worden. 
    17 Bei einer solchen Haltung entgeht Österreich erstens der Verantwortlichkeit für alles, was Hitler begangen hat. Und zweitens ist dieses Land nach Lage der Dinge sogar berechtigt, Schadenersatz von dem geschlagenen Deutschland zu fordern. 
    18        Inwieweit sich die Stellung Österreichs als selbständiger Staat in Zukunft segensreich auswirken wird, bleibt abzuwarten. Deutschland kan ja in seiner heutigen Form -- in Zonen zerrissen -- auf die Dauer auch nicht ohne fremde Hilfe bestehen. Vielleicht wird die neue Ordnung doch eines Tages in die Vereignigten Staaten Europas einmünden, nach denen sich so viele gute Europäer seit langem sehnen. 
    19      Und nun ein Wort über die Demokratie. Wer als Kriegsverbrecher anzusehen ist, dürfen Sie inzwischen durch die Berichte unseres Blattes erfahren haben.
    20        Demokrat wird man nicht von heute auf morgen. Dazu gehört erstens viel guter Wille und zweitens rückhaltlose Offenheit. Glauben Sie nur nicht, den Menschen, die jetzt aus Berechning ein demokratisches Fähnchen in den Wind hängen, wird es auf die Dauer glücken, sich zu tarnen, wenn Sie es nicht ehrlich meinen. An ihrem Verhalten wird man erkennen, wes Geistes Kinder sie sind. Und man wird sie entsprechend behandeln. 
     21        An eine Wiedergeburt der nationalsozialistischen Macht in Deutschland glaube ich nicht. Dazu hat unser Volk seine Verirrung zu teuer mit Blut und Gut, mit Tränen und Schweiss bezahlen müssen. 
    22       Bei meiner neulichen Reise nach Deutschland habe ich im Gegenteil den Eindruck gewonnen, als sei den entscheidenden Teilen unseres Volkes heute klar, worauf es in Zukunft ankommt: nämlich sein politisches Geschick in die eigenen Hände zu nehmen und sich sebst zu regieren. Durch welche Parteien das geschieht und geschehen soll, wollrn wir hier im Auslande nicht besprechen.
    23 Die Hauptsache bleibt, dass wir Deutschen in Zukunft alle Bestrebungen scheuen, die darauf ausgehen, die Herrschaft einer einzigen Partei durch Gewal zu erlangen. Jede Partei, deren Zies es ist, die freie politische Meinungsbildung zu unterbinden, ist ein Feind der Rechte. 
    24       Übrigens enthält Ihr Schreiben eine wichtige Wahrheit: Kein Volk soll sich einbilden, dass es von vornherein und endgültig vor dem Machtbegehren des Totalismus gesichert sei; denn die Entwicklung der modernen Technik mit ihrer Vermassung der Menschen leistet derartigen menschenfeindlichen Bestrebungen Vorschub. Da heisst es wachsam sein!
    25        Ob ein Volk das einen Krieg verloren hat, trotzdem sein Recht verteidigen kann und soll? Aber ganz gewiss darf und soll es das tun. Denn alle Völker gehören zusammen. Verliert erst eines sein Recht, so müssen im Laufe der Zeit alle Völker darunter leiden. Es kommt nur auf die Mittel an, mit denen das Recht verteidigt wird. Deutschland und alle andern Völker der Erde müssen -- wenn unsere abendländische Kultur nicht zu Grunde gehen soll -- auf den Krieg als Wahrer des Rechtes verzichten und Ihre Streitigkeiten mit politischen Mitteln, also durch Beratung, Übereinkünfte und Rechtssprüche regeln. 
    26 Damit ist garnicht gesagt, dass man für die Übergangszeit auf militärische Machtmittel verzichten könnte. Nur dürfen diese Machtmittel nicht einem einzigen Staat oder einer Gruppe von Staaten unterstehen, sondern dem Rate aller vereinten Nationen. Damit würden die Truppen zur Weltpolizei, deren Aufgabe wäre, über die Sicherheit aller Weltbürger zu wachen, so wie es heute Aufgabe der staatlichen Polizeikörper ist, die Sicherheit der Staatsbürger zu schützen. Freilich ist es ein langer Weg, der uns zu dieser Ordnung führen wird. 
    27 Doch das Ziel lohnt die Mühe, ihn heute schon zu beschreiten. Uns Deutschen wird der Entschluss, ihn zu gehen, durch unsere Niederlage erleichtert. Für uns ist der böse, menschenfeindliche Traum, das, was wir für unser "Recht" halten, ohne Rücksicht auf das Glück anderer Völker mit Waffengewalt zu ertrotzen, für immer ausgeträumt. 
    28        Sie meinen, es stände so allerlei in unsere Zeitung, was nicht der Wahrheit entspräche. Das kommt freilich vor, nicht nur in den "Deutschen Nachrichten", sondern in allen Zeitungen der Welt. Seitdem die von den Nationalsozialisten durchgeführte Gleichsschaltung der Presse aufgehoben wurde, sind die Schriftleiter keine von der Staatsmarcht geschützten Halbgötter mehr, sondern wieder ganz gewöhnlichen Menschen wie Sie und jeder andere. Die Zeitung verkündet nicht mehr alleinseligmachende Offenbarung. 
    29 Sie ist wieder Menschenwerk, gemacht von Leuten, die Unrecht haben können und, die sich irren dürfen, genau so wie Sie. Denn Sie wissen: irren ist menschlich. 
    30        Nun hoffe ich, Ihnen so geantwortet zu haben, dass Ihnen meine Antwort bei Ihre Mühe, das Rechte zu finden, ein wenig behilflich sein kann. Ich bin mit vielen Wünschen und Grüssen Ihr 
    Jochen Spatz. 
