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Deutsche Nachrichten 1947 Nr 15

 vom 21. April 1947

Deutsche Nachrichten 1947 nr 15

 fra 21. april 1947.

 
  • Die Selbsterziehung des deutschen Volkes af Johannes Urbanski, Oksbøl, Kohlenhof. #1.
  • Gegen die ewigen Nörgler af Frau Irmgard Brausewetter, Aalborg-Øst.#13.
  • Jugendbewegung in den Lagern af Heinz Loll, Lager Thistedvejen og Bruno Czinczoll, Lager Nørresundby, Aalborg. #24.
  • Also wieder Autarkie af  Helga Kaae, Kopenhagen. #32.

  • Verlorengegangene Koffer af Margarete Urban, Flüchtlingslager Rom #53
  • Det tyske folks selvopdragelse
  • Imod de evige kværulanter
  • Ungdomsbevægelse i lejrene
  • Altså, igen autarki

  • Kuffert forsvunden. 
     1 Die Selbsterziehung  des deutschen Volkes
          Bei der angestrebten Selbsterziehung des deutschen Volkes ist eine grundlegende Änderung unserer Weltanschauung Vorbedingung. Dieses ist für die junge Generation eine selbsterhaltende Notwendigkeit, es führt die alte Generation zur Erkenntnis der bewusst und unbewusst begangenen Fehler unter Auswertung ihrer Erfahrungen.
    3  Hierbei kann uns das Ausland wenig helfen, da anderen Nationen die deutsche Lebens- und Wesensart ebenso wenig bekannt sein dürfte, wie wir dieses von uns anderen Ländern gegenüber behaupten können.
    4          Überall erschallte bei uns der Ruf nach der Gerechtigktig. Gerechtigkeit ist keine primäre Angelegenheit, sondern nur das Produkt der Ordnung. Was sollen wir aber unter dem Begriff Ordnung verstehen? Kurz gesagt folgendes: Unterordnung der eigenen Person unter die bestehenden Gesetze der Menschlichkeit, der Gemeinschaftsgeistes und der Redlichkeit in Wort und Tat, gestützt auf eine von uns selbstgewählte Führung. 
    5  Wenn wie uns immer auf die Fehler anderer Länder berufen, werden wir die erstrebte Ordnung im eigenen Lande nicht erreichen, weil wie vieles als Fehler anderer zu sehen glauben, ohne aber die näheren Verhältnisse richtig beurteilen zu können. 
    6         Glauben wir nur nicht, wir Deutschen müssen allein leiden, nein alle Nationen ohne Ausnahne müssen unter der internationalen Auswirkung des leider von uns angezettelten Krieges leiden und sorgen. Besonders die Nationen, welche mit uns sympathisierten. Wir lebten früher in der Meinung, dass nur das deutsche Volk die hervorragendsten Politiker, die unbesiegbare Wehrmacht, die befähigsten Gelehrten besass. 
    7  Das "Deutschland über alles" war zu stoltz, andere Länder und die Politiker anderer Länder zu hören und internationale Grundsätze anzuerkennen, besonders nach 1933. Man kann dieses behaupten, ohne unseren grossen Gelehrten und Erfindern Abbruch zu tun. Wenn wir daher einer Regierung oder Staatsform Vertrauen schenken sollen, dann müssen die Gesetze und die Ordnung nicht auf überschwänglichen Phrasen, wie "Wir müssen noch viel fanatischer werden", sprich: "unbelehrbarer", ruhen, sondern einen realen und wahrheitsgetreuen Unterbau haben. 
    8  Es gibt eben keinen grösseren Fehler, als wein ein 68 Millionen Volk aus Selbstüberschätzung auf internationale Beziehungen verzichtet, weil es hier nicht tonangebend war. Das Weiterbestehen einer Weltwirtschaft ist nur auf internationaler Basis gesichert. Die Weltproduktion hat infolge ihrer wissenschaftlichen und technischen Fortschritte ihre Erträge derartig gesteigert, dass auch bei Missernten und Naturkatastrophen allen ein durchaus ausreichender Lebensstandard gesichert ist, wenn alle Erzeuger und Verbraucher ihre Produkte preiswert umsetzen bzw. erwerben können. 
