Zurüch zum Inhalt Tilbage til indhold.  Aus den "Deutschen Nachrichten" Fra den tyske avis Einzelne Lager Om de enkelte lejre

 

Deutsche Nachrichten 1947 Nr 6

 vom 10. Februar 1947

Deutsche Nachrichten 1947 nr 6

 fra 10. februar 1947.

 
  •  Ostpreussen, Flensburger und Alliierte ...  af Fredi Amman, Vingsted. #1. Svar: #16.
  • Die Aufgaben der Konsumvereine af Johan Götz, Lager Knivholt, B. 45. II.  #21.
  • Wer kommt zuerst an die Reihe? Forord af Gez. Eva Sabrow, Oksböl -- Dänemark Bez. I U #27
  • Wieviel vermag ein Mensch zu leiden? Frau Sabrow #32. Svar: #47.
  • Die Gepäckkontrolle in Kolding af Grete Möller: #50.

  • Die Pfadfinder-Jugend, Ein Beitrag zur Diskussion af Rudolf Neumann, Leiter der Oksböler Pfadfinder M 5-11. #61.
  • Østprøjsen, flensborgere og de allierede
  • Brugsforeningernes opgave
  • Hvis tur er det først?
  • Hvor meget formår et menneske at lide?
  • Bagagekontrollen i Kolding

  • Spejderungdommen, et bidrag til diskussion. 
     1 Ostpreussen, Flensburger und Alliierte ...
          Sehr geehrte Redaktion!
          Hiermit möchte ich Ihnen bestens für den Abdruck meiner Zeilen, und für die Antwort zum Artikel: "West- und Ostdeutsche", danken. In Ihrer Antwort schrieben Sie mir, dass es Unsinn wäre zu sagen: die West- und Ostpreussen wären die Alleinschuldigen am Kriege. (02/1947#22) Das glaube ich Ihnen. Aber leider werden wir zu oft als diese hingestellt. 
    3        So lautet zum Beispiel der Anfang eines Wahlplakates in Flensburg folgendermassen: 
    4         "Flensburger! Nehmt Euch in Acht! Denn Preussen hat Euch nur Unglück gebracht". Dürfen die Parteien denn Anderen die Schuld in die Schuhe schieben, um als Unschuldige mehr Stimmen zu haben?
    5        Der Spruch könnte, wenn er richtig lauten soll, so heissen: 
    6        "Flensburger! habt Ihr's bedacht? Denn Preussen hat Euch's Sattessen gebracht." Und dieses scheinen leider schon zu vielen vergessen zu haben. 
    7       Dass die Ostflüchtlinge oft auch Anforderungen an die Westdeutschen stellen, die niemand erfüllen kann, glaube ich Ihnen gerne. (02/1947#23) Dieses tun diese aber nur auf Grund der Anforderungen, die man an sie gestellt hat. 
    8       Denn die Ostflüchtlinge mussten ihre Heimat verlassen. Und das sagt doch sicher genug. 
    9      Denn ein Mensch ohne Heimat ist genau dasselbe, was ein Schiff ohne Hafen ist. Wenn die Mannschaft sich nicht nach einem Hafen umsieht, dann sind sie dem tosende Meere preisgegeben. 
    10       Nun haben viele Flüchtlinge eine notdürftige Wohnung bekommen. Sie arbeiten nun Monate, um diese wohnlich einzurichten. Ja, sie geben sich sogar alle Mühe, um diese noch schöner auszustatten. Eines Tages haben sie es geschafft. Mit Stolz nennen die Bewohner dies ihr Heim. Nun kommt eines Tages Jemand und erklärt die Wohnung für beschlagnahmt. 
    11        So ist es nicht nur vielen Ostdeutschen gegangen, sondern leider auch vielen Westdeutschen. Jetzt sitzen die Verwiesenen wieder auf der Strasse und suchen sich in allem Elend eine neue Unterkunft.
    12       Ist es durchaus notwendig, dass die Wohnungen beschlagnahmt werden? 
    13        Viele Soldaten haben sogar ihre Familien in Deutschland. Muss das sein? Dass die Wehrmachtsangehörigen gerne zu ihren Angehörigen möchten, verstehe ich ser gut, ich möchte es auch, aber dass die Soldaten diese nach Deutschland holen, verstehe ich nicht. 