    31 Wir werden uns zu schützen wissen
    32        An 20.11.46 kan der behördliche Betreuer, unser Landsmann Harder nach Fraer und hielt ein Referat mit anschliessender Diskussion. Er sprach über "Demokratie, die Zukunft Deutschlands". In seiner Begleitung befand sich kultureller Betreuer Peter Beck. Harder sprach eindringlich und sachlich, scheibnar aber nicht im Sinne der leider noch immer ideologisch verseuchten früheren NSDAP-Mitglieder. In der Diskussion wurde auch die "Demokratie" in den Lageren gestreift. Nach Ansicht vieler Flüchtlinge zu Recht.
    33 Die meisten der eingesetzten Barackenvertrauensleute wachsen sich nach ihrer Ansicht gegenüber den hier befindlichen Flüchtlinge zu Diktatoren aus und amtieren auch völlig unberechtigt als beschlussfähige Lagerleitung. Auch die Verteilung und der Verbrauch der Lebensmitten ist, vielleicht berechtigt, vielleicht unberechtigt, ständiger Kritik durch die Lagerinsassen ausgesetzt und somit auch die Personen, die damit zu tun haben. 
    34 Diesem Übelstand wollte Landsmand Harder abhelfen und schlug vor, von der Wahl einer Gemeindevertretung om Augenblick Abstand zu nehmen und einen Fünferrat einschliesslich des dtsch. Vertrauensmannes zu bilden, der die Gemeindevertretung darstellen sollte. Falls derselbe sich nicht bewährte, sollte später zur Wahl einer vollständigen Gemeindevertretung geschritten werden. 
    35 Die im Saal anwesenden Stubenvertrauensleute als Vertreter ihrer Stubeninsassen waren damit einverstanden. Zuvor war über diese Regelung mit dem dän. Lagerchef gesprochen und seine Zustimmung eingeholt. Wohlgemerkt! Zur Bildung des schon genannten Fünferrats und einer achtköpfigen Küchen- und Verpflegungskommission mit sechswüchigem Wechsel. Die für den Fünferrat vorgesehenen Personen waren dem dän. Lagerchef vorgelegt und wurden ohne wesentliche Beanstandungen seinerseits anerkannt. Das ist nämlich die Hauptsache! Der Lagerchef muss die Personen anerkennen, liebe Landsleute und das ist in den immerhin noch nazistisch verseuchten Lagern gut so, sonst würden die allerdümmsten Kälber wieder ihre eigenen Metzger wählen. 
    36 Wir haben in den Lagern auch nur, wie unsere Landsleute im Reich, eine eingeschränkte Demokratie. Auch dort wurden in dem vom Nazismus hinterlassenen Chaos erst Behördenvertreter von den Alliierten eingesetzt, die evtl. spätere Wahlen von Personen und Körperschaften organisierten und durchführten. Der dän. Lagerchef kann ohne weiteres den Fünferrat ernennen, denn von Wahl eines solchen Körpers ist im "Reglement für dtsch. Flüchtlinge" nichts erwähnt, es wird nur vom dtsch. Vertrauensmann gesprochen. 
    37 Landsmann Harder wollte im Interesse der Lagerinsassen mit Einverständnis des dän. Lagerchefs weiter gehen. Der Fünferrat soll die oberste Körperschaft in allen rein innerdeutschen Lagerangelegenheiten bilden. Dieses passte einigen Lagerfunktionären, die ihr uneingeschränktes Herrschertum über die Flüchtlinge dadurch scchwinden sahen, scheinbar nicht. 
    38 Und doch hat die überwiegende Mehrzahl der am 30. 11. 46 unter der wirklich sachlichen Leitung des deutschen Vertrauensmannes tagenden Stubenvertrauensleute nach sehr erregter Debatte die Bildung des Fünferrats nach Vorschlag Harders beschlossen, trotzdem sich der Lagerrichter sehr gegen denselben aussprach. 
    39         Dieser Herr, der sehr stark auf seinen persönlichen Vorteil bedacht zu sein scheint (denn er besass schon den Zusatzstempel auf seiner Essenkarte noch bevor er in seinem neuen Amt etwas geleistet hatte, auch hat er gleich eine Hose haben wollen, trotzdem andere Landsleute, die täglich draussen arbeiten, noch viel schlechter mit ihrer Bekleidung dran sind wie er), bekam es sogar fertig, in abfälliger, gemeiner Weise über Hader und Beck in der Versammlung zu sprechen. "Wir sind Deutsche und helfen uns allein, wir brauchen keine Emigranten als Betreuer, die für mich keine Deutschen sind, denn sonst wären sie in de Heimat geblieben", sagte er. Zum Hängen wohl oder zum Martern. Rechtsanwalt Schmidt aus Allenstein, was?! 
    40 Das hätte Ihnen so passen können, der Sie jetzt den Mund aufreissen und stets alles als undemokratisch verwerfen. Taten Sie das in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus auch?! Wohl nicht! Da war Ihnen Ihre Existenz lieber! Taten Sie es aber seinerzeit nicht in der Heimat, so können Sie es auch ruhig hier im Lager unterlassen. 
    41 Überlassen Sie das den Antinazisteh; denn die taten es schon in der Heimat und haben auch hier ein Recht darauf. Seien Sie in Zukunft etwas vorsichtiger und nehmen Sie bitte auf die schon recht stark mitgenommenen Nerven der Flüchtlinge Rücksicht.
    42 Unsere deutschen Landsleute, unsere Vorkämpfer für Demokratie und Sozialismus, die wegen der braunen Mordbande die Heimat verlassen mussten, um ihr Leben zu retten, werden wir in Zukunft gegen solche Anwürfe von Leuten Ihres Schlages zu schützen wissen. 
    Geb. Frierich Gangin, 
    Lager Fraer, per Skörping-Jyll. 
    43 Stimme aus Deutschland: Eure Tatkraft für ein besseres Ziel ... !   Stemme fra Tyskland: Brug jeres kræfter på et bedre mål ...!