    9      Noch günstiger gestaltet sich die Lage, wenn man statt Kanonen Gebrauchsgüter fabriziert. Dieses wird nach den letzten Nachrichten von den grossen Nationen angestrebt. 
    10        Ich betone nochmals, dass die Kenntnisse über die internationale Wirtschaft und Politik unumgänglich zur Selbsterziehung des deutschen Volkes notwendig sind. Aber was nützt die Erkenntnis, wenn wir nicht Selbstvertrauen besitzen. Weisen wir alles, was in uns ein Minderwertigkeitsgefühl auslösen könnte, ruhig und überlegen zurück. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. 
    11        Es ist niemand zu jung und niemand zu alt, mitzuarbeiten, wenn das grosse Werk der Selbsterziehung gelingen soll.
    12       Ich wende mich besonders an meine Berufskollegen, die Lehrmeister im Handwerk und die Lehrkräfte an Berufsschulen, am Wiederaufbau durch Aufklärung in diesem Sinne mitzuwirken. 
    Johannes Urbanski, Oksbøl, Kohlenhof. 
    13 Gegen die ewigen Nörgler Imod de evige kværulanter
    14        In den Deutschen Nachrichten veröffentlichten Sie am 20. 1. 47 in Nr. 3 einen kurzen Artikel von mir, betitelt: "Zwei glückliche Menschen". (47-03#27) Dieser Artikel spricht gute Weihnachtswünsche und einen kleinen Dank an Dänemark aus. Ach, dazu möchte ich Ihnen sagen, dass ich von verschiedenen Menschen hier darüber bespöttelt werde und von wenig guten erfahren muss, wie abfällig solche Menschen über mich urteilen.          I Deutsche Nachrichten offentliggjorde De den 20. 1. 47 i nr 3 en kort artikel af mig, med titlen: "To lykkelige mennesker". Denne artikel udtaler gode juleønsker og en lille tak til Danmark. Ak, dertil vil jeg gerne sige Dem, at jeg fra forskellige mennesker her er blevet spottet for det og fra nogle få gode mennesker har måttet erfare, hvor nedsættende den slags mennesker bedømmer mig. 
    15 Diese, ich möchte fast sagen, blöden Menschen verstehen nicht, wie ich es meine. Das sind die Menschen, die sich hier als schrecklich gequält fühlen, sich am Stacheldraht blind sehen, über alles meckern, nur jedes bisschen beklatschen und so mit hässlichen Gedanken dem lieben Herrgot den Tag wegstehlen. Diese Menschen haben auch durchblicken lassen, dass ich zu faul bin, in Deutschland zu arbeiten.  Disse, jeg kunne næsten sige, tåbelige mennesker forstår ikke, hvad jeg mener. Det er de mennesker, der føler sig frygtelig i pine her, ser sig blind på pigtråden, brokker sig over alting, bagtaler hver eneste detalje og således stjæler dagen fra den gode Gud med hæslige tanker. Disse mennesker har også antydet, at jeg er for doven til at ville arbejde i Tyskland. 
    16 Gegen solche sinnlosen Behauptungen gehe ich an und ich bitte Sie, durch Ihre Zeitung diesen unverständigen Menschen Klarheit zu geben.  Jeg går nu op imod den slags meningsløse påstande og jeg beder Dem om gennem Deres avis at give disse uforstandige mennesker klar besked. 
