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Deutsche Nachrichten 1947 Nr 32

 vom 18. August 1947

Deutsche Nachrichten 1947 nr 32

 fra 18. august 1947.

 
 
  •  Nie wieder Krieg -- Tod der Not im Müssiggang af Karl Paetsch, Aalborg Vestre Alle: #1.
  • Das Flüchtlingslager af J. Martern, Grove pr. Karup II-209. #18.
  • Redaktion und Leser af redaktionen: #31.
  • Lärmgötzen af Hermann Friedrich Schulz, Aalborg Ost III, Altersheim. #39.
  • Wie immer die Würfel fallen af Leonhard Wermuth. #50.

  • Schutz gegen Typhus af Johs. Webersberger, Grove pr. Karup. #68.
     1 Nie wieder Krieg -- Tod der Not im Müssiggang
              Liebe Landsleute!
         Wir ohne Vaterhaus und Heimat, ohne Hab und Gut, ohne Jugend und Familienglück, ohne Lebensexistenz, haben uns nach all dem, was im Laufe einre Generation an der Menschheit geschehen ist, unendlich viel zu sagen und wir müssen den Weg finden, der uns zu einem gerechten, menschenwürdigen Dasein führt, zu einem Dasein, wo sich solche Verbrechen an der Menschheit nicht wiederholen.
    3  Die Worte: Nie wieder Krieg, Tod der Not und dem Müssiggang müssen der Lebensinhalt unseres Lebens werden. 
    4        Wir dürfen uns nicht weiter an wohlklingenden, toten, leeren, hohlen Worten berauschen, welche so oft gebraucht werden, um verbrecherische Taten an der Menschheit zu verbergen. Wir müssen leider feststellen, dass grausame Verbrechen an der Menschheit im Namen der Wahrheit, Gerechtigkeit, Freiheit, Christentum, Kultur und Zivilisation geschehen sind. 
    5  Bis zum heutigen Tage haben Gewalt, Habgier und Herrschsucht den Sieg über das Recht und die Menschenwürde davongetragen. Gewalt und Habgier haben triumphiert und das Recht und die Menschenwürde schmachten an der Kette, zur Schande von Gerechtigkeit und Kultur. 
    6  Wir als kleine Söhne aus den Volke müssen dafür eintreten, dass das Recht und die Menschenwürde von der Kette befreit werden, damit der Weg frei wird für die Sehnsucht der Menschheit seit Tausenden von Jahren für die wahre Freiheit und Kultur, durch welche die Menschheit zu grossen Höhen sich erheben kann.
    7         Es ist eine grosse Schande für Gerechtigkeit und Zivilisation, dass man Tierschutzvereine gegen Tierquälerei gründet, dass sich aber gegen die grausame Menschenquälerei und Menschenschlächterei kein Herz gerührt und empört hat. Trotz Singens und Betens und Volksbilding, trotz philosophischer Grübelei und poetischer Empfindelei har man bis zm heutigen Tag der Verlogenheit einen Glorienschein mit Blut und Tränen gewebt. 
    8  Sehen wir uns doch die Taten der Könige und ihrer nachfolger näher an, sie gleichen meistens fürchterlichen Rasereien.
    9        Wenn wir die Erde verwüsten, die Güter und Schätze, welche die Menschheit zu ihrem Lebensunterhalt benötigt, zerstören, viele Millionen Menschen morden, welche produktiv für den Lebensunterhalt geschafft haben, dann ist die Folge Hunger, Not und ein kümmerliches elendiges Dasein. 
    10  Die alten, leeren, hohlen Worte der Vergangenheit, der Nächstenliebe und Gerechtigkeit ändern nichts an Hunger und Not, wenn keine Taten folgen. Wir müssen aber den Mut haben, über die Ursachen nachzudenken, durch welche wir in diese Lage geraten sind. Leider bringen die meisten den nicht auf. Sie berauschen sich lieber an Selbstbetrug und Täuschung wie bisher. 