    44      In den langen Monaten des Nürnberger Prozesses habe ich den Prozessverlauf im Hamburger, Münchener und Londoner Sender verfolgt. Für mich als ehemaligen Berufssoldaten, der über 27 Jahre Soldat war, der sich hochgearbeitet hat (Arbeitersohn), der zehn Jahre Offizier und über zwei Jahre Stabsoffizier in der Marine war, kam in erster Linie die Beurteilung der ehemaligen militärischen Führer in Betracht. Mein Urteil, dass die Verurteilung der ehemaligen militärischen Grössen zu recht erfolgt und das Urteil gegen den ehemaligen Grossadmiral Dönitz zu milde ist, möchte ich vorwegnehmen.        I de lange måneder med Nürnberg-processen har jeg fuldt processens forløb i radio fra Hamburg, München og London. Jeg er tidligere professionel soldat, har været soldat i mere end 27 år, har arbejdet mig op (jeg er søn af en arbejder), jeg har igennem ti år været officer og i mere end to år stabsofficer i marinen, og for mig var det først og fremmest bedømmelsen af de tidligere militære førere, der kom i betragtning. Min bedømmelse: at dommen over de tidligere militære chefer var den rette afgørelse og at dommen over den tidligere storadmiral Dönitz for mild, vil jeg gerne forudgribe. 
    45 Dass ich mit meiner Stellungnahme bei vielen meiner ehemaligen Berufskameraden auf Widerstand stosse, ist mir bewusst; fehlt es doch hier sehr oft an der logischen und sachlichen Durchdenkung allen Geschehens. At jeg med min stillingtagen støder på modstand hos mange af mine tidligere kolleger, er jeg mig bevidst, 
    46         Für den Soldaten und erst recht für den Offizier steht das Gesetz fest, dass jeder Befehl, der ein Verbrechen bezweckt, nicht durchgeführt werden darf und dass in solch einem Falle der Befehlsgebende sich selbst schwer strafbar macht. Wer aber Verbrechen befiehlt, in gleichem Atemzuge kleinste Vergehen mit den höchsten Strafe belegen lässt, der ist nicht nur ein Verbrecher, er ist ein "gemeiner Verbrecher". Die in Nürnberg verurteilten ehemaligen Führer der deutschen Wehrmacht haben aber verbrecherische Befehle gegeben. Allein die Befehle zur Erschiessung der Kommandotruppen, der Besatzungen der englischen Klein-U-Boote und der entwichenen englischen Fliegeroffiziere wäre schon ein Grund zur Vollstreckung der Todesurteile gewesen. 
    47 Allein der Gedanke zu solchen Untaten stand in schroffem Gegensatz zu der Behandlung unserer Kriegsgefangenen in England, Kanada und Amerika. Ein Brief des ehemaligen U-Bootkommandanten Kretschmer beweist dies, der seinerzeit in der Marine herumgereicht wurde. Trotzdem diese militärhschen Führer wussten, dass der Krieg Anfang 1944 verloren war, haben sie nichts für die wegen des 20. Juli 1944 Verurteilten getan. Im Gegenteil, sie haben noch mehr als bisher der Partei und der SS Freiheiten in der Wehrmacht eingeräumt, und die von ihnen angeordnete Bestrafung des sogenannten Defaitismus wurde härter und härter. 
    48 Ohne ehrenhafte Tradition
          Sie haben aber auch keinen Anspruch auf traditionelle Beurteilung von seiten der ehemaligen Berufssoldaten, da sie keinen Zug von Tradition gezeigt haben. Bei ihnen war kein Wesenszug von Hindenburg zu spüren. Dieser Mann, dessen Name mit dem eines Hitler eng verbunden ist, hatte nach der verlorenen Schlacht 1918 doch die Grösse, den Waffenstillstand zur Vermeidung grössere Opfer zu verlangen. 
    49 Wenn die klare Erkenntnis des verlorenen ersten Weltkrieges nicht Allgemeingut des Offizierskorps wurden, wenn willig die Mär des Dolchstosses von hinten gehegt und gepflegt wurde, dann tragen diese Männer ein Teil con Schuld auf ihren Schultern. Ist auf den Kriegsschulen je die Tragikomödie von Langemark als das hingestellt worden, was sie wirklich war: Ein blutiger militärischer Dilettantismus, für den der damalige militärische Führer vor ein Kriegsgericht gehörte? Statt dessen wurde die sinnlose Hinopferung besten deutschen Blutes zum heldischen Erlebnis gestempelt.
    50        Die wachsweichen Figuren des Oberkommandos haben bis zuletzt Todesurteile gegen Männer vollstrecken lassen, die ihrem Volke weitere Opfer ersparen wollten. Die Schuld der Keitel, Jodl und Raeder ist so eindeutig in Nürnberg festgestellt worden, dass ich mich hierüber jeden weiteren Kommentars enthalten kann. 
    51 Der verantwortungslose Dönitz
         Wie sieht es dagegen mit Dönitz aus? Sein Untergebener, der Admiral Schniewind, äusserte sich schriftlich Anfang 1943: Es muss uns gelingen, aus der belagerte Festung Europas herauszukommen, um überhaupt die Möglichkeit des Gewinnens dieses Krieges in Betracht zu ziehen. Andernfalls müssen wir versuchen, zu einem Gentleman-Agreement zu kommen.Wie stellte sich nun Dönitz zu dieser Frage? 
    52 Ende 1943 äusserte er sich mündlich und schriftlich gegenüber seinen Befehlsbanern: Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die Invasion im Frühjahr 1944 am Kanal kommen wird. Es mus uns gelingen, diese Invasion im Anfang zu zerschlagen. Gelingt uns dies nicht und hat der Feind in Frankreich Fuss gefasst, dann sind wir nicht mehr in der Lage, ihn wieder hunauszuwerfen, sondern er ist binnen kurzem im Ruhrgebiet, und der Krieg ist für Deutschland verloren. 
    53        Hat nu Dönitz trotz dieser Erkensnisse als verantwortungsbewusster militärischer Führer gehandelt? Die Tatsache, dass er nach gelungener Invasion, vollständiger Besetzung von Frankreich und selbst noch bis in die letzten Tage des Kampfes hinein Tausende und aber Tausende junger Menschen, bestes Personal der Marine, unzureichend ausgebildet und mangelhaft bewaffnet, in den Kampf als Marinedivision, Panzerkampftrupps usw. werfen liess, kennzeichnen ihn zur Genüge. Das war nicht mehr militärischer Dilettantismus, sondern Verbrechen am deutschen Volk. 