    17      Ich selbst bin erst mit meinem Kind am 8. IV. 45 aus Königsberg geflüchtet, am 9. IV. 45 wurde Königsberg übergeben und am 10. IV. 45 geriet mein Mann dort in russische Gefangenschaft, wie ich erst kürzlich von meinem Mann erfuhr. Jeder Königsberger, der bis zu diesem Zeitpunkt dort war, weiss was das heisst, bis zum Schluss fast in der Festung zu leben. Aus diesem Wirr kam ich am 15. IV. 45 hier in Kopenhagen an.           Jeg selv flygtede først med mit barn den 8-4 45 fra Königsberg, den 9-4 45 blev Königsberg overgivet og den 10-4 45 kom min mand dèr i russisk fangenskab, hvilket jeg først for kort tid siden erfarede fra min mand. Enhver königsberger, der var der indtil dette tidspunkt, véd, hvad det vil sige at leve næsten til afslutningen i fæstningen. Ud af dette virvar ankom jeg den 15-4 45 her til København. 
    18 Mir erscheint es heute noch unglaubhaft, dass ich hier noch gelandet bin aus allem schrecklichen Kugelregen. Für dieses gütige Geschick bin ich sehr dankbar. Dass ich hier körperliche und seeliche Ruhe fand, verdanke ich auch diesem Lande Dänemark. Auf eine Internierung war ich vorbereitet, weil mein Mann mir stets sagte: Dieser Krieg ist von uns vom Zaun gebrochen, wir selbst werden erleben, was da kommen muss. -- Stadig idag synes det mig utroligt, at jeg er landet her ud af den skrækkelige kugleregn. Jeg er meget taknemlig for denne nådige skæbne. At jeg her fandt legemlig og sjælelig ro, har jeg også dette land, Danmark, at takke for. Jeg var forberedt på en internering, fordi min mand altid sagde: Denne krig er gået over gevind for os, vi kommer selv til at opleve, hvad der kommer ud af det. -- 
    19       Dieses Land mit seinen 4 Millionen Einwohnern konnte uns viele Eindringlinge nicht frei herumlaufen lassen. Der Stacheldraht dient aber nicht allein hierzu, er ist auch unser Schutz. Hinter dem Draht laufen Posten, also wir werden bewacht. Für rücksichtslose, brutale Menschen ist der Zaun ein Hemmnis, für verständnisvolle Menschen ein Muss.         Dette land med sine 4 millioner indbyggere kunne ikke lade os mange indtrængende løbe frit omkring. Men pigtråden tjener ikke alene hertil, den er også vor beskyttelse. Bagved hegnet løber der vagtposter, vi bliver altså bevogtet. For hensynsløse, brutale mennesker er hegnet en hemsko, for forstandige mennesker et 'must'. 
    20 Darum sah ich den Zaun nie, ich gucke in die herrliche Natur und frohe Hoffnungsgedanken stimmen mich glücklich. Ich denke besonders hier an Frauen mit Kindern. Oft haben sich diese Mütter und Kinder hier erholt. In dieser Zeit haben verschiedene auch ihre Männer und Väter gefunden. Wieviele haben aber noch keinen gefunden, da ist es doch gut, dass sie noch hierbleiben dürfen.  Derfor ser jeg aldrig hegnet, jeg kikker ud i den herlige natur og glade forhåbningstanker giver mig en lykkelig stemning. Jeg tænker her især på kvinder med børn. Ofte er disse mødre og deres børn kommet sig her. I denne tid mar forskellige mennesker også fundet deres mænd og fædre. Men hvormange der end er, der ikke har fundet dem, det er dog godt, at de stadig må blive her.