    14       Denn Deutschlands Zukunft kann nur dann glücklich sein, wenn Deutschland sich diese selbst gestaltet. 
    15         In diesem Sinne grüsst Sie hochachtungsvoll. 
    Fredi Amman, Vingsted.
    16       Lieber Fredi Amman!
           Wir haben uns deutlich gegen allgemeine Angriffe auf die West- und Ostpreussen ausgesprochen. Aber nun dürfen Sie nicht genau so unberechtigte allgemeine Angriffe gegen Flensburger und alliierte Soldaten erheben. 
    17      Die Deutschen in Flensburg wollen gute Schleswig-Holsteiner sein, aber Sie können doch nicht verlangen, dass sie sich als Preussen fühlen sollen. Das wurden sie doch erst 1864 und gegen ihren Willen. Ganz falsch ist Ihre Vorstellung, dass die armen Flensburger erst durch Preussen gelernt hätten, sich satt zu essen. Daran ist kein Wort richtig. Flensburg und Schleswig-Holstein waren schon viele Jahrhunderte gut gestellt, ehe sie zu Preussen kamen. Wir woillen nicht alle Schuld an allen unseren Fehlern allein auf die Ost- und Westpreussen schieben, aber ebenso wenig dürfen wir glauben, dass alles Gute in Deutschland allein aus dem Osten gekommen ist.
    18       Auch in der Beurteilung der alliierten Soldaten und der Wohnungsbeschlagnahme für sie gehen Sie zu weit. Dass die Deutschen mit ihren Familien zusammen sein möchten, verstehen Sie, warum verstehen Sie das nicht bei den alliierten Soldaten, soweit sie älter sind und Familien haben und ohne die Deutschland verhungern und im Bürgerkriege untergehen würde? 
    19  Sehen Sie die Deutschen in Deutschland erkennen den Ansprucht der älteren alliierten Soldaten, ihre Familien nach Deutschland zu holen, an. Das einzige, was von deutscher Seite gefordert wird, ist eine planmässige, wohlüberlegte Wohnungsbeschaffung für sie und die Vermeidung überstürtzer, planloser Beschlagnahme. Sollen wir Deutsche im Ausland strammere Forderungen erheben als unsere Landsleute zu Hause, die die Verhältnisse viel besser übersehen können? 
    20        Sie haben sich schmerzlich getroffen gefühlt durch die unsinnigen übertriebenen Angriffe auf die West- und Ostpreussen. Nun müssen Sie auch lernen, die Gesichtspunkte der Flensburger zu verstehen, die gegen Ihre Meinung protestieren würden, dass alles Heil von Preussen gekommen ist. Und weiter müssen Sie verstehen lernen, dass die älteren alliierten Soldaten genau so Ansprucht auf Familienleben haben wie die Deutschen. Die grosse Aufgabe für uns Deutschen in der Zukunft ist, mehr Verständnis für die Gesichtspunkte anderer zu erwerben und die eigenen Gesichtspunkte nicht für die allein richtigen zu halten. Lernen wir das, kann Deutschland wieder glücklich werden. 
    Die Redaktion. 
    21  Die Aufgaben der Konsumvereine
    22       Absatsstockungen und Krisen lassen sich bei einer planvollen Güterproduktion und durch Verbrauchslenkung vermeiden. Ein Beispiel wie diese Probleme gemeistert werden können, haben in der Vergangenheit in England und in Deutschland die Konsumgenossenschaften geliefert. Aufgebaut auf dem Grunde der Selbsthilfe haben sie für ihre Mitglieder die Bedarfsdeckung organisiert, Beschaffung der Bedarfsgüter im Grossen durch Grosseinkauf und deren Abgabe im Kleinen an die Mitglieder zu Tagespreisen.
    23  Der Überschuss der gemeinsamen Wirtschaftsführung wurde in Form von Rückvergütung entsprechend dem getätigen Umsatz zurückerstattet. Ausserdem wirkten die Verbrauchergenossenschaften durch die gerechte Preisbemessung der Bedarfsgüter auch als Preisregulator in ihrem Absatzgebiet gegen unberechtigte Preiserhöhung. Mustergültige Lohn- u. Arbeitsbedingungen wurden mit den Vertretern der Arbeiterorganisationen vereinbart.