    54 Die Schuld der Oberbefehlshaber
        Anfang 1944 sagte ich am Schwarzen Meer zu Kameraden. Wir als Deutsche haben so viel ausgefressen während des Krieges, wenn unsere Gegner den Krieg gewinnen, werden uns die Augen übergehen über unsere Schuld und über unser Elend. Die meisten machten sich keine Gedanken darüber, was wir mit den Offizierskorps von Polen, Holland, Belgien, Norwegen usw. gemacht hatten, sie hatte auch vergessen, wie es dem deutschen Offizierskorps nach dem ersten Weltkrieg ergangen ist. 
    55 An dieser Entwicklung und dem blinden Herum- und Hineintappen des Offizierskorps zum Schaden des deutschen Volkes haben diese von Hitler gezüchteten und an die Spitze gestellten Oberbefehlshaber ein gerüttelt Mass von Schuld.
    56       Warum ich dies schreibe? Nicht, um nachträglich mit Schmutz zu werfen. Auch ich gehöre zum deutschen Volke und trage meinen Teil an Schuld. Ich schreibe dies, weil heute noch ein grosser Teil ehemaliger Berufssoldaten abseits steht, den Schmollwinkel aufgesucht und noch nicht begriffen hat, dass das Beste, was der Soldat geben wollte, für die unsinnigste Idee und auf die betrügerischste Art ausgenutzt worden ist.
    57 Viele ehemalige Berufssoldaten denken heute noch an einen Krieg, versprechen sich von einer Auseinandersetzung zwischen Ost und West  die Lösung ihrer Schwierigkeiten und verkennen dabei vollkommen, dass wir dabei todsicher in noch grösseres Elend kommen und dabei Gefahr laufen, von der landkarte gestrichen zu werden. 
    58        Als Kämpfer für die sozialistische Idee -- was mir starke persönliche Anfeindungen eingebracht hat -- und als Rufer: Nie wieder Krieg! rufe ich allen ehemaligen Befurssoldaten zu: Euer Bestes -- Einsatzbereitschaft, Mut, Einstehen für eine gute Sache, Kameradschaft --, rettet es Euch mit hinüber in das bürgerliche Leben! Werdet Verfechter einer Sache, um die zu kämpfen es sich lohnt! Helft den Bedrängten und den durch die Macht des Kapitals Unfreien! Überlegt, ob es nicht sinnvoller ist, mitzuhelfen, das Leben lebenswert zu gestalten, anstatt das Leben für den Krieg zu opfern! Sagt nicht, das Wollen der ehemaligen Berufssoldaten wird nicht anerkannt. 
    59 Der Arbeiter ist der letzte, der uns verurteilt. Seien wir aber ehrlich: Haben wir nicht of Grund zum Klagen gegeben? Zeigen wir durch Einsatz und positive Mitarbeid, dass wir unseren Teil zur Wiedergutmachung beitragen wollen! Zeigen wir die Einsicht und den Mut, da zu verurteilen wo zum Wohle des deutschen Volkes und zur Erringung unserer Selbständigkeit und letzten Endes von Rechts wegen verurteilt werden muss!
    Paul Koch. 
    60 War es möglich zu helfen? Var det muligt at hjælpe?
    61 Liebes Fräulein Elisabeth Selke!
          Habe Ihren Brief gegen meinen Aufsatz in unserer Flüchtlingszeitung "Deutsche Nachrichten" gelesen. Unsere Zeitung steht jedem frei, darin seine Meinungen zu äussern. Was wir gesehen und erlebt haben, wie es deutschen und auch fremdvölkischen Menschen während der Nazizeit ergangen ist. 
    Kære frøken Elisabeth Selke!
         Jeg har læst Deres brev imod min artikel i vor flygtningeavis "Deutsche Nachrichten". Det står enhver frit for at ytre sine meninger deri, om hvad vi har set og oplevet, om hvordan det er gået tyskere og ikke-tyskere i nazitiden. 
    62       Sie schreiben: "Ich muss ja sehr darüber staunen, was Du alles schreibst. Ich habe auch den Leidensweg der Judenfrauen gesehen. Ich konnte es nicht lange ansehen, denn die Menschen fielen vor Hunger um" Usw.          De skriver: "Jeg bliver højlig forbavset over alt det, du skriver. Jeg har også set jødekvindernes lidelsesvej. Jeg kunne ikke se ret længe på det, for menneskene faldt om af sult" osv. (46-42#36
    63      Sie schreiben, es wäre nicht möglich gewesen, diesen Menschen zu helfen. Nicht nur meine Eltern, sondern auch andere Leute haben es versucht, diesen Menschen zu helfen, wie ich es bereits berichtet habe.         De skriver, at det ikke var muligt at hjælpe disse mennesker (46-42#36). Ikke kun mine forældre, men også andre mennesker har forsøgt at hjælpe disse mennesker, sådan som jeg har berettet om det. (46-30#55
    64       Ein Sträfling, der mit einem Leidenszug an unserm Haus vorbei kam, sich Heringe von unserm Fensterbrett nahm und sie verschlang. Ein SS-Polizist sich hinter ihn machte, während der Sträfling zu fliehen versuchte und ihn dann auf der Stelle erschoss. So ist es vielen Menschen in der letzten Zeit, den Ende des Hitlerkrieges ergangen.        En straffefange, der sammen med et lidelsestog kom forbi vort hus, tog en sild fra vort vinduesbræt og slugte den. En SS-politimand råbte op bag ham, straffefangen forsøgt at flygte og blev skudt på stedet. Sådan er det gået mange mennesker i den sidste, enden på Hitlerkrigen. 