    21  Nach der Kapitulation sind wir hier vielem Leid entgangen und aus manchen Gegenden Deutschlands hört man noch von unsagbarem Leid. Ich selbst fand, wie ich schon erwähnte, kürzlich meinen Mann, der mit 5 Männern sich ein Zimmer teilt und schläft mit Kleidern auf Stroh, ½ Jahr war er in Gefangenschaft und er hat schwere Ruhr durchgemacht. Jetzt isst er seine kärglichen Mahlzeiten und muss sich alles selbst bereiten und doch schreibt er mir, wenn es geht, bleibe bis März oder April noch da.  Efter kapitulationen har vi her gennemgået mange lidelser og fra mange egne af Tyskland hører man endnu om usigelige lidelser. Jeg selv fandt for kort tid siden, som jeg allerede har nævnt, min mand, som deler værelse med 5 mænd og sover med tøjet på på strå, i et halvt år var han i fangenskab, og han har været igennem svær dysenteri. Nu spiser han sine karrige måltider og må selv tillave det hele og alligevel skriver han til mig, at hvis det går an, så skal jeg blive til marts eller april. 
    22  Auch er ist dankbar, weil er weiss, unser Kind und ich sind geborgen. So sprechen wir und so danke ich dem Lande Dänemark zeitlebens. Jawohl, die ewigen Nörgler sollen es durch unsere Zeitung erfahren.  Også han er taknemlig, fordi han véd, at vort barn og jeg er i god behold. Sådan siger vi og sådan takker jeg landet Danmark hele min levetid. Javel, de evige kværulanter skal erfare det gennem vores avis.
    23       Meinen besten Dank für die Veröffentlichung dieses Briefes und freundliche Grüsse sendet
    Frau Irmgard Brausewetter, 
    Aalborg-Øst. (Reaktion: 47-24#45)
            Min bedste tak for offentliggørelse af dette brev og venlige hilsener sender
    fru Irmgard Brausewetter
    Aalborg-Øst.
    24  Jugendbewegung in den Lagern
    25      Was sollen wir hier in Dänemark tun? Wenn man Erwachsene, die von Lager zu Lager verleget werden, hört, ist es fast in allen Lagern mit der Jugendbewegung nicht weit her. Dieses müssen wir leider auch feststellen. Es wäre wünschenswert, dass unsere Altersgenossen beiderlei Geschlechts die Zeit in den Lagern besser nützten, indem sie sich organisatorisch in Jugendgruppen freiwillig zusammenfinden, um sich zu zerstreuen, zu bilden und soweit wie möglich auf die Aufgaben, die ihrer in der Heimat warte, einzustellen. Die Erwachsenen würden gerne mit fortgeschrittenen Kräften aushelfen. 
    26       In unserem alten Lager "Fraer pr. Skørping" erwachte das Verlangen, etwas näheres über Demokratie von einem Erwachsenen, der wirklich antinazistisch eingestellt war, zu hören. Da es im Lager meistens an solchen Kräften mangelt, findet sich auch in den meisten Lagern keine demokratische Aufklärung für die Jugend. Grosses Interesse dagegen zeigte in unserem Lager hierfür ein Antinazist, der durch einen Aufruf unsere Jugendbewegung ins Leben rief. Bei dem Aufruf wurde uns der Unterschied zwischen Zwang und freier Jugendbewegung klar gemacht. Dieses allein weckte bei uns schon weiteres Interesse, denn vorher wurde uns alles für Pflicht erklärt. 
    27        Hierauf folgte die Gründung einer Jugendgruppe. Es wurden Jugendgruppenabende eingerichtet, woe wor gemütlich zusammenkamen und über dieses und jenes plauderten. Weitere Abwechslung schafften wir uns durch Gesellschaftsspiele, lustige Erzählungen und Tanz mit der weiblichen Jugendgruppe. Nachdem alles gut in Gang gekommen war, wählten wir aus unserem Kreise eine Jugendleitung. Diese bestand aus einem Vertrauensmannn und 2 Gruppenleitern. 
    28  Der Vertrauensmann hatte die Vertretung der männlichen Jugendlichen gegenüber der Lagerleitung. Die Gruppenleiter unterstützen den gewählten Vertrauensmann und sorgten gleichzeitig für die Bessergestaltung der Jugend-Gruppenabende. Diese Jugendvereinigung bestand rund ½ Jahr. Kurz vor der Auflösung des Lagers gab die Jugendgruppe einen Abschiedsabend, an dem sich die gewählten Kameraden verabschiedeten. 
