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Deutsche Nachrichten 1947 Nr 5

 vom 3. Februar 1947

Deutsche Nachrichten 1947 nr 5

 fra 3. februar 1947.

 
 Wochenschwatz #1
 1 Das ist Demokratie
      "Wir sind von Hitler genügend dumm gemacht worden, lasst uns in Ruhe mit Eurer Aufklärung". Das sagte eine ehemalige BDM-Dame, die jetzt die Kleinkinderbetreuung leitet, als sie zu einem demokratischen Diskussionsabend eingeladen wurde. Schlimm, sehr schlimm für eine ehemalige aktive BDM-Angehörige, die jetzt unsere Kleinsten betreut, dass sie in den 1½ Jahren seit der Kapitulation nicht mal bildungsmässig zu dem grossen, die brennende Zeit umspannenden Weltbegriff "Demokratie" hingefunden hat, ja nicht mal die elementarste Kenntnis davon besitzt. 
3  Aber seien wir gnädig, bei welchem Flüchtling oder Lagervormann, bezw. Posteninhaber, ja bei welchem kulturell Tätigen ist diese Kenntnis schon weit grösser? Bei den meisten erschöpft sie sich damit, dass sie mit den Daumen über der Schulter nach dem Zaun zeigen und höhnisch fragen: Ist das Demokratie? Jeder Flüchtling sehnt sich nach Frieden, Klarheit, Gerechtigkeit, Anstand, gegenseitiger Achtung, kurz gesagt nach einem vollen Vertrauen zu seinem Mitmenschen im engeren und weiteren Sinne.
4  Er sieht, wie vielfach diejenigen, die im Lager einen Posten und etwas zu verteilen oder zu vergeben haben, von einer kleinen Clique umschwärmt werden, so wie das Licht von den Motten. Man versucht sich bei solchen Posteninhabern mit Geschenken, Gefälligkeiten selbst entwürdigender Art und mit sonstigen Aufmerksamkeiten einzuschmeicheln, um irgendwie besondere Vorteile zu erlangen, Rücksichtslosere schieben sich selbst in Posten, um der Quelle näher zu rücken, aus der sie dan schon etwas "erben" werden, weil sie dafür fachmännische Erfahrungen bei Hitler sammelten.
5  Die Günstlingswirtschaft beginnt allmählich anzulaufen. Der Flüchtling steht am Fenster und siest es und allmählich so misstrauisch, dass er in jedem eingewickelten Päckchen, das ein anderer unter den Arm geklemmt hat, ein Stück Speck aus der Küche oder etwas ähnlich Ungesetzliches vermutet. 
6  Kommt dann aber einer, dem diese Ungerechtigkeit und Unzuverlässigkeit bei Verteilungen oder Postenbesetzungen über die Hutschnur geht und er schlägt Krach oder beschwert sich für di anderen mit, dann wird die schmutzigste Lügenkampagne von dem Postenjäger über diesen gerecht Denkenden eröffnet. Die von dem ersteren Begünstigten und Freunde kurbeln die Hetze gründlich an,so wie sie es bei Goebbels lernten und leider stimmen viele einfältige Flüchtlinge mit ein in der Hoffnung, sich dadurch als letzte Günstlingsgruppe bei dem Allgewaltigen einzuschmeicheln. 
7  Der Beschwerdeführer übte für sich und seine benachteiligten Leidensgenossen Kritik an der "Sache", an der Ungerechtigkeit. Die Angegriffenen stehen darauf garnicht Rede, sie zerschmettern nur die "Person", suchen nach deren persönliche Schwächen, bauschen auf, verdrehen, lügen usw., bis jenem "kein Hund mehr aus der Hand frisst" und damit sind weitere Neugierige gewarnt, nochmals von der Sache selbst oder gar von dem Posteninhaber zu sprechen. 
8  Es glaubt dem Gesteinigten keiner mehr, man hört garnicht zu, er ist eben ein Meckerer geworden. Wer hat solche Begebenheiten nicht schon miterlebt? Und wer urteilte nach Vernunft und nicht nach persönlichem Nutzen? 