    65       Sie meinen, es wäre niemand hier, der davon berichten könnte.        De mener, at der ikke ville være nogen her, der kan berette om det. (46-42#38)
    66      Frl. Anni Schiemann schreibt mir: "Ja, was Du da alles geschildert hast, ist ja die Wahrheit. Ich selbst habe das mit meinen eigenen Augen gesehen. In Prangenau das Massengrab. Auch alles andere in Kahlbude. Ich denke so oft an all das Schreckliche, was man dort gesehen hat. Manch einer kam ganz unschuldig dorthin.         Frk Anni Schiemann skriver til mig: "Ja, alt, hvad du har skildret, er jo sandt. Jeg har selv set det med mine egne øjne. I Prangenau massegraven. Også alt det andet i Kahlbude. Jeg tænker så ofte på alt det skrækkelige, som man har set dèr. Der var jo mange, der kom af dage ganske uskyldigt. (47-03#67)
    67       Frage: "Du weisst doch wohl, was Dein Vater war, oder hast Du das schon so schnell vergessen?"          Spørgsmål: "Du ved dog vel, hvad din far var, eller har du allerede så hurtigt glemt det?" (46-42#37)
    68      Antwort: "Mein Vater war nicht Nazi, gehörte zu keiner Partei, war auch nicht bei der Polizei, wie Sie vielleicht denken. Mein Vater war Maschinist, ist auch heute noch als solcher in der Papierfabrik tätig. Da können Sie sehen, dass mein Vater auch jetzt bei den Polen sich keinen Befürchtungen auszusetzen braucht. Also hat mein Vater doch vielen dieser unglücklichen Menschen in mancher Heimlichkeit geholfen.          Svar: "Min far var ikke nazist, tilhørte ikke noget parti, var heller ikke ansat ved politiet, som De måske tror. Men far var maskinist, er også i dag beskæftiget som sådan ved en papirfabrik. Deraf kan De se, at min far selv nu ikke behøver at udsætte sig for nogen frygt blandt polakkerne. Altså, min far har dog hjulpet mange af disse ulykkelige mennesker i al hemmelighed. 
    69       Ich hoffe, dass dieser Brief Ihnen, meine vollste Wahrheit, die Antwort auf Ihren Brief ist. 
          Mit bestem Gruss!
         Ilse Schröder,
    Grove, Lager 67-11, Bez. IV, Bar. 603, Zinm. 1. 
            Jeg håber, at dette brev, som er den fulde sandhed, er svar på Deres brev.
    Med de bedste hilsener
    Ilse Schröder,
    Grove. 
    70 Ingeborg Wulff, Oksböl:
    Sturm!
    71        Hui, fegt der Wind um das Haus, dass die Fensterläden klappern, rüttelt am Dache, dass man meint, es müsse jeden Augenblick losgerissen und hochgehoben werden und saust durch den Schornstein unheimlich singend unf pfeifend. Mit aller Kraft trommelt der Regen gegen die Fenster. Kleine Spritzer dringen durch die Ritzen mit ins Zimmer. Stockdunkel ist es draussen. Eine Herbstnacht voller Sturm und Regen! 
    72 Wie gemütlich sitzt es sich doch im warmen Zimmer, bei leichten Geplauder oder einem Buche. Man fühlt sich so geborgen. Nur ab und zu, wenn der Sturm gar zu arg wütet, horcht man auf und denkt an die alten Sagen von der wilden Jagd, von Wodan der jetzt durch die Nacht reitet. Gespenstergeschichten aus der Kindheit werden lebendig. Angenehm gruselts einem. Man geht ins Bett, zieht sich die Decke über den Kopf und lauscht von diesem warmen sicheren Ort auf das Toben der entfesselten Elemente und schläft ein, bis man jäh geweckt wird durch ein Trommelfeuer, das der Regen gegen die Fenster veranstaltet und den Wind, der wütend an den Läden rüttelt. Aber es lässt nach und der Schlaf stellt sich wieder ein. Unruhig, oft hochfahrend und lauschend, vergeht die Nacht. 
    73         Spät erst graut der neue Tag. Der Sturm tobt mit unverminderter Kraft weiter. Wahre Seen und Bäche hat der Regen auf die Erde gegossen, der Wind konnte sie nicht auftrockenen. Wer nicht unbedingt hinaus muss, bleibt im Zimmer. 
    74       Vor einer Baracke hat der Sturm eine grosse, alte Tanne entwurzelt. Sie schwankt und beugt sich, richtet sich wieder auf, neigt sich tiefer -- aber noch liegt sie nicht am Boden. Eine Wurzel, mannshoch, hebt sich bei jedem Neigen des Baumes in die Luft. Wann wird er fallen? -- Erwachsene und Kinder stehen an der Tür und sehen dem Sterben der Tanne zu. Für die meisten ist es ein Schauspiel. Viele warten darauf, der Zweige und Äste habhaft zu werden, ist es doch leichterworbenes, zusätzliches Brennmaterial. Aber so bald gibt sich der alte Baum nicht geschlagen. Zäh kämpft er mit dem Sturm um sein Leben. Vergebens! Tiefer und tiefer neigt er sich. Die Erwachsenen stehen und warten, und die Kinder sind rein aus dem Häuschen, sie wollen hin! Auch die Kleinsten. Der 3-jährige Hartmut möchte sein Mäntelchen angezogen haben, er will mit Karsten, der halb so alt ist wie er und immer treu und brav hinterher tappst, die Tanne bewachen. 
    75 Wenn sie umgefallen ist, wollen sie beide den Baum reinbringen. Karsten nickt dazu und sagt: "Baum." Endlich liegt die Tanne am Boden, entwurzelt. Wo sie stand, ist ein mit Wasser gefülltes Loch. Und als ob der Sturm genug gewütet und seine Kraft erprobt und gemessen hat, nun sein Opfer am Boden liegt, hat er sich ausgetobt. Es ist ruhiger geworden. Der Regen hat aufgehört. Die Sonne wagt sich zwischen den zerfetzten Wolken hervor. Die Kinder wollen hinans. Natürlich muss Karsten mit. 