    24  Für Wasch- und Badegelegenheit, saubere  Arbeits- und angenehme Speise- u. Aufenthaltsräume, Kantinen mit Küchenbetrieb, 8stündige Arbeitszeit, bezahlter Urlaub und für soziale Fürsorge war Sorge getraten. 1300 Konsumgenossenschaften waren im Zentralverband deutscher Konsumvereine angeschlossen, die sich in der Grosseinkaufgesellschaft in Hamburg ihre Einkaufs- u. Produktionszentrale schufen. Auch die Grosseinkaufgesellschaft, kurz G. E. G. genannt, gewährte entsprechend dem Überschuss bei der Jahresrechning Rückvergütung auf den Warenumsatz an die einzelnen Konsumvereine. 
    25  Die Produktionsstätten waren in ihrer Zweckmässigkeit vorbildlich ausgestattet und steigerten die Arbeitsfreude u. Leistungsfähigkeit in den Betrieben. Die Konsumvereinsbewegung wurde von den Gesetzgebern durchaus nicht wohlwollend behandelt. Sie hat sich aus eigener Kraft aus den kleinsten Anfängen zu beachtlichen Leistungen in der deutschen Wirtschaft durchgekämpft. Der Krieg von 1939 bis 1945 hat nicht nur in Deutschland unvorstellbare Opfer an Gut und Blut gefordert, sondern auch die anderen europäischen Staaten, die am Krieg beteiligt waren, mussten furchbare Verlust hinnehmen.
    26  Die ganze Weltwirtschaft ist dadurch ärmer geworden und in Unordnung geraten. Nur planvolle Zusammenarbeit der Kulturvölker der Erde im Wiederaufbau und in der grundsätzlichen Neuordnung der Weltwirtschaft nach demokratischen Grundsätzen, in der jeder der guten Willens ist, mitzuarbeiten, auch Arbeit hat, und Hilfe sicher ist für die, die unverschuldet in Not und Elend geraten sind, kann der leidenden Menschheit das Leben wieder lebenswert machen. Raum für alle hat die Erde für die segenbringende Arbeit der Völker, wenn die Wirtschaft auf die Bedürfnisse der Menschheit abgestimmt und geregelt wird. Nicht Hass gegen die Reichen, sondern gleiches Recht für jedermann muss der Leitgedanke der Zukunst sein. 
    Johan Götz,
    Lager Knivholt, B. 45. II. 
    27 Wer kommt zuerst an die Reihe?
    28        Anliegend übersende ich Ihnen einen von mir verfasste Artikel mit der Bitte, ihn zu veröffentlichen, um auch in Ihren Bereiche, im Interesse unzähliger Frauen und Mütter, zu helfen, dass bei der Zusammenstellung neuer Transporte in die Heimat sinnvoller als bisher verfahren wird. Ich wäre Ihnen auch dankbar für Hinweise, welche Wege wir betroffenen Frauen noch beschreiten können, um endlich wieder eine Familiengemeinschaft herstellen zu können. 
    29       Meinen Ausführungen zugrunde gelegt habe ich mein eigenes Schicksal, das besonders hart erscheint.
    30       Mein Mann ist nun schon seit Jahresfrist als Leiter einer Dorfschule im Kreise Ploen-Holstein tätig, und befindet sich mit Dienstwohnung, Garten und eigenem Land auch in guter ernährungsmässiger Position. Er hat mir alle Unterlagen, -- die örtliche Zuzugsgenehmigung sogar bereits seit März 1946, -- einschiesslich englichem Stempel seiner zuständigen Militärbehörde hergeschickt und mir ausserdem mitgeteilt, dass ich auf einer Liste besonders dringender Fälle aufgeführt bin, die bereits in Kopenhagen läge, und die bei dem ersten Holsteintransport berücksichtigt werden solle. 
    31         Ich fahre dennoch nicht. Und wie mir, so ergeht es Tausenden von Frauen. 
        Wer hilft uns?
        Gez. Eva Sabrow, Oksböl -- Dänemark Bez. I U 9.
    32  Wieviel vermag ein Mensch zu leiden?
    33         Seit fast zwei Jahren warten wir Flüchtlinge nun schon auf unsere Rückführung nach Deutschland aus dänischen Internierungslagern und damit auf die Wiederherstellung zahlreicher Familiengemeinschaften, die durch die Kriegsereignisse gewaltsam zerstört wurden.