9      Dieses "System" ist das Gegenteil von Demokratie. Es ist das System, wo die Minister und Gauleiter sich selbst und ihrem Anhang die grossen Besitztümer und Vermögenswerte zuschoben, ohne das Volk zu befragen, das System, womit der Bauer seine fettige Schmunzelkarte beim Kaufmann hintenherum abgab, um dann vorne alles zu bekommen, was uns vorenthalten blieb, das System, wor der Molkereibesitzer die Butter, der kleine Sattlermeister die Ausgebombten-Koffer, der solcherart geschulte deutsche Lagerleiter später die geringen Sachenbestände erstmal an die verschoben, von denen sie Nutzen hatten. 
10  Es ist das System der Korruption, der Schieber- und Günstlerwirtschaft in Reinkultur, womit man das seit 1914 im Verblühen begriffene Pflänzschen "Vertrauen" mit Stumpf und Stiel ausrottete. Es ist eben das vielgepriesene Führersystem, die Ausnutzung einer persönlichen Machtbefugnis, die der Ungerechtigkeit Tor und Tür öffnet und Hass und Neid züchtet, die umgedrehte Parole "Eigennutz geht vor Gemeinnutz", die unweigerlich zum Zerfall der Gesellschaft führen muss. Der Mensch ist gut, aber er ist Materialist und das verdirbt ihn.
11        Was ist nun Demokratie? Der dänische Professor Hal Koch hat das in einer Artikelserie "Was ist Demokratie?", die von den "Deutschen Nachrichten" abgedruckt wurde, sehr eindrucksvoll -- leider zu wenig beachtet -- geschildert. Er betont einmal, dass die Demokratie die Grundlage für das kommende Europa wird, zum andern, dass sie eine seit 2000 Jahren sich aufwärts ringende Lebensform, also nicht nur eine Staatsform ist. 
12Wort oder Schwert, das sind die Gegensätze. Die Schwerttheorie handelt rücksichtslos, mit Gewalt und Macht.  Der Demokrat verhandelt, diskutiert. Es gibt auf dieser Erde kaum Gegensätze, die sich nicht durch gegenseitige Aussprache aus der Welt schaffen liessen, wenn beiderseits der gute Wille vorhanden ist. Man soll aber, wie Hal Koch richtig betont, diese demokratische Lebensform erst mal im engeren Familienkreis, dann weiter mit Bekannten, Landsleutenund schliesslich in Volks- und Staatsfragen zur Anwendung bringen. 
13 Wir sollen also eine strittige Sache, einen Gegensatz solange besprechen und verhandeln, bis wir einig sind. Dazu gehört eben, dass wir uns über die fraglichen Punkte beiderseits aufklären, immer bemüht, eine friedliche Lösung zu finden. "Wie willst du bei und Frieden schaffen" ruft mancher wutschnaubend aus, der so mit 20 oder mehr eigensüchtigen Leidensgenossen zusammen haust. Dass besonders der Deutsche gern zum "Entweder -- oder" und weniger zu friedlichen Verhandlungen neigt, ist bekannt, ebenso, dass er in jeder Kritik gleich einen Vorwurf sieht, den er übelnimmt. 
14 Das sind eben Eierschalen eines verflossenen Systems, die sich ein demokratischer ABC-Schütze zuerst abgewöhnen muss. Offene Kritik ist die erste Voraussetzung der Demokratie, denn sie veranlasst zum Nachdenken und zur Aufklärung. Der Kritiker kann recht haben -- darum prüfen wir's -- er kann sich auch irren, das ist menschlich. Er greift an. Wehren wir ab oder anerkennen wir? Also was meint er? Hören wir ihn wenigstens an, widerlegen wir ihn mit besseren Gedanken und verschliessen wir uns keiner besseren Erekenntnis, die zum Frieden führen kann. 
15Wir waren ja früher auch ganz verträgliche Menschen, bei denen die gegenseitige menschliche Hilfe Selbstverständlichkeit war. Uns hat nur die Ungerechtigkeit von oben verdorben. Wenn alles gerecht zugeht, ist kein vernünftiger Mensch neidisch. Nun sind wir alle arm, brauchen alles und vieles sehr sehr dringend. Und wenn dann unsere dänischen Gastgeber bei der allgemeinen Knappheit an Waren doch noch etwas für uns auftreiben konnten, dann erleben wir vielfach, dass solche Sachen mehr oder weniger nach Gunst verteilt werden.