    29  Es wurde kurz der Aufbau und die Arbeit der Jugendleitung geschildert und auf die Schwierigkeiten, die die deutsche Lagerverwaltung uns in den Weg gelegt hatte, hingewiesen. Nach dem Schlussliede wurde anschliessend von beiden Jugendtruppen -- männlicher und weiblicher -- zwei Stunden getanzt. 
    30       In diesem Sinne wünschen wir auch die Jugendlichen in den andern Lagern zusammenzufassen. Wir möchten, dass sich alle Jugendlichen in allen Lagern Dänemarks eine solche Jugendvereinigung schaffen. Wir werden unsere Kraft und unser uns schon angeeignetes Wissen gerne auch im neuen Lager zur Verfügung stellen und in dieser Richtung tätig sein, und bitten um die Mithilfe unserer Lagerbetreuer. 
    31  Unseren Altersgenossen rufen wir zu: Helft mit bei diesem für uns grossen Werk, indem Ihr uns unterstützt in unserem Wirken, freie Jugendgruppen in den Lagern ins Leben zu rufen, soweit solche nicht vorhanden sind. -- Viele Grüsse senden wir an unsere Kameraden der Jugendgruppe "Fraeer", die jetzt in vielen Lagern Dänemarks verstreut wohnen. 
    Heinz Loll,
    Lager Thistedvejen. 
    Bruno Czinczoll,
    Lager Nørresundby, Aalborg.
    32 Also wieder Autarkie
    33 Ein Antwort auf den Artikel Herm. Friedrich Schulz "Krieg dem Kriege Heimatgenüge." (14/1947#28 svar: 20/1947#37)
    34         Sie schreiben über Heimatpflege, Heimatwirtschaft, Heimatnatur und so weiter und scheinen dabei gänzlich zu vergessen, dass Deutschland auf einen gesunden Austausch, d. h. Im- und Export angewiesen ist und vor allem gerade heute, wo alles, was aus dem Ausland eingeführt werden muss, mit Waren aus den Inland, besonders mit Kohlen bezahlt wird. 
    35         So, der "Welthandel ist wissenschaftlich als verderbenbringend erkannt", wo steht das? Wie soll sich denn überhaupt Ihrer Meinung nach ein positiver Austausch unter den Völkern vollziehen? Ein solcher fängt ja meines Erachtens beim Güteraustausch an und steigt über wissenschaftliche und kulturelle Belange in rein geistige und politische Gebiete vor. 
    36 Wenn es nach Ihnen ginge, so müsste sich Deutschland hübsch und bescheiden in seinen kleinen übriggebliebenen Schrebergarten setzen, seinen Kohl und seine Rüben pflanzen, "naturgemäss" leben und im übrigen der "Welt" den Rücken wenden. Das ist meines Erachtens nicht der ganz richtigen Weg. Ich bin absolut dagegen, dass Deutschland sich auf Grund seiner Kohlen- und Stahlproduktion wieder militaristisch rüstet, aber wenn, wie ja auch von seiten der Alliierten angestrebt wird, Deutschland wieder ein gleichgestelltes und gleichgeachtetes Mitglied der europäischen Völker werden soll, muss es auch ein gleichgestellter und gleichgeachteter Geschäftspartner sein. 
    37 Denken Sie doch nur an den Überfluss an Waren in den südamerikanischen Staaten und Kanada. Europa und vor allem Deutschland waren vor der Hitlerzeit grosse Abnehmer von Korn und Wolle von dort. Wie sollen sich diese Völker auf die von Ihnen so sehr geschätzte "Heimatwirtschaft" einstellen, wenn die klimatischen und wirtschaftlichen Bedingungen sie zum Verbrennen ihres Überflusses zwingen, während an anderen Stellen der Welt die Menschen verhungern. 