    34 Während dieses bisher immer nur einzelnen Personen gelang, die teils auf Grund ausreichener Wehrmachtspapiere, teils auch im Sonderfall durch direkte Anforderung von Angehörigen über bestimmte Militärstellen der Alliierten Behörden die Grenze überschreiten konnten, ist diese Rückführung nun seit dem 1. November 1946 auf breiterer Basis in Form von offiziellen Flüchtlingstransportn in die verschiedenen Aufnahmegebiete erfolgt. 
    35 Während man bei den ersten Transporten nach Niedersachsen mit einer gewissen Grosszügigkeit verfuhr, -- es genügte als Ausweis lediglich eine einfache Zuzugsgenehmigung vom Bürgermeister des Ortes, -- wurden die Bestimmungen von Mal zu Mal verschärft. 
    36 Für die 2. Gruppe der Transporte und zwar nach Nordrhein-Westfalen verlangte man schon zusätzlich zur örtlichen Zuzugsgenehmigung den Stempel der zuständigen britischen Militärbehörde
    37  Für die 3. Gruppe gar, also für diejenigen Flüchtlinge, deren Aufnahme-Gebiet Schleswig-Holstein ist, wurde die Brauchbarkeit der Zuzugsgenehmigung vom Ausstellungsdatum des Militärstempels, der bis zum 15. Oktober 1946 datiert sein musste, abhängig gemacht.
    38        Diese erneute Beschränkung zerschlug mit einem Schlage die berechtigten Hoffnungen vieler Flüctlinge, die sicn dem Ziele zo nahe glaubten. Sie bedeutet eine Härte, die in ihrer Auswirkung wieder unvorstellbares Leid hervorruft. Wieviele Tränen müssen noch fliessen, ehe die gequälten Herzen zahlreicher Frauen, Mütter und Kinder endlich zur Ruhe kommen?
    39       Das Mass des Erträglichen ist nun bald erreicht, und man fragt sich nur: Wieviel vermag ein Mensch überhaupt zu leiden? 
    40      Gewiss, viele von uns, besonders Mütter von Kleinkindern, segneten einst die Stunde, als wir verfolgt von den Furien des Krieges, bis ins Letzte erschöpft durch fast unvorstellbaren Strapazen, zuflucht, wenn auch gegen unseren Willen, im fremden Lande fanden. Wer von uns ahnte aber, dass sie einmal von so grosser Tragweite sein würde? Wir fügten uns in das Unabänderliche einer Internierung, wir versuchten es zu verstehen, wir vollten es mit Würde ertragen.
    41        Wir warteten. Warteten ein Jahr lang mit scherzlicher Sehnsucht: im Herzen auf ein Lebenszeichen unserer Lieben, die wir in ungewissen Schicksal in der Heimat zurückliessen, warteten fast ein weiteres Jahr immer zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit schwebend, dass wir eines Tages zu ihnen zurückkehren dürten. Eines Tages schien es dann so weit. Es fuhre die Ersten. Wir gaben ihnen Grüsse mit für unsere Lieben, wir liessen ihnen sagen: Wir kommen bald nach. 
    42  Wir wollten geduldig warten, wie wir es immer taten, bis auch an uns die Reihe war. Aber wir fuhren nicht! Denn: es fuhren Tanten zu Nichten, Nachbarn zu Nachbarinnen, Freundinnen zu Arbeitskameraden. Sie verliessen dieses Land, weil eine freundliche Hilfe ihnen die nötigen Papiere beschaffte. Sie kamen in Kälte, Hunger und Ungewissheit und kämpften verzagt um einen eigenen Lebensraum, um den anderen, schon Überbelasteten, nicht länger zur Last zu sein.
    43        Es blieben aber die Mütter, deren Kinder heute in Heimen oder an fremden Tischen barmherziger Menschen ihr karges Brot essen müssen, weil ein grausames Geschick sie einst auseinanderriss. Es blieben die Kinder, deren Eltern sich drüben in Sehnsucht um ihr Liebstes verzehren. Es blieben die unzähligen Frauen, deren Männe sich in Deutschland wieder in gesicherter Position befinden, ein neues Heim schufen, sich neben den beruflichen Verpflichtungen mit den Widrigkeiten einer ungewohnten schwierigen Haushaltführung verbissen herumschlagen müssen. 