16 Wo soll da Vertrauen oder Harmonie herkommen? Man kann leicht über die Ungezogenheiten, die Verdorbenheit der Flüchtlinge schimpfen, hat man aber auch immer alles getan, um ihrem Verlangen nach Vertrauen Rechnung zu tragen? Wo soll der Einzelne sich -- wie oben gesagt -- an die demokratische Lebensform gewöhnen, wenn er täglich sieht und feststellt, dass er dabei der Dumme ist. 
17      Deshalb müssen schon vorerst alle die Posteninhaber im Lager einschl. Vertrauensmann immer nur an die ganze Gemeinschaft denken, sie müssen bis ins Kleinste gerecht, wahr und klar sein. Keine Geheimniskrämerei: wer flüstert, der lügt oder betrügt. Alle Betreuer müssen sich bei allen ausserordentlichtn Verteilungen, die ja nie alle befriedigen, bemühen, das erste wie das letzte Stück erst in die Hände eines Flüchtlings zu legen, wenn die ganze Stuben- oder Hausgemeinschaft eingesehen hat, dass nunmehr die bestmögliche Gerechtigkeit geübt wird und dieser eine in diesem Fall tatsächlich der Bedürftigste ist. 
18 Das ist der einzige Weg zum Vertrauen und er muss beschritten werden, wenn wir den Glauben an Demokratie überhaupt erwecken wollen. Wer ein Amt hat, muss sauber sein, er muss sich überwaschen und kritisieren lassen, sonst macht man ihm berechtigte Vorwürfe und er sollte wenigstens Mut, Anstand und Ehrgefühl besitzen und abtreten. So gehts aber nicht weiter. Wir brauchen in Deutschland eine ehrliche, willensstarke Gemeinschaft, wenn wir alle zusammen unsere Lasten tragen und unsere Sorgen beseitigen wollen. Als Eigenbrötler gehen alle zu Grunde! Ist das jedem klar? Wir sind doch ein Volk.
19       Der Organisationsplan einer demokratischen Lagergemeinschaft soll den Weg erleichtern. Der Vertrauensmann ist -- den Flüchtlingen gegenüber -- ihr verantwortlicher und zu Rechenschaft verpflichteter Geschäftsführer, der mit dem Lagervorstand die Flüchtlingsfragen bespricht und beschliesst und das Ergebnis dem dänischen Lagerleiter vorträgt. 
20 Neben diesem Hauptparlament gibt es ein erweitertes unter Hinzuziehung der Blockmänner, ein noch erweitertes mit den Haus- oder Stubenvormännern. Je grösser der Kreis, der mitraten und beschliessen kann, desto grösser das Vertrauen. Jeder Flüchtling hat den Instanzenweg innezuhalten und kein Vormann oder Vertrauensmann darf diesen Weg durch Eigenmächtigkeit sabotieren. Jeder Flüchtling muss die ganze Verwaltung, die Tätigkeit seiner Betreuer und die überzeugende Gerechtigkeit und Wahrheit klar vor sich sehen, dann erst geht es mit uns allen aufwärts. 
R. Mahlo,
Flüchtlingslager Skallerup Klit, Hjörring. 
21  Schuldenregelung im Osten
22       Vom Lagergericht Aalborg, Thistedvejen, haben wir folgende Anfrage erhalten: 
23       "Ein Flüchling unseres Lagers, der in Nr. 34 der Deutschen Nachrichten den Artikel über "Schuldenregelung im Osten" gelesen hat und der aus der Danziger Niedelung flüchten musste, hat eine Forderung aus Verkauf von Futterrübensamen von seinem Grundstück im Freistaat Danzig an die Firma W. v. Bielefeld. Des weiteren hat er Forderungen aus Verkauf von Ernteerträgen und aus Milchlieferungen. 
24        Wir bitten namens dieses Flüchtlings um Mitteilung, ob und wo die erwähnten Forderungen geltend gemacht werden können."
25      Da die Angelegenheit viele Flüchtlinge interessieren kann, teilen wir hier die Antwort mit, die der Flüchtlingsausschaus dem Lagergericht gegeben hat: 
26       "Es wird dem Flüchtling empfohlen, sich an die Firma B. zu wenden. Möglicherweise erkennt die Firma die Berechtigung der Forderung an; ist das nicht der Fall, muss die Firma bei den Gericht ihres Wohnsitzes verklagt werden."