    11          Habt nur den Mut, liebe Flüchtlingsgefährten, über die vielen Millionen getöteter und gemordeter Menschen nachzudenken, die irgendwo der Auflösung entgegen gehen. Fragt Euch warum, wozu. Habt nur den Mut, über all das vernichtete Jugend, und Lebensglück nachzudenken, über all das Leid, den Kummer, die Sehnsucht der vielen Millionen Menschen, welche aus dem Vaterhaus und der Heimat verschleppt und vertrieben wurden und jetzt ohne Lebensexistenz dastehen. 
    12            Wollen wir die Menschen ändern, so müssen wir die wirtschaftlichen Verhältnisse ändern. Ändern wir die Verhältnisse, so ändert sich der Mensch. Notwendig ist, dass die Güter und Schätze der Nation, welvhe die Menschheit zu ihrem Lebensunterhalt benötigt, nicht mehr in dem Besitz Einzelner, Truste, Konzerne und Monopole bleiben, welche diese so oft zum Schaden des Volkes missbrauchten, sondern in den Besitz des Volkes gehen.
    13        Für dieses hohe Ziel lohnt es sich für alle Menschen zu streben. Viele edle grosse Menschen haben uns den Weg gezeigt, wie wir uns ein Dasein schaffen können, ohne Kriege und Krisen, Hohe Lohne verhindern Kriege und Krisen. 
    14         Wie oft hört man in den Flüchtlingslagern Menschen sprechen, Krieg hat es gegeben und wird es weiter geben. Diese Menschen haben sich noch nicht für den Frieden interessiert. Es ist die gleiche Sorte, die oft sagt, haben wir es nicht gut gehabt, bein unserm geliebten und von Gott gesandten Führer Adolf Hitler. 
    15  Dass durch diessen millionenfachen verfluchten Verbrecher viel Millionen Männer, Kinder und Frauen ermordet wurden, wollen diese Leute nicht begreifen. Sie wollen nicht begreifen, dass die Bestien in Menschengestalt die Ursache ihres jetzigen Elends sind. Wo war das Gute in der Tyrannenherrschaft bei Hitler und Trabanten? 
    16  Seine Arbeitsbeschaffung zur Vorbereitung des Krieges ist genau so zu bewerten, wie die Vorbereitung eines Raubmörders auf sein Opfer. 
    17        Lasst uns nur alle selbst erst besser werden, dann wird es auch bald besser um uns sein. Dieses ist die Wahrheit. Würde sie lebendig werden, würde es in den Flüchtlingslagern schnell um recht vieles besser werden. 
    Karl Paetsch,
    Aalborg Vestre Alle. 
    18  Das Flüchtlingslager Flygtningelageret
    19         Wie der Name besagt, handelt es sich hierbei um ein Lager von Flüchtlingen gleich einem Lager Ersatzteile. Sowohl diese als auch jene lagern in grossen Regalen. Während die Ersatzteile meist in sehr vielen Fächern übereinander liegen, gibt es bei den Flüchtlingslagern im allgemeinen nur zwei oder drei Fächer, die man etwas mit Stroh ausgepolstert hat, damit die enthaltenen mehr oder weniger menschenähnlichen Kostbarkeiten nicht verderben.       Som navnet siger, drejer det sig herved om et lager af flygtninge ligesom et lager af reservedele. Såvel det ene som det andet opbevares i store reoler. Mens reservedelene for det meste ligger over hinanden på ganske mange hylder, er der på flygtningelagrene i almindelighed kun to eller tre hylder, som man har udpolstret noget med halm for ikke at ødelægge indholdet af mere eller mindre menneskelignende kostbarheder. 
    20  Leider kommt es oft vor, dass Flüchtlinge trotz besagter Polsterung ihre Haltbarkeit verlieren; man sagt, sie werden haltlos. Diese Haltlosigkeit kann sowohl physischer als auch psychischer Natur sein, doch in den meisten Fällen fallen wohl beide Formen zusammen.  Desværre forekommer det ofte, at flygtninge trods den omtalte polstring mister deres holdbarhed; man siger, at de bliver holdningsløse. Denne holdningsløshed kan være af både fysisk og psykisk natur, dog forekommer begge former sammen i de fleste tilfælde. 