    76 Ich rufe ihm noch zu, nicht durch das Wasser zu laufen. Gehorsam macht er einen Bogen, aber die kleinen Beinchen werden wie magnetisch von der Pfütze angezogen, dem Rand konne sie nicht mehr ausweichen. Es ist noch sehr windig und plötzlich kommt ein Regenschauer. Will der Sturm wieder einsetzen? Ich rufe Karsten, doch der hört nicht. Vielmehr läuft er mir davon. Ich hinterher! Ein Stolpern, dann liegt er im Dreck! Sturm! 
    77        Aber en kann sich nicht entfalten, denn draussen müssen wir der aufs Neue entfesselten Natur weichen, und auf dem Flur werden Nachrichten verlesen, sodass man ganz leise sein muss. Ich lasse den Jungen los. Plötzlich ertönt ein Poltern und Rollen, dass alle erschrocken hochfahren. Was ist geschehen? Hat der Sturm etwas losgerissen? Da zeigt sich schon des Rätsels Lösung. Karsten packt aus einer Kiste, die auf dem Flur steht, Torfstücke aus! Es bautzt so hübsch! Ich eile zu ihm. Diesmal entgeht er nicht der Strafe! Aber vorher nimmt er noch schnell eine Hand Torfgrus, hebt den Deckel des Eimers hoch, der vor einer Tür auf der Erde steht und in dem gerad Milchsuppe geholt worden war, wirft den Torf hinein und deckt den Deckel wieder darauf.
    78 Ich war sprachlos über die unschuldige Selbstverständlichkeit, mit der er das tat. Ich nahm den Deckel hoch, ratlos, was ich beginnen sollte, sah die braune Masse auf dem Weissen schwimmen und -- deckte den Deckel auch wieder darauf. 
    79      Aber dann brachte ich ihn ins Zimmer und hier erlud sich ein Sturm über ihn, der dem draussen an nichts nachgab. 
    80       Stürme müssen sein, sie sind seltener als Sonne und Regen, aber sie hinterlassen tiefere und längere Eindrücke. 
    81  Hans J. Reinowski:
    Der Flüchtling und das Durchgangslager (Ein offenes Wort an die Heimkehrer)
    82        Unter den deutschen Flüchtlingen gehen über die Durchgangslager bei Kolding folgende Gerüchte um: 
          1. Die Gepäckuntersuchung wird rigoros gehandhabt. 
          2. Den Flüchtlingen werden ersparte Lebensmittel abgenommen, die nicht der menschlichen Ernährung zugeführt, sondern als Viehfutter oder sonstwie vertan werden. 
           3. Den Flüchtlingen wird persönliches Eigentum abgenommen, wie Fahrräder, Rundfunkgeräte, Schmucksachen und dergleichen.
          4. Das Gepäck wird in Abwesenheit der Flüchtlinge durchsucht, unsachgemäss behandelt und schlecht bewacht, so dass es nicht sicher ist.
          5. Die Unterbringung im Lager ist schlecht, das Essen mangelhaft.
          6. Das Durchgangslager ist unsauber; die sanitären Anlagen befinden sich in schlechtem Zustande. 
    83         Wir sind diesen Klagen an Ort und Stelle gründlich nachgegangen und haben folgenes festgestellt: 
            Zu 1: Die Gepäckuntersuchung wird streng, aber nach Lage der Dinge einwandfrei durchgeführt. Diese Tatsache wurde durch Befragen vieler Heimkehrer, durch Rücksprache mit den Stamminsassen des Lagers, mit Angehörigen der deutschen Arbeitsabteilung und mit den deutsehcn Vertrauensleuten und ihren Mitarbeitern festgestellt. 
    84       Zu 2: Ersparte Lebensmittel werden den Heimkehrern abgenommen, weil die Bestimmungen, deren strikte Innehaltung von den Besatzungsbehörden in Deutschland gefordert wird, für die Reise in die britisch besetzte Zone eine Mundvorrat für drei Tage, für die französisch besetzte Zone für zehn Tage vorschreiben. 
    85        Berichten aus Deutschland zufolge ist es bei der Ankunft der ersten Heimkehrer in den deutschen Lagern wegen der besseren Haltung und Versorgung der Rückkehrer aus Dänemark zu Unzuträglichkeiten und Reibereien unter den Flüchtlingen gekommen. Deshalb darf kein Rückkehrer grössere Vorräte als für drei Tage mit sich führen. 
    86       Obgleich wir die Notlage der hiesigen Flüchtlinge zu würdigen wissen und ihr Bestreben, so viele Nahrungsmittel wie nur möglich mit heim zu nehmen, verstehen, müssen wir uns -- so schwer das im Einzelnen ankommen mag -- der alten Anstandsregel erinnern, nach welcher der Gastgeber bestimmt, was er dem Gast bei der Heimkehr mitgeben will.
    87       Drei Tage Mundvorrat reichen für die Reise in die Bestimmungsorte der britisch besetzten Zone. Und damit erlischt die selbst auferlegte Verpflichtung der dänischen Flüchtlingsverwaltung, der garnichts daran gelegen sein kann, unseretwegen mit den britischen Behörden Deutschlands in Schwierigkeiten zu geraten. Man bedenke dabei, dass sich vielleicht in Kürze neue Verhandlungen über die Heimkehr von Flüchtlingen notwendig machen. Soll man diese Verhandlungen erschweren, indem man sich nicht an Verabredungen hält? Kommen so viele Millionen unserer Landsleute mit ihren kargen Zuteilungen durch, so muss uns das nach unserer Rückkehr ebenfalls möglich sein. 