27 Kommunismus und Sowjetunion
28        Wehrter Herr Spatz!
29       Wenn ich mir in den "Deutschen Nachrichten" Ihre Artikel durchlese, so fällt es mir auf, dass meistens von Demokratie darin die Rede ist. Wie wir erfahren, soll bezw. wird das neue Deutschland auf demokratischer Grundlage neu entstehen. Was das heisst, haben wir durch Ihre Artikel und die Schrift von Prof. Hal Koch, die in den D. N. veröffentlich war, erfahren und uns so ein Urteil bilden können. 
30 Doch das ist nicht der Sinn meines Briefes, sondern ich wollte mich bei Ihnen einmal über die anderen z. Zt. in Deutschland bestehenden Parteien erkündigen. Die CDU ist ja wohl wie der Name schon sagt, eine Partei, die z. T. einen kirchlichen Charakter trägt. Doch die KPD, Kommunistische Partei Deutschlands, das ist etwas, worunter gerade wir Jugendlichen uns eigentlich wenig vorstellen können.
31 Zur Zeit der Machtübernahme waren wir ja Kinder, die noch nicht einmal zur Schule gingen. Unwillkürlich müssen wir, wenn das Wort Kommunismus fällt, an Strassenkämpfe, rote Fahnen und totgeschlagene Hitlerjungen denken. Von den politischen Vorgängen damals hatten wir ja nur durch nationalsozialistisch kontrollierte Schriften eine Vorstellung. Was wir darin lasen, hat uns nicht gerade für den Kommunismus eingenommen. 
32 Wir wissen, dass die einzige in Russland zugelassene, die Kommunistische Partei ist, dass Russland ein Diktaturstaat ist, wie Deutschland es auch war, nur in anderer Ausführung. Können Sie, Herr Spatz, nicht einmal einen Aufsatz über die wahren Ziele des Kommunismus in den D. N. veröffentlichen, denn schliesslich müssen doch gerade wir Jugendlichen uns klar darüber werden, welcher partei wir einmal angehören wollen. 
33 Einfach zu sagen, ich will einmal ein guter Demokrat werden, wenn ich die Ziele anderer Parteien nicht kenne, halte ich nicht für richtig. Auch meine Kameraden sind dieser Ansicht. Das einzige, was wir über die politische Einstellung der Kommunisten erfuhren, war der Artikel "Gibt es in Russland Demokratie?", den Sie Horst Zachas in der Nr. 34 der D. N. mit einer Gegenüberstellung: Demokratie des Ostens -- Demokratie der Westmächte beantworteten. Darin war die Rede von der Wirtschaftspolitik Russlands. 
34 Diese allein kann doch aber nicht der Grund sein, dass in Russland keine anderen Parteitn als die kommunistische bestehen dürfen. Weshalb werden dort die Leute verfolgt, die eine andere politische Meinung als die Regierung haben? Wozu sind solche Gewaltmassnahmen notwendig? Wenn der Kommunismus wirklich das einzig richtige für Russland ist, wird dieser dort doch wohl nicht viele Gegner haben, denn meiner Ansicht nach müsste der Durchschnittsrusse doch mit dem Kommunismus einverstanden sein. 
35 Dadurch, dass man in Russland Nichtkommunisten einfach verhaftet, wird doch der Kommunismus nicht nur im russischen Volk, sondern auch im Ausland als brutal und ungerecht verschieen. 
36 Vielleicht mit Recht, vielleicht aber auch zu unrecht. 
37 Das festzustellen möchte ich Ihnen überlassen, denn ich bin über die wahren Zustände in Russland nicht genügend informiert. 
38        Nun möchte ich zum Schluss noch einmal bitten bald einen aufklärenden Artikel mit den wesentlichen Programmpunkten der KPD in den "Deutschen Nachrichten" zu veröffentlichen. 
39        Inzwischen bleibe ich mit freundlichen Grüssen
Horst Stürzebecker, 
Aalborg-West (49-06) -- Bar. 18-7. 
40      Herrn Horst Stürzebecker, Aalborg-West.
       Ihren Wunsch, durch die "Deutscher Nachrichten" über die Programme der einzelnen Parteien in Deutschland informiert zu werden, halten wir für durchaus verständlich. Alle in Deutschland zugelassenen Parteien nennen sich demokratisch und wollen das deutsche Volk zu Wohlstand und Glück führen, allerdings auf verschiedenen Wegen. 