    21 Jedenfalls ist die Reparaturwerkstätte eines Flüchtlingslager, die man auch als Krankenhaus bezeichnet, ständig in bedauernswerter Weise überfüllt. Sehr vielen Flüchtlingen ist durch die lange Aufbewahrungszeit das Gehirn angefressen, so dass man stellenweise schon ein vollkommenes Vakuum feststellen muss. Man bezeichnet diese Panne auch als Barackenkoller.  I hvert fald er et flygtningelagers reparationsværksted, som man også betegner som et sygehus, på mærkværdig måde hele tiden overfyldt. Hos ganske mange flygtninge er hjernen på grund af den lange opbevaringstid angrebet, så at man stedvis allerede kan fastslå et fuldkomment vakuum. Man betegner også denne ulykke som 'barak-kuller'. 
    22         Damit sich die Flüchtlinge besser halten, bekommen sie täglich 20 g Fett, was die gegenseitige Reibung vermindern soll; nichtsdestoweniger erhitzen sich viele von ihnen mehrmals täglich gegenseitig bis zur Weissglut. Da bei einer derartigen Oxydation sehr viel Sauerstoff verbraucht wird, ist die Luft in der Umgebung sehr dick. Am gefährlichsten ist bekanntlich eine Oxydation in Gestalt einer Explosion.         For at flygtningene skal kunne holde sig bedre får de daglig 20 g fedt, hvilket skal formindske de indbyrdes gnidninger; ikke desto mindre ophidser mange af dem sig flere gange dagligt gensidigt til hvidglødenhed. Eftersom der ved den slags oksydering bruges meget ilt, er luften i omgivelserne meget tyk. Det farligste er som bekendt en oksydering i form af en eksplosion. 
    23  Hierbei tritt eine vorher nie dagewesene Menge Teller, Löffel, Axte oder Forken in Funktion, deren Kurven der genialsten Mathematiker nicht errechnen kann. Damit sie einem eventuellen derartigen Bombardement den nötigen inneren Widerstand entgegensetzen können, stopft man die Flüchtlinge inwendig mit etwas Brot und sehr viel Graupen, Grütze und Dörrgemüse aus.  Herved træder i funktion en hidtil ikke tilstedeværende mængde tallerkner, skeer, økser eller gafler, hvis kurver gennem luften selv den genialeste matematiker ikke kan udregne. For at flygtningene kan sætte den nødvendige indre modstand op imod et sådant eventuelt bombardement udstopper man dem indvendig med noget brød og ganske megen finthakket byggryn, grød og tørrede grønsager. 
    24  Leider muss diese Prozedur täglich wiederholt werden; weil auf dieser Welt bekanntlich nichts von Dauer ist. Ein Flüchtlingslager als Ganzes bilden von dieser Regel jedoch eine Ausnahme.  Desværre må denne procedure gentages dagligt for som bekendt er intet i denne verden varigt. Et flygtningelager som helhed danner ikke nogen undtagelse fra denne regel. 
    25        Die Flüchtlinge müssen die ganze Nacht über in ihren Regalen liegen, wo sie den Wanzen zur Nahrung dienen. Diese haben ihre Wohnsitze ausser am angegebene Orte noch in den von der sog. Sozialbetreuung verteilten Papiersdecken aufgeschlagen. Bekanntlich ist jene Institution stets eifrig bemüht, möglichst alle Flüchtlinge immer wieder neu einzuwickeln, damit sie nichts merken.      Flygtningene må ligge hele natten over på deres reoler, hvor de tjener som næring for væggelusene. Udover på det angivne sted har disse også opslået deres bolig i de af den såkaldte socialforvaltning uddelte papirsdyner. Som bekendt er denne institution til stadighed ivrigt optaget af så vidt muligt hele tiden på ny at indvikle flygtningene, så de ikke mærker noget. 