    88   Wahrscheinlich wäre die Verschärfung der Gepäckkontrolle im Laufe der Zeit auch ohne das Eingreifen der britischen Behörden gekommen. Warum? Weil erstens Dänemark jedes Pfund seiner überschüssigen Lebensmittel für die Ausfuhr nötig hat, und weil zweitens leider unter den Flüchtlingen eine Anzahl Freibeuter sind, die sich das "Organisieren" noch nicht wieder abgewöhnt haben. Was wurde bei der Abreise der ersten Transporte nicht alles als "erspart" bezeichnet. Kiloweise wurden Kleinkindern und anderen wehrlosen Flüchtlingen widerrechtlich Nahrungsmittel, Waschmittel und dergleichen entzogen und mitgenommen. Wo hört da das "Ersparte" auf, wo geht das "Gestohlene" an? Wer will da lange prüfen und um solche Dinge streiten, wo in kürzester Zeit Tausende von Gepäckstücken abgefertigt sein müssen? Da wird alles über einen Kamm geschoren, wie das garnicht anders geht. 
    89         Dänisches Eigentum wurde um einiger Stoffetzen oder einiger Lederstreifen willen zerstört. Auch Flüchtlingseigentum wechselte unrechtmässig seine Besitzer. 
            Wir sind uns darüber klar, dass es sich bei diesen peinlichen Vorgängen immer nur um einen verschwindenden Teil unserer Landsleute handelt, die noch nicht wieder begriffen haben, dass das hässliche Fremdwort "organisieren" in gutes altes Deutsch übersetzt einfach "stehlen" heisst. Leider müssen die vielen Unschuldigen und Ehrlichen für die wenigen Schuldigen leiden. 
    90        Hinzu kommt nach den übereinsstimmenden Aussagen ernst zu nehmender Flücyhtlinge in den Koldingschen Durchgangslagern ein ganz übles Angebertum. So recht und billig, so wünschenswert es ist mit Rücksicht auf das Ansehen unserer Flüchtlinge und des ganzen deutschen Volkes, Verbrecher, Gesetzesübertreter und Schädlinge den Behörden zu übergeben, so hässlich und Widerwillen erregend ist die Sucht, unschuldige Menschen während oder vor der Gepäckuntersuchung bei den dänischen Beamten zu verdächtigen, nur um sie in Schwierigkeiten zu bringen und so eine alte Lagerrechnung zu begleichen und dem Widerpart kurz vor der Trennung noch eines auszuwischen. 
    91         Die Angabe, die abgenommenen Lebensmittel wurden nicht der menschlichen Ernährung zugeführt, stimmt. Erstens sind sie meistens zu alt oder sonstwie beschädigt. Zweitens sind sie oft mit gebrauchtem Bettzeug oder dergleichen verpackt gewesen, so dass keinem Fremden zugemutet werden kann, sie zu verzehren. 
    92         Zu 3: Der Schreiber dieser Zeilen hat einwandfrei gestgestellt, dass keinem Flüchtling bei seiner Heimkehr rechtmässig erworbenes deutsches Eigentum abgenommen wird, auch nicht wenn es sich um Fahrräder, Rundfunkgeräte, Schmucksachen oder gesammelte Briefmarken handelt. 
            Aber keiner möge sich täuschen. "Organisierte" Wolldecken und ähnliche Dinge sind Diebesgut und werden als solches erkannt. 
    93        Zu 4: Das Gepäck wird in Anwesenheit der Eigentümer durchsucht. Versuche, es in Abwesenheit der Flüchtlinge zu tun, wurden von den dänischen Behörden als unzuträglich erkannt und abgestellt. Das Gepäck wird so sorgsam wir möglich behandelt. Die bei der Kontrolle beschäftigten deutschen Flüchtlinge klagen allerdings sehr über die Haltung eines grossen Teils der männlichen Heimkehrer, die nicht Hand anlegen, um die Abfertigung reibungslos zu gestalten. Die deutschen Angehörigen der Arbeitsabteilung beklagen sich bitter darüber, dass sie bei ihrer schweren Arbeit nicht nur keine Hilfe finden, sondern von den ungeduldigen Flüchtlingen wie Knechte behandelt und beschimpft werden. 
    94         Nun kann man sich freilich denken, dass die meisten Heimkehrer ihre letzten guten Kleidungsstücke angezogen haben, um sauber und ordentlich heimzukommen. Aber trotzdem. Ein Wenig mehr guter Wille, Rücksichtnahme aufeinander, Hilfsbereitschaft und Gemeinschaftssinn dürfte am Platze sein und brauchte der Kleidung nicht zu schaden.
            Nach Aussagen aller Beteiligten wird das Gepäck auf dem ganzen Wege bis in das deutsche Lager ordentlich verladen und bewacht. Bisher wurde kein Verlust bekannt. 
    95        Zu 5: Die Unterbringung in einem Durchgangslager ist derzeit unwohnlicher als in einem Stammlager, da sich ja niemand Mühe gibt, es für ein paar Tage wohnlich zu machen. Das hätte auch seine Schwierigkeiten, da alles, was einen Wohnplatz gemütlich machen kann, wohlverpackt im Güterschuppen liegt. Dem Schreiber dieser Zeilen wurde von vielen Flüchtlingen unaufgefordert gesagt, die Unterbringung in Kolding sei besser als im Stammlager. 
            Das Essen ist ausreichend, schmackhaft und gut zubereitet, wie durch unangemeldete Entnahme einer Mittagsmahlzeit und die Aussagen aller befragten Heimkehrer bewiesen wurde. 
            Angående punkt 5: At bo i en gennemgangslejr er så længe det varer ikke så hyggeligt som at bo i en stamlejr, eftersom jo ingen gør sig umage for at gøre det hyggeligt for et par dage. Det ville også være vanskeligt, for alt det, der kan gøre et logi hyggeligt, ligger godt pakket ned i godsvogne. Den, der skriver disse linier, fik uopfordret af mange flygtninge at vide, at logiet i Kolding er bedre end i deres stamlejr. 
          Maden er tilstrækkeligt, tilberedt velsmagende og godt, hvilket blev bevist ved, at jeg uanmeldt fik serveret et middagsmåltid, og gennem alle de adspurgte hjemsendtes udsagn. 