41 Es gilt nun zu untersuchen, ob die einzelne Partei die richtigen Wege dazu einschlägt, und die dazu geeigneten Mittel anwendet, oder ob sie falsche Wege geht und durchaus ungeeignete Mittel in Anwendung bringt. Es ist auch denbar, dass die Handlunger einer Partei im Gegensatz zu ihrem Programm stehen. --
42       Sie haben also Recht, wenn Sie deshalb gern etwas über die verschiedenen Partei-Programme oder die Ziele der Parteien wissen möchten, und wir verstehen auch den besonderen Wunsch, über die Ziele der KPD. zu hören, da Sie in den letzten 12 Jahren unter Hitler nur die Goebbels'schen Lügen über die Kommunisten gehört und gelesen haben. 
43        Wir verweisen Sie auf die Nr. 40 der "D. N." vom vorigen Jahrf, wo wir einen langen Artikel "Deutsche Parteien über sich selbst" veröffentlichten. Über die Stellung der KPD zu den Lebensfragen Deutschlands konntenSie dort u. a. folgendes lesen: 
44       Der Wille des Volkes muss oberstes Gesetz im neunen demokratischen Deutschland werden. Dieser Gedanke ist das Leitmotiv der Wahlprogramme der KPD für die verschiedenen Bezirke der britischen Zone. Die Gemeinde ist die kleinste Parzelle des Staates. Soll das neue Deutschland wirklich demokratisch sein, som müssen schon in der Gemeinde alle Grundsätze der Demokratie lebendig wirken. Darum fordert die KPD die vollkommen souveräne Selbstverwaltung für die Gemeinde. 
45 Die Selbstverwaltung in der Gemeinde hat den Willen der Bevölkerung zu vollziehen und ist für ihre Handlung nur dieser verantwortlich. Die Verwaltungsbeamten sihc nicht länger Diener des Staates, sondern Vollstrecker des Volkswillenss, sie müssen aufrechte Demokraten sein, die im Genuss aller politischen Rechte sind. Ausarbeitung einer einheitlichen deutschen Gemeindeverfassung, die für alle vier Zonen gültig ist. Die politische und wirtschaftliche Einheit Deutschlands ist nur auf der Grundlage einer einheitlichen demokratischen Selbstverwaltung der Gemeinden, Kreise und Provinzen möglich. 
46        Der militaristische Geist im deutschen Volke muss überwunden werden durch eine grosse ideologische Offensive aller demokratischen Kräfte gegen die Preussische Geschichtslegende. Die Durchführung der demokratischen Schulreform, die breiteste Propagierung der deutschen Humanisten und der grossen Demokraten aller Länder sowie die Vorbereitung einer der historischen Wahrheit entsprechende materialistischen Geschichtsschreibung über das Verden und die Entwicklung Deutschlands werden eine wirkliche demokratische Umerziehung des deutschen Volkes ermöglichen. 
47       Die KPD verlangt die Auflösung der Trusts und Konzerne, die Enteignung der Betriebe aller Kriegsverbrecher und Nazi-Aktivisten und die Überführung ihrer Unternehmen in den Gemeinden und Provinzen in die Hand des Volkes. 
48      Heute kann nicht von Sozialisierung gesprochen werden, weil es keinen deutschen Staat und noch viel weniger einen sozialistischen Staat gibt, in dem die Arbeiterklasse die politische Herrschaft bereits errungen hat. 
49        Die KPD tritt für die volle Glaubens- und Gewissensfreiheit aller Bürger ein und wünscht die grösste gegenseitige Toleranz. 
50       Das Dritte Reich ist bankrott. Eine Konkursmasse ist nicht vorhanden. Entschädigungen für Kriegsgeschädigte, Flüchtlinge und Ausgebombte können nur nach sozialen Gesichtspunkten gewährt werden. Die hierfür notwendigen Mittel sind durch Enteignung der Kriegsverbrecher, Kriegsgewinnler und Nazi-Aktivisten aufzubringen und durch einen sozialen Ausgleichsfonds zu verteilen. 
51         Die KPD fordert die Durchführung der Bodenreform, die Demokratisierung des Dorfes, die Kontrolle der Selbstverwaltung über die Organisation des Zentralamtes für Landwirtschaft und Ernährung, die Hilfe der Industrie für die Landwirtschaft durch Bereitstellung von Kunstdünger und Arbeitsgeräten, die Aufhebung der Zonengrenzen und die Erzeugung industrieller Ausfuhrgüter, um die notwendige Lebensmitteleinfuhr zu ermöglichen. 