    26 Ich meine natürlich von der meist schlechten Witterung in einem Flüchtlingslager. An schönen Tagen liegen die Flüchtlinge unordentlich im Sande verstreut und überziehen sich dabei mit einer nazistisch aussehenden Schutzfarbe. Auf solche schönen Tage folgt dann der fast unausbleibliche Gewitterregen, entweder in Gestalt von sehr viel Wasser oder einer radikalen Neuwahl. Beides ist jeweils eine grosse Abwechslung, aber irgend einmal wird es wieder genau so schön wie vorher; man nennt das den Kreislauf der Natur.  Jeg mener naturligvis, 'ikke mærker noget af de værste uvejr på et flygtningelager'. Når det er godt vejr, ligger flygtningene strøet hid og did i sandet og overtrækkes derved med en nazistisk udseende beskyttelsesfarve. Oven på sådanne godtvejrsdage følger så den næsten uundgåelige tordenregn, enten i form af virkelig meget vand eller i form af et radikalt nyvalg. Begge dele er altid en stor afveksling, men på ét eller andet tidspunkt bliver det igen lige så smukt som tidligere; man kalder det naturens kredsløb.
    27       Manche Flüchtlinge kommen zuweilen durch einen mehr oder weniger zufälligen Zufall dazu, aus ihrem Lager hinauszufallen, doch bevor sich noch das beseligende Gefühl beginnender Freiheit zum Bewusstsein durchgerungen hat, werden sie wieder aufgelesen und für eine Zeit lang sicher verwahrt, damit es ihnen leichter falle, die Freiheit in heldenhaftem Kampfe zu überwinden.         Mange flygtninge kommer af og til ved et mere eller mindre tilfældigt tilfælde til at falde ud af deres lager. Dog endnu før den saliggørende følelse af begyndende frihed er klinget igennem til bevidstheden, bliver de igen samlet op og for en tid opbevaret mere sikkert, for at det skal falde dem lettere i heltemodig kamp at overvinde friheden. 
    28  Danach legt man sie mit wohlmeinenden Ermahnungen wieder in ihr Fach zurüch. Diese Ermahnungen wachsen meist auf dem steinigen Acker der Lagerleitung, die naturgemäss das oberste und grösste Fach im Regal eines Flüchtlingslagers einnimmt, von wo aus sie mehrmals am Tage die Produkte ihrer Arbeit nach unten übergibt. Die Bezirks- und Barackenältesten beschäftigen sich damit, diese Dinge mehr oder weniger gleichmässig in möglichst alle Fächer zu verteilen, auf dass ein jeder seine Arbeit habe .... Derefter lægger man dem med velmente formaninger igen tilbage på deres hylde. Disse formaninger vokser mest på lagerledelsens stenede ager; den indtager jo ifølge naturens orden den øverste og største hylde i et flygtningelagers reol, hvorfra de flere gange om dagen overlader produkterne af deres arbejde nedefter. Områdeældstene og barakældstene beskæftiger sig med at fordele disse ting mere eller mindre ligeligt til så vidt muligt alle hylder, for at enhver kan have sit job.... 
    29        Der Sinn und Zweck eines Flüchtlingslagers ist, die Flüchtlinge solange zu konservieren, bis es jemanden in Deutschland oder sonstwo einfällt, sich einen Posten dieser hochwertigen Produkte der Zivilisation des zwanzigsten Jahrhunderts per Bahn oder Schiff zuschicken zu lassen.        Meningen og hensigten med et flygtningelager er at konservere flygtningene så længe til det falder én eller anden i Tyskland eller andetsteds ind at lade sig tilskikke pr bane eller skib en portion af dette det tyvende århundredes civilisations højværdige produkt.  
    30  Für die Flüchtlinge gilt das nahrhafte Sprichwort: Abwarten und Teetrinken!
    J. Martern, 
    Grove pr. Karup II-209.
    For flygtningene gælder det om at hente næring i ordsproget: Afvente og drikke te!
    J. Martern,
    Grove pr. Karup.  