    96         Zu 6: Damit kommen wir zum wichtigsten Punkt: Die Unsauberkeit des Durchgangslagers. Was der Berichterstatter auf diesem Gebiete gesehen hat, spottet jeder Beschreibung und ist ganz einfach unwürdig und skandalös. Wer an die Ordnung und Reinlichkeit der übrigen deutschen Flüchtlingslager in Dänemark gewöhnt ist, steht dem Zustand in Kolding ungläubig und fassungslos gegenüber.        Angående punkt 6: Dermed kommer til nu til det vigtigste punkt. Gennemgangslejrens urenlighed. Hvad denne reporter har set på dette område, trodser enhver beskrivelser og er ganske enkelt uværdigt og skandaløst. Den, der er vant til den orden og renlighed, der præger de øvrige flygtningelejre i Danmark, står vantro og målløs overfor tilstanden i Kolding. 
    97      Die Abtritte, meist jene für Frauen, sind stellenweise bis zum Eingang so mit Schmutz und Exkrementen beschmiert, dass man sie nicht betreten, geschweige den benutzen kann.         Toiletterne, især dametoiletterne, er stedvis oversmurt med skidt og ekskrementer helt frem til indgangen, og det i den grad, at man ikke kan komme ind i dem, endsige da benytte dem. 
    98        Spül- und Waschwasser werden nicht in die dazu bestimmten Abflüsse und Kloaken gegossen, sondern ganz einfach aus Barackentüren und Fenstern geschüttet. Mitten auf den aufgeweichten Wegen kann man Speisereste herumliegen sehen, die mehr als halbe Mittagsmahlzeiten ausmachen. 
            Der Feuerteich ist so von Unrat angefüllt, dass er bei einem Brande nicht gebraucht werden kann. Die Plätze und Wege im Lager sind unsauber.
          Die Arbeitsmannschaft ist über diese Zustände empört und verzweifelt, kommt aber gegen die Schmutzerei eines Teils der Heimkehrer nicht auf. 
            Skyllevand og vaskevand bliver ikke hældt ud i de dertil bestemte afløb og kloaker, men simpelthen smidt ud af barakdørene og vinduerne. Midt ude på de opblødte veje kan man se spiserester ligge og flyde, som udgør mere end halvdelen af et middagsmåltid.
            Branddammen er i den grad opfyldt med skidt, at den ikke kan bruges i tilfælde af brand. Pladserne og vejene i lejren holdes ikke rene.
            Arbejdsmandskabet er oprørt og fortvivlet over disse tilstande, men kan ikke stille noget op mod svineriet fra en del af de tilbagevendende. 
    99       Landsleute. Landsleute! So geht das nicht. Einige wenige Schmutzfinken verderben, was guter Wille und Anstand der grossen Mehrheit gutmachen könnten. Nie fallen die Guten und Anständigen auf. Aber die Schmach und Schande der männlichen und weiblichen Schweineigel fällt auf uns alle, auf unser ganzes Volk.          Landsmænd! Landsmænd! Dette må ikke blive ved. Nogle få lejrsvin ødelægger alt det, som det store flertals gode vije og anstændighed ville medføre. Det er jo aldrig de gode og anstændige, man lægger mærke til. Men forsmædelsen og skammen fra de mandlige og kvindelige lejrsvin falder på os alle, på hele vort folk. 
    100        Der Zustand im Durchgangslager ist die letzte Visitenkarte, die wir Deutschen in diesem Lande hinterlassen. Sollen wir uns zu allem andern Elend auch noch nachsagen lassen, wir seien unsauber und verlottert?          Tilstanden i gennemgangslejren er det sidste visitkort, som vi tyskere efterlader i dette land. Udover al den anden elendighed, vi har påført, skal det så også hedde sig, at vi er urenlige og forsumpede?
    101         Da es nun aber leider nicht möglich ist, die Schmutzfinken und Strolche beiderlei Geschlechts, die sich unter uns befinden, in den wenigen Tagen im Durchgangslager noch zu erziehen, schlage ich vor, die Guten und Ordentlichen unter den Flüchtlingen bestimmen -- am liebsten noch vor der Abreise aus dem Stammlager, spätestens jedoch bei der Ankunft im Durchgangslager -- Obleute, die in ihrer Baracke während der Dauer des Aufenthalts in Kolding für den Zustand dieses Lagers verantwortlich sind.          Da det nu desværre ikke er muligt at opdrage de lejrsvin og vagabonder af begge køn, der er iblandt os, i løbet af de få dage i gennemgangslejren, foreslår jeg, at de gode og ordentlige blandt flygtningene udvælger -- helst endnu før afrejsen fra stamlejren, senest ved ankomsten til gennemgangslejren -- nogle formænd, der i deres barak er ansvarlige for lejrens tilstand under opholdet i Kolding. 
    102  Sie setzen einen freiwilligen Ordnungsdienst ein, an dem sich jeder, der um das Ansehen unseres Volkes besorgt ist, nach Kräften beteiligt. Nur so wird es glücken, einen einigermassen tragbaren Eindruck zu hinterlassen.    De indsætter en frivillig ordenstjeneste, hvor enhver, som vort folks anseelse ligger på sinde, kan deltage efter som han eller hun har kræfter til. Kun således kan det lykkes os at efterlade et nogenlunde tilforladeligt indtryk. 
    103         Und nun zum Schluss: Auf der Fahrt von Kolding zur Grenze wurden wohlmeinende, menschenfreundliche dänische Begleiter rüpelhaft angepöbelt und verhöhnt. 
            Wir meinen: Wer es schon nicht über sich bringt, sich bei den Vertretern des dänischen Gastvolkes für Verpflegung, Unterkunft und Betreuung zu bedanken, der sollte zumindest höflich schweigend den Hut ziehen, wenn er dieses Land verlässt. 
            Og nu til slut: På rejsen fra Kolding til grænsen blev velmenende, menneskevenlige danske ledsagere udskældt og forhånet ganske tølperagtigt.
           Vores mening er: Den, der ikke kan få sig selv til at sige tak til repræsentanterne for det danske værtsfolk for forplejning, logi og forsorg, han burde i det mindste holde sin mund og tage hatten af, når han forlader dette land.