52        Die KPD fordert die Errichtung der einheitlichen, unteilbaren parlamentarischen, demokratischen deutschen Republik, an deren Spitze eine einheitliche Reichsregierung steht, bei weitestgehender dezentralisierter Verwaltung der Provinzen und Länder. Die KPD lehnt aber mit aller Entschiedenheit alle Arten des Föderalismus oder Separatismus ab.
Die Redaktion. ( se videre #66
53 Unabhängig von Partei und Kirche
Ein Beitrag zur Diskussion 
54        Meine Gedanken, die ich mir über die Jugendarbeit gemacht habe, stimmen in manchem mit dem überein, was andere geschrieben haben und doch ist viel anderes und neues dabei. 
55       Ich bin der Meinung, dass die "ideale" deutsche Jugendbewegung unabhängig von jeder Partei und Kirche sein muss. Das hat natürlich einen Haken, dass nämlich dann die finanzielle Unterstützung fehlt. So müsste der Staat helfen. Ihm wäre das Recht vorbehanten zu überwachen, wie das Geld angewandt wird, er dürfte jedoch die Jugendbewegung nicht nur Staatsjugend machen. Gruppen von 25-30 Jungen bezw. Mädel müssen gebildet werden. Zwei Gruppen, je eine weibliche und eine männliche, sind Geschwistergruppen, die in engem Kontakt zueinander stehen, jedoch nicht ganz miteinander verschmelzen. 
56 Die Leitung von 4-6 Gruppen, 2-3 männlichen und 2-3 weibliche, muss sowohl aus älteren umsichtigen Jugendlichen, als auch für die Jugenderziehung befähigten Frauen und Männern (Lehrer zum Beispiel) bestehen. 
57         Das Beitreten soll ganz freiwillig sein, doch wenn sich ein Jugendlicher für eine Gruppe entschieden und sich zu ihr gemeldet hat, soll es seine innere Pflicht und Schuldigkeit sein, der Gruppe so lange anzugehören, bis ihn triftige Gründe zwingen, auszutreten. 
58       Wenn die Arbeit einer Gruppe die Jugendlichen nicht zusagt, muss er dies bei der Leitung vorbringen dürfen, doch darf dies kein "Mechern" sein, sondern positive Kritik, d. w. s., dass er mit einem anderen, seiner Meinung nach beseren Vorschlag aufwarten kann, über den die Leitung dann diskutieren kann. 
59        Die allgemeinen Gruppen sollen einmal in der Woche zusammenkommen. Alle Jugendlichen sollen in erster Linie diesen Gruppen angehören. Der Gruppenleiter soll von der Leitung eingesetzt werden, je nach seinen Fähigkeiten und Begabungen. Es hat keinen Zweck, dass sich die Jugendlichen ihre Gruppenleiter für ihre geschlossenen Gruppen selbst wählen. Vielmehr müssen vor Aufstellung von Gruppen die Namen der Leiter allen Interessenten bekanntgegeben werden, damit sie sich frei entscheiden können, zu welchem sie gehen wollen. 
60        Jede Gruppe soll einen bestimmten Tag haben, an dem sie das Gruppenheim in Anspruch nehmen darf, damit alles Benachrichtigen usw. entfällt, und alle sich für diesen Tag am Nachmittag oder Abend freihalten können. 
61       Daneben schafft man Spezialgruppen, so für die Jungen, die besonderes Gewicht auf die Fortbildung in Technik, in Kunstmalerei, in Nautik und anderes legen, je nachdem, wie weit Interesse und Teilnehmer da sind. Für Mädchen wäre vorzuschlagen, besondere Gruppen für Weben und andere Hand-Arbeiten, Kochen usw. In den vereinten Geschwistergruppen könnte auch Tanzunterricht gegeben werden. 
62        Ausserdem müssen die Gruppen nach Alter und Jahrgang geteilt weden, um so ein unabhängiges Arbeiten zu ermöglichen.
63        Zeltlager, Tippel- und Radfahrtouren müssen jeden Sommer auf dem Arbeitsplan stehen. Dazu kann sich jeder ein tragen, der Freude daran hat. 
64      Alles dieses sind Pläne, die noch mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, besonders weil die Bewegung unpolitisch sein und deshalb finanziell vom Staat unterstützt werden soll, doch nicht, wie gesagt, zur Staatsjugend nach dem Schema der HJ werden darf.