    44       Sie scheuten keine Mühe, die vorgeschriebenen Unterlagen herbeizuschaffen, um Frauen und Kinder himzuholen. Es wurde für sie registriert, es wurde umregistriert, es wurden listen aufgestellt, es wurden Dringlichkeitsfälle herauskristallisiert.
    45       Aber gefahren sind dies Frauen und Kinder nicht. Sie stehen heute wieder am Anfang aller ihrer Hoffnungen und Wünsche und suchen nach Worten, die nicht trösten können.
    46       Und hüben wie drüben fragt man sich nun: Wo liegt hier noch ein Sinn? --
    Frau Sabrow. 
    47       Die Verhandlungen mit den Engländern haben ergeben, dass zunächst erst einmal 1200 Flüchtlinge in die englische Zone reisen dürfen. Weil man bei den ersten Transporte zu "grosszügig" war, muss man nu bei den letzten Transporte immer härter werden, um die vereinbarte Zahl nicht zu überschreiten. Jeder Flüchtling, der sich am Anfang auf die Listen gemuschelt hat, ohne voll berechtigt zu sein, hat natürlich einem Berechtigten den Platz weggenommen.
    48      Es is richtig, wie Frau Sabrow schreibt, ein Teil Frauen und Kinder mussten zunächst hier bleiben, obgleich der Mann mit Wohnung und fester Arbeit auf sie wartete. Gleichzeitig kommen Dutzende von Jammerbriege aus Deutschland von Leuten die auf blauen Dunst losgereist sind und nun nicht wissen, wie sie sich in dem fremden Deutschland ohne Hilfe zurechtfinden sollen.
    49        Ein Sinn liegt nicht darin. Es ist so, wie es immer war, der eine Deutsch muss auslöffeln, was der andere Deutsche ihm eingebrockt hat. Oft müssen beide leiden. Solange hemmungslose Selbstsucht unser Volk beherrscht und jeder nur an sich denkt, kann das nicht anders sein. 
    Die Redaktion. 
    50 Die Gepäckkontrolle in Kolding
    51         In den letzten Nummern der "Deutschen Nachrichten" wurde von den gefürchteten Gepäckkontrollen geschrieben, die in Kolding bei den heimreisenden Flüchtlingen vorgenommen werden. --
    52        Wie ich als Heimfahrer selbst gesehen habe, werden Waren (Geschirr, Seife) und Lebensmittel weggenommen. Ich sah einen ganzen Wagen voll Brote und einen Haufen Beutel mit etwa 1 Pfd. Haferflocken, Grütze oder dergl., die uns Durchreisenden abgenommen worden waren, abfahren und hörte, diese wertvollen Dinge würden nun den Pferden usw. verfüttert werden.
    53       Ja, ich weiss nicht, wie man solche Handlungsweise verteidigen kann. 
    54        Da gibt man zuerst den Flüchtlingen Lebensmittel in ausreichender, oft reichlicher Menge -- und wir Deutschen sind den Dänen allen sehr dankbar dafür -- und wenn nun wine sparsame Hausfrau sich ein Brot, etwas Wurst oder Seife abgespart hat, dann nimmt man es ihr wieder ab. 
    55  So sät man Hass und Wut, die bald in deutschen Zeitungen erscheinen werden. Und umgekehrt: wie dankbar denkt die deutsche Frau noch in Deutschland an die dän. Gastgeber, wenn sie die letzten Broscheiben und die letzten Gerstenflocken verspeist. Wie stolz und froh rühmt sie noch das letzte Stück Seife, das sie hat, drüben in Deutschland, woe Seife eine grosse Seltenheit ist. 
    56       Also, Ihr lieben dän. Gastgeber, lasst Euch von einem scheidenden und dankbaren Deutschen für seine Landsleute bitten: Nehmt bei Euren Gepäckkontrollen die paar ersparten und geschenkten Lebens-, Genuss- und Wirtschaftsmittel den Heimreisenden nicht weg! Der Segen und die guten Wünsche dieser Leute sind Euch gewiss!
    57        Und Du, "Deutsche Nachrichten", hilf mit durch Abdruck, dass unser Abschied von Dänemark mit frohem Gesicht vollzogen wird. 
    Grete Möller. 