    31 Redaktion und Leser
    32        H. Schneider in Grove hat uns vor einiger Zeit einen Artikel geschickt, den wir noch nicht veröffentlicht haben. Schneider erkundigt sich jetzt nach dem Schicksal seines Artikels und meint: "Sie haben ihn längst wegen seines politischen Inhalts in den Papierkorb geworfen. Als gute Demokraten werden Sie ja wohl wissen, dass das undemokratisch ist, denn, wie gesagt 'Das Wort ist frei'."  
    33        Der Argwohn Hartmit Schneiders ist unberechtigt. Wir lassen im Gegensatz zu den Nazis alle Meinungen zu Worte kommen. Die Redaktion hat aus eigenem Entschluss freiwillig die achte Seite den Lesern zur Verfügung gestellt. Davon ist fleissig Gebrauch gemacht. Die verschiedensten Auffassungen sind geäussert worden. Wir sind dabei nicht kleinlich. Auch vor recht drastischen Äusserungen gegen die Redaktion sind wir nicht bange gewesen.   
    34 Es schadet nichts, wenn wir Deutsche uns gegenseitig deutlich die Meinung sagen. Als Grundsatz gilt dabei, dass jeder, der unter Namensnennung angegriffen ist, das Recht der Antwort besitzt. 
    35         Alle Beiträge können wir nicht veröffentlichen. Manche sind zu lang, manche sagen dasselbe, was gerade ein anderer vorher mit anderen Worten gesagt hat. Dies letzte gilt auch von Hartmut Schneiders Artikel. Nur wenn es um Fragen geht, die alle Flüchtlinge stark interessieren, können wir dieselbe Frage viele Male unmittelbar hintereinander behandeln. 
    36        Das Recht der freien Meinungsäusserung hat eine Grenze, die unser Taktgefühl bestimmt. Dänische Einrichtungen können kritisiert werden, aber das muss klug und höflich geschehen. Kritische Bemerkungen gegen einzelne namentlich genannte Dänen veröffentlichen wir nicht. Jeder einsichtige Mensch wird das verstehen. Lob, Anerkennung und Dank gegen einzelne namentlich genannte Dänen bringen wir nur, wenn der Schreiber inzwischen in Deutschland ist. Dann kann keiner auf den Gedanken kommen, es handele sich um erbärmlichen Schmus. 
    37         Unsere Zeitung unterliegt keiner Zensur. Weder die Flüchtlingsverwaltung noch die Polizei noch irgendeine andere dänische Stelle mischt sich in die Arbeit der Redaktion.
    38        Wir bitten auch für die Zukunft um eine vielseitige Mitarbei: unserer Leser. 
    Die Redaktion. 
    39 Lärmgötzen
    40         Der verfahrene Weltzustand deutet auf unvernünftige Leitung. Einzelne eigensüchtige Wichtigtuer schlagen Lärm mit Worten wie Reichtum, Macht, Ehre, Herrentum, Wissen, Können, Hoffen und Harren. Jüngst wird der Lärmgötze "Atomkraft" angestaunt, der mit Überkraftleistung der Welt das Heil bringen soll. 
    41  Schon mit den jetzt verfügbaren Arbeitskräften für Massenerzeugung werden viele Werkstoffe über kurz oder lang erschöpft sein, so dass ihre Beschaffung zu neuem Wettstreit und Krieg führt und bei ihrer Verarbeitung Körper, Geist und Seele des Menschen Schaden erleiden oder verderben. 
    42  Und venn all dem mit neuen Erfindungen abgeholfen würde, so wird doch der Mensch, das Zueivl an Erzeugung ohne Schaden zu geniessen. --
    43         Alle gewissenhafte Seelsorge und Wissenschaft lehren die Pflicht zur Planung und Gestaltung eines vernünftigen Lebens, das sich aus der Natur der Welt als Dauerquelle der Not und aus der Fähigkeit des Menschen zur Notabwendung ergibt, wozu ihn seine Anlage zur Schmerzempfindung und sein Bedürfnis nach Wohlbehagen antreiben. 
    44         Sein Will wird erweckt und gestärkt, die körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte fleissig zu üben und zwar in der vollkommensten Weise bei Beschaffung seiner Unterhaltsmittel durch Landbau und Handwerk, wobei er zu persönlichem Planen und Gestalten genötigt ist und zu Selbständigkeit, Genügsamkeit, Gemeinsinn und Selbstzufriedenheit gelangt. 