    38  Es wäre zu erwägen, ob nicht der gesamte Im- und Exporthandel der Welt von den Staaten geregelt und überwacht werden muss, damit die gesamte Preispolitik, die Konkurrenz, das Risiko, kurz die Weltwirtschaft auf einer vernünftigen Basis operiert. Eine reine Heimatwirtschaft würde ein Abkapseln der Völker verursachen, das unter Umständen gefährlich werden und zu einer Entfremdung führen könnte, die die Brücken zwischen den Menschen verschiedener Völker wieder abbrechen würde, die wir in der Zukunft so notwendig brauchen und gerade wir Deutschen. 
    39  Dabei wird ohne weiteres zugegeben, dass Boden- und Naturpflege in Deutschland gefördert werden muss, allein schon darum, weil unsere Importschulden nicht zu gross werden dürfen, da wir zur Zeit und wahrscheinlich noch in weite Zukunft hinein, nicht ausreichend lieferfähig sind. 
    40  Aber eine politische und wirtschaftliche Abkapselung ist m. E. aus obigen Grunden gefährlich. Deutschland ist nicht ein Land wie Russland, das autarkisch leben kann. Es fehlen Deutschland wesentliche Rohstoffe, jetzt auch wichtige Fabriken. Aber auch Russland steht mit den andern Völkern in wirtschaftlichem Austausch. 
    41        Die rein wirtschaftlichen Beziehungen der europäischen und überseeischen Völker können sich absolut fruchtbringend und positiv gestalten, wenn eine staatliche Kontrolle die "wilde" Preispolitik und Preisgestaltung von Seiten der einzelnen Interessenten verhindert. 
    Helga Kaae, 
    Kopenhagen. 
    42   Frieden
    Grove, 12. 3. 47
    43        In Kürze tritt die Fridenskonferenz zusammen, um über den Frieden mit Deutschland zu beraten. Vielleicht hat sie schon begonnen, wenn diese Zeilen im Druck erscheinen. 
    44       Dass wir die Schuld am Kriege haben, steht fest, zugegeben! Und dass wir wieder gutmachen müssen, ist auch klar. Man soll aber nicht wieder in die Fehler von Versailles zurückfallen, dessen Auswirkung das Volk in die Arme der N.S.D.A.P. warf. Wir wollen auch nicht von einem Frieden der Gerechtigkeit reden. Sondern wir wollen von einem Frieden der Vernunft reden. 
    45 Auf das Wort "Vernunft" kommt es an. Ich möchte jedem Teilnehmer der Konferenz zurufen: Lasst die Vernunft walten! Fort mit Hassgefühlen, fort mit vielleicht berechtigtem Zorn. Nummer 1 sei "Vernunft" und nochmals "Vernunft". So wie es bis jetzt gehalten wurde, so geht es nicht, z. B. mit den Grenzen geht es auf keinen Fall. Vernunft nicht um unsertwillen, nein um der ganzen Welt willen. 
    46  Wir sind nun einmal das Herz Europas, und wenn dieses Herz still steht, leidet ganz Europa darunter und zwangsläufig auch die ganze Welt. Abgesehen davon, dass, ob man will oder nicht, eine Art von Irredenta gezüchtet wird. Unruhen und Unfrieden wären Trumpf, wenn ein Vernunftfrieden zu Grabe getragen würde. 
    47       Zeige man doch dem deutschen Volke, dass man nach der gesunden Vernunft handeln kann. Eines wäre dann gewiss. Die Welt würde erstaunen, wie ruhig, friedlich und auch dankbar das deutsche Volk sein kann. 
    48      Aus einem Kinde, welches man zu sehr züchtigt, wird nie etwas gescheites, es wird verstockt und bockbeinig. Würde man dies bei einem ganzen Volk anwenden, dann würde ebenfalls niemals etwas gutes dabei herauskommen. Wir appellieren deshalb an die Klugheit und den Scharf- und Weitblick der Konferenz und hoffen, dass schliesslich doch die Vernunft siegen wird zum Wohle aller Völker. 