    58       Unter dem 29. Januar ist folgende Anordnung getroffen: 
    59       Bei der Gepäckkontrolle sind den Flüchtlingen alle Esswaren abzunehmen und ausserdem Decken, Handtücher und Bettlaken, Uniformsstücke, d. h. Kittel für das Küchen- und Sanitätspersonal oder andere Kesselanzüge, Gummistiefel und endlich Essgeräte, Schüsseln und Becher, soweit sie dänischen Ursprungs sind.
    60        Vor dieser Anordnung wurde früher schon bestimmt, dass von den Flüchtlingen selbst gebastelte Dinge nicht zu beschlagnahmen sind. Frei von der Beschlagnahme sind auch Waren, die hier im Lande mit Genehmigung des Lagerleiters für Geld gekauft sind, das der Flüchtling aus dem Auslande zugesandt erhalten hat. Bedingung ist jedoch die schriftliche Bestätigung des Luftvärnschefs, dass der Einkauf auf diese Weise vor sich gegangen ist.
    Die Redaktion
    61       Die Pfadfinder-Jugend
        Ein Beitrag zur Diskussion
    62       Werte Redaktion!
           Als wir Oksböler Pfadfinder Ihren Aufruf "Wie stelle ich mir eine ideale deutsche Jugendbewegung vor?" lasen, stand es für uns fest, dass wir zu diesem Thema Stellung nehmen würden. Wir haben uns viele Abende darüber unterhalten und das, was ich jetzt versucht habe, in Worte zu fassen, sind die Gedanken aller Oksböler Pfadfinderleiter. Ich übersende Ihnen diese Worte mit der Bitte um baldige Veröffentlichung.
          Hochachtungsvoll
    Rudolf Neumann,
    Leiter der Oksböler Pfadfinder M 5-11.
    63        Wie stelle ich mir eine ideale deutsche Jugendbewegung vor? Im Februar 1946 kam der dänische Pfadfinderleiter Hans Iversen zu uns ins Flüchtlingslager und rief die Oksböler Pfadfinderschaft ins Leben. Die meisten von uns waren damals gerade so weit, dass sie die Unmöglichkeit des Nationalsozialismus erkannt hatten.
    64  Damit war eine Welt in uns zusammengebrochen, und es war nichts Neues dafür vorhanden. Ausserdem standen wir allem mit Misstrauen gegenüber. Das einzige, was uns damals zu den Pfadfindern zog, war der Drang, etwas anderes kennenzulernen.
    65       Das, was wir sahen, überraschte uns. Hans Iverssen erzählte uns von Dingen, über die wir uns vorher nicht klar gewesen sind. Wer von uns kannte zum Beispil den Unterschied zwischen Gehorsam und blindem Gehorchen? Oder zwischen Patriotismus und Nationalismus?
    66        Dann kam er zu den Idealen der Pfadfinder. Er erzählte uns vom Pfadfindergesetz, won der internationalen Zusammenarbeit und von den inneren Kämpfen, die ein Pfadfinder hat, wenn er im Lebenskampf nach seinen sich freiwillig auferlegten Gesetzen handeln will.
    67       Die Ideale der Pfadfinderschaft wurden also von aussen an uns herangetragen. Diese Ideale haben wir in uns aufgenommen und wollen ihnen auch in Deutschland nachstreben. -- Wir haben keine eigenen Ideen entwickelt, aber wir sind im Begriff, eine Idee zu gestalten. Das heisst, wir wollen sie in eine Form bringen, die dem entspricht, was wir heute in Deutschland brauchen.
    68      Bei jeder Jugendbewegung muss man zwei Dinge unterscheiden. Erstens ihre Ideale und zweitens den Weg, den man beschreitet, um zu ihnen zu gelangen. In unsere Zeit sind für eine deutsche Jugendbewegung beide gleich wichtig.
    69       Betrachten wir uns die Ideale der Pfadfinder näher. Es sind: Innere Anständigkeit, Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und internationale Zusammenarbeit. Also alles Punkte, die für einen deutschen Jungen besonders in dieser Zeit erstrebenswert sind. In dem seelischen und moralische Chaos der Nachkriegsjahre ist der Halt, den das Pfadfindergesetz den Jungen gibt, besonders wertvoll. Dieser wird durch die Kirche, der wir nicht ablehnend gegenüberstehen, verstärkt. Doch auch seine persönliche Stellung zur Kirche kann der Junge selbst festlegen.