    45  Dann meidet er aus innerem Triebe alles falsche und schädliche Wissen, Begehren und Tun; er harrt nicht auf Hilfe von aussen; er bildet sich, "bis er sein Vermögen und die Grenze seines Gebrauchs bestimmt erkennt; das macht ihn sichr, wacker, entschlossen zu allem, was gut und nützlich ist". Mit der Beschränkung auf seine Kraft übt er die hohe Kunst aus, "seine grössten Werke mit den geringsten Mitteln zu schaffen", die immer da sind, die immer nachwachsen und gepflegt werden können: Familien- und Gemeindeleben, Boden, Wasser, Luft, Wärme, Pflanzen, Tiere und Menschen, wobei Schmerz und Schädigung auf das geringste Mass zu beschränken sind. --
    46          Es ist gewissenlos, das leben mit Mitteln erhalten zu wollen, die sich erschöpfen, die vielfach Grundbestandteile des Lebens sind, wie Blut und Nerven im Körper. Es ist ein Frevel, das Leben an Erzeugnisse zu binden, deren Beschaffung und Verbrauch schädlich für Leib, Geist und Seele sind. --
    47         "Wo stecken die verantwortungslosen Geschäftemacher, die mit diesen Erzeugnisse Ansprücke und Geschmack des Volkes immer mehr herabdrücken und ihm seine mühsam verdienten Groschen mit Gedudel und Singsang aus der Tasche ziehen?" (Deutsche Nachrichten 22-47 Kopenhagen). 
    48        Dies Treiben wird mit Gleissnerei der Städte in Schrift und Kino verherrlicht und verallgemeinert. Es verdirbt dem Volke nicht nur den Sinn für das Echte, Gute und Schöne, es raubt ihm auch Gesundheit. Geist und Sitte, Ehre und Freiheit. In Kriegen um fremdes Brot werden Menschenleben in Masse hingeopfert -- vernunftlos, zuchtlos, gefühllos, als Spielzeug masslosen Gewinnstrebens -- bei lärmvollem Gerede von gewissenhafter Pflichterfüllung, Seelsorge und Volkswohlpflege. --
    49         Nur nach gründlicher Wandlung zu anständiger Gesinnung und zu einfachgesundem Leben ist die Not abzuwenden und der Segen des Himmels zu erwerben. -- 
    Hermann Friedrich Schulz,
    Aalborg Ost III, Altersheim. 
    50  Wie immer die Würfel fallen 
    51  Von Leonhard Wermuth.
    52          In der Weltöffentlichkeit machen sich zwei entgegengesetzte Auffassungen über Deutschlands Demokratisierung geltend. Einen analogen Vorgang kann man auch in Bezug auf das Problem der von Deutschland zu leistenden Wiedergutmachungen beobachten. 
    53  Auch hier stehen sich im wesentlichen zwei extreme Gruppen gegenüber. Die eine vertritt die Methode der Radikaloperation: Durch weitgehende Annektionen, Enteignungen, Industrieverlegungen, Demontagen und Beschlagnahme deutscher Patente soll eine Abgeltung einmal für immer, d. h. ohne spätere Nachforderungen geleistet werden.
    54 Der Gedankengang ist hart und einleuchtend; er lässt uns Hoffning. In ähnlicher Lage entscheiden vernünftige Patienten sich in der Regel für den kurzen, bündigen Schnitt. Er tit zwar weh, aber dann ist alles überstanden -- sofern man nur die Gewissheit hat, dass der Lebensnerv dabei nicht mitten durchgeschnitten wird. 
    55  Ob dies durch die beretis erfolgten Massnahmen etwa schon geschehen ist, lässt sich noch nicht überblicken. 
    56        Die Extremen der andern Richtung schlagen eine mehr konservative Behandlungsart vor, oder vielmehr eine Kombination aller nur denkbaren Verfahren. Sie verlangen neben Gebietsamputationen, Internationalisierung von Industriezentren und Schiffahrtswegen, Stellung von Arbeitsbataillonen, auch aausgedehnte Sachlieferungen und Reparationszahlungen auf lange Sicht. Ausschlaggebent für diese Methode ist die längere Nutzniessung. 