    49        Ein Vernunftfrieden mit einem deutsch-demokratischen Einheitsstaat, welcher der Garant dafür ist, dass die Verpflichtungen, die in dem Frieden dem deutschen Volke auferlegt werden, gehalten und treu befolgt werden. 
    K. Goth,
    Grove b. Karup. 
    50       Es wäre ein Glück für Deutschland, wenn es gelänge, den Versailler Friedensvertrag wieder herzustellen. Leider ist damit nicht zu rechnen. Der Frieden wird diesmal viel schwerer werden. 
    51        Die Gefahr einer Irredenta liegt nicht vor. Polen weist alle Deutschen aus seinem Verwaltungsgebiet aus. Bei Friedenschluss wird es ausserhalb der deutschen Grenzen keine Deutschen geben, die eine Irredenta bilden könnten. An die friedliche Gesinnung und Dankbarkeit des deutschen Volkes glaubt man im Ausland nicht. Worte und Taten der Deutschen sprechen nach Auffassung der Welt dagegen. 
    52        Mit einem zentralistischen Einheitsstaat ist nicht zu rechnen, Deutschland wird ein demokratischer dezentralisierter föderalistischer Bundesstaat werden. 
    Die Redaktion. 
    53 Verlorengegangene Koffer
    54        In der Nr. 1 der "Deutschen Nachrichten" lese ich in dem Abschnitt: "Der Flüchtling und das Durchgangslager" folgendes: 
    55        "Nach Aussagen aller Beteiligten wird das Gepäck auf dem ganzen Wege bis in das deutsche Lager ordentlich verladen und bewacht. Bisher wurde kein Verlust bekannt."
    56        Meine Schwester wurde am. 14. 1. 47 über das Durchgangslager Kolding nach Deutschland Biberach, französische Zone geleitet. Bei der dortigen Gepäckausgabe fehlten ihre 2 Koffer, die sie bis heute noch nicht erhalten hat. So sine ihre und noch 30 Gepäckstücke anderer Leute wohl verloren gegangen, muss man doch annehmen. Wo sind die Gepäckstücke abgeblieben?
    57         Man darf nur ein Gepäckstück als Handgepäck bei sich haben, kann man da ohne Sorge nach Deutschland fahren, wenn derartiges vorkommt? So geht manchem Flüchtling noch das Letzte verloren, das er gerettet hat. Kann man da mit einem frohen Gefühl nach Deutschland fahren, frage ich die "Deutschen Nachrichten". 
    Margarete Urban, Flüchtlingslager Rom. 
    58       Im tiefsten Frieden, bei vollständig regelmässigem Eisenbahnverkehr verschwinden in Deutschland jährlich Tausenden von Koffern, teils sind sie schlecht verpackt, teils ist die Adresse falsch oder unzureichend, teils werden die Koffer gestohlen. Das ist unangenehm für den, den es trifft, aber unvermeidlich bei den Millionen und Abermillionen Koffern und Paketen. 
    59        Viel schwieriger sind die Verhältnisse jetzt, wo alles drunter und drüber geht. Aus eigener Kenntnis der Dinge wissen wir, dass die Behörden sowhol in Dänemark wie in Deutschland alles erdenkliche tun, um den Transport des Gepäckes zu sichern. 
    60        Wenn trotzdem hier und da Koffer verschweinden, ist das tief traurig, aber nicht zu ändern.
             Verlustmeldungen sind in Dänemark an die Lagerleiter, in Deutschland an die Eisenbahndirektionen zu richten. Im übrigen wünschen wir allen Landsleuten eine freudige Stimmung für die Rückreise, selbst wenn der eine oder andere Koffer dabei draufgehen kann. 
    Die Redaktion. 
    61       D
    62        A
    63        Z
    64      A
    65       I
    66 Ü
    67       "
    68 D
    69 D
    70 W
    71       D
    72 W
    73 D