    70         Weitaus schwieriger als die Ideale ist es für uns, den richtigen Weg dorthin zu finden. Uns erscheint dabei wichtig, dass die Pfadfinder sich zu keiner politischen Partei bekennen. Ein 10- oder 14-jähriger Junge kann noch nicht selbst entscheiden, ob er Kommunist, Sozialdemokrat oder christlicher Demokrat werden will. Er wird natürlich der Jugendorganisation beitreten, die zur Partei seines Vaters gehört. Damit haben wir aber einen Fehler, den wir vermeiden wollen, die Erziehung in der Richtung einer Partei.
    71       Wenn wir das sagen, so heisst es nicht, dass sich ein Pfadfinder nicht um Politik kümmern soll. Im Gegenteil, er soll mit seinen Kameraden darüber sprechen und sich eine eigene Meinung bilden, er soll aber nicht dabei beeinflusst werden.
    72       Das ist einer der Grundsätze, den die Pfadfinder aller Länder haben. Anders ist es dagegen mit der Gestaltung der Zusammentreffen. Kein Junge wird volle Befriedigung empfinden, wenn er nur ein oder zwei Mal in der Woche mit Freunden zusammenkommt, um mit ihnen zu debattieren. Ein Junge will etwas erleben und will auch selbst handeln. Er ist stolz, wenn er eine Ergebnis seiner Arbeit sieht. Andererseits wird sich kein Junge über 14 Jahre wohl fühlen, wenn er immer nur rumtollt oder praktische Arbeit leistet. Es gilt also alle Elemente zu vereinigen, denn es soll jedem Jungen Freude bereiten, an der Arbeit teilzunehmen.
    73        Eine andere Frage ist der Aufbau der Bewegung. Bei und ist das wichtigste dabei das Patrouillensystem. Eine Patrouille wird von 5-10 Jungen gebildet, die sich zu einer Gemeinschaft zusammenfinden. Der, den sie für den Besten unter sich halten, wird ihr Leiter. Das heisst, sie wählen ihn. Er hat darüber zu wachen, dass alles, was sie gemeinsam beschliessen, ausgeführt wird. 
    74 3-5 dieser Patrouillen sind locker in einem Trupp zusammengefasst. Sein Anführer ist von den Jungen gewählt und von den Eltern anerkannt. Ferner muss er eine Eignungsprüfung bestanden haben. Der Truppleiter hat die Aufgabe, den Jungen in allen Dingen zu helfen. Er muss besonders auf die Ideale hinarbeiten, während in der Patrouille die praktische Arbeit im Vordergrund steht. 
    75        In jeder Arbeitsgruppe ist die Arbeit verschieden. Die Wölfe im Alter von 8-12 Jahren arbeiten nicht, sondern spielen miteinander. Im Spiel lernen sie alles, was sie auf die Pfadfinderzeit vorbereitet. Sie werden dabri von Mädchen, den Wolfsleiterinnen, angeführt. Die zweite Klasse sind die Pfadfinder im Alter von 12-18 Jahren. Ihre Arbeit habe ich besonders geschildert. Die Jungen über 16 Jahre sind in besonderen Patrouillen zusammengefasst, weil sie andere Interessen als die Jüngeren haben. 
    76        Die Benennungen der einzelnen Gruppen sid gleichgültig. Wir haben die Bezeichnungen aus der dänischen Pfadfinderarbeit übernommen, da es bei uns nichs gibt, was nicht beim Nationalsozialismus gebraucht wurde. Etwas, das wir nicht übernehmen wollen, ist die Uniform. 
    77 Wir wollen an deren Stelle eine Tracht einführen, denn das, was wir sind, wollen wir auch nach aussen zeigen. Der Leiter der Jungen soll nicht an Rangabzeichen, sondern an seiner aufrechten, anständigen Haltung zu erkennen sein. Die Jungen sollen nicht sein Rangabzeichen, sondern den Menschen achten. 
    78         Damit wäre in grossen Zügen das Wichtigste umrissen. Diejenigen, die uns kritisieren, kennen meist weder uns noch unsere Arbeit. Ihnen sagen wir, dass gerade am Anfang sehr viele Fehler gemacht wurden, inzwischen haben wir aber 1 Jahr gearbeitet. 
    79 In diesem Jahr haben wir uns die Achtung dänischer Kameraden erworben und sind das geworden, was ich beschrieben habe: Deutsche Pfadfinder.