65       In Klövermarken besteht eine Jugendgruppe, die man, wenn wir frei wären, und das nötige Geld da wäre, in ungefähr dieser Form aufbauen könnten. Die Pläne müssen aber, bis wir in Deutschland sind, liegen bleiben. Jeden gesunden Jugendlichen wird es in Deutschland in eine unpartelische, doch keineswegs politisch uninteressierte Jugendbewegung ziehen. 
Reimer Siebenfreund -- 18 Jahre. 
66 Über die Verhältnisse in der Sowjetunion schreibt uns ein Kommunist: 
67       "Was die Verhältnisse in der Sowjetunion betrifft, so haben Sie gleichfalls nur die schlimmsten Greuelmärchen erfahren können. Es ist richtig, dass dort nur eine Partei, nämlich die Kommunistische Partei zugelassen ist, aber Sie können wohl einsehen, dass es nicht zutreffend sein kann, dass man dort alle Leute verfolgt, die eine andere politische Meinung als die Regierung haben und dass man die Nichtkommunisten verhaftet. Sie meinen selbst, dass der Durchschittsrusse mit dem Kommunismus einverstandensein müsste, wenn es das einzig richtige für Russland ist. 
68 Dabei dürfen Sie nicht einfach Kommunismus und Kommunisten mit der Politik der Sowjet-Union oder ihrer Regierung gleichsetzen. Die Kommunistensind ja nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, wenngleich sie auch an fast allen entscheidenden Posten im Lande stehen. Dort sind sie aber von der grossen Masse ihrer Wähler hingesetzt worden und werden durch sie kontrolliert. Es ist ganz falsch zu sagen, die Sowjet-Union ist eine Diktatur wie sie das Hitler-Reich war, nur mit anderen Vorzeichen. 
69 Die Sowjet-Union hat eine demokratische Verfassung; denn Demokratie heisst ja bekanntlich Volksherrschaft. Und das Volk herrsch und regiert in der Sowjet-Union wirklich durch seine gewählten Sowjets in den Gemeinden und Republiken, durch die Betriebsräte (ebenfalls Sowjets genannt) und die Gewerkschaften. Die Politik der Sowjet-Regierung ist also keine kommunistische Politik, sondern eine Politik des russischen Volkes. 
70 Wer sich gegen diese Politik auflehnt oder vergeht, handelt nicht gegen die Interesse der Kommunistischen Partei, sondern gegen die Interesse des russischen Volkes. Dass diese Politik von der übergrossen Mehrheit des Volke gebilligt wird, daran kann heute nicht mehr gezweifelt werden. 
71       Denn wenn Sie nun einfach weiter denken: Hätte die Sowjet-Union diese gewaltige industrielle und kulturelle Entwicklung in den kurzen Jahren ihres Bestehens durchlaufen können, wenn nicht der Durchschnittsrusse mit dem Programm seiner Regierung einverstanden gewesen wäre und nicht fleissig gearbeitet hätte? Die Sowjet-Union hat dieses riesige Werk vollbracht, trotzdem sie in all den Jahren ihres Bestehens von alle Seiten angefeindet und lange Jahre mit Krieg und Bürgerkrieg -- vom Auslande organisiert -- überzogen wurde. Und denken Sie an die gewaltige Leistung, die das gesamte russische Volk im Kampf gegen Hitlers Krieg vollbracht hat und die mit dem Sieg über eine Kriegsmacht endete, die sich für unbesiegbar hielt. 
72 Wäre das möglich gewesen, wenn man alle Nichtkommunisten verfolgt oder eingesperrt hätte? Es handelt sich also bei den Verfolgungen und Verhaftungenden doch nur um einen kleinen Kreis von Personen, und dann sind die Taten dieser Leute meist enderer Natur (Spionage, Sabotage). Wenn in der Sowjet-Union auf Grund der Erfahrungen mit den fremden Agenten und den eigenen Verrätern schnell und vielleicht etwas härter zugegriffen wird als in Deutschland und in den Ländern der sogenannten westlichen Demokratie, so hat wohl der Erfolg, besonders also der Sieg über Hitlers Armee, diese Massnahmen und Strenge voll gerechtfertigt. 
73 Das russische Volk hat sich behauptet und wird, falls es in Zukunst in Frieden leben darf, weitere grosse Erfolge in seiner technischen und kulturellen Entwicklung aufweisen können".