    57       Beide Methoden sind natürlich gangbar, sofern man zwei Dinge beobachtet: Inwieweit wird das, was man neben der Wiedergutmachun noch erreichen will, nämlich die Demokratie in Deutschland, gewährleistet oder womöglicht wieder zunichte gemacht -- und weiter: ist Deutschland überhaupt in der Lage, die Reparationsforderungen zu erfüllen. 
    58 Es wird also darauf ankommen, bei dem Friedensstatus -- vor einem Friedensvertrag hat man abgesehen, da sich schwerlich eine deutsche Regierung finden dürfte, die ihn unterzeichnet -- ein Instrument zu schaffen, das in sich selbst nicht so widerspruchsvoll ist, um den Wiederaufbau des Friedens gefährden zu können. 
    59          Die Alliierten werden sich vor das Problem gestellt sehen, nur solche Festlegungen zu treffen, die nicht sofort wieder die Voraussetzungen zur Efrüllung dieser Festlegungen beseitigen. Die bis jetzt skizzierten Lösungen entsprechen solchen grundsätzlichen Erwägungen in keiner Weise: Ein Industriestaat wird Deutschland nicht wieder werden, diese Bedingung stellen vor allem Russland und Frankreich; ein Export- und Handelsstaat darf es nicht werden, das machen die USA und England zur Bedingung; ein Agrarstaat kann es nicht werden, weil Polen an der Oder-Neisse-Linie festhält. --
    60  Aber vom Dichten und Denken allein können wir nicht leben, geschweige Reparationen zahlen. Wir sollen und wollen arbeiten. Ein Pferd, das arbeiten soll, darf aber nicht nur im Stall stehen; ausserdem braucht es Heu und Hafer. Die Leistungsfähigkeit hängt nicht nur vom guten Willen ab. 
    61  Das mögen Betrachtungen über einfache Selbstverständlichkeiten sein. Aber gerade die einfachsten Wahrheiten setzen sich am schwersten durch. Ein weiteres Problem, das mit den Reparationen und damit auch mit der deutschen Existenzfrage zusammenhängt, ist die katastrophale Menschenüberfüllung in den besetzten Westzonen. Man erörterte die Frage der Abwanderungsmöglichkeiten, und Frankreich bot sich an, ca. 400 000 deutsche Ausvanderer aufzonehmen. 
    62  Selbst wenn ein Dutzend Staaten sich bereit fänden, jeweils ein gleiches Kontingent aufzunehmen, so würde damit zwar erreicht, dass 5 Millionen Menschen weniger im Rumpfdeutschland lebten. Aber einmal werden voraussichtlich nur gesunde, junge und qualifizierte Kräfte berücksichtigt werden, sodass sich ein empfindlicher Mangel an Facharbeitern bemerkbar machen wird, während Kranke, Alte und Gebrechliche zurüchbleinen und der Frauen überschuss noch weiter zunimmt. 
    63  Sodann ist noch sehr die Frage, ob durch derartige Massnahmen wirklich ein Ventil für den Bevölkerungsüberdruck geschaffen werden kann, hat die Erfahrung doch gelehrt, dass gerade nach Katastrophenzeiten ein auffallender Geburtenüberschuss einzusetzen pflegt. 
    64         Entscheidend für eine Entwicklung ist immer ihr Endresultat. Wer neue Entwicklungen einleitet, sollte das berücksichtigen. Auch in der Sphäre des Völkerlebens gibt es so etwas wie eine ungeschriebene demokratisch-ökonomische Weltordning, die niemand ungestraft verletzen kann. 
    65  Diese zwischenstaatliche Rüsichtnahme hat die Aufgabe, eigene Wünsche den Gesamtwünschen, dem Gesamtwohl anzupassen und wenn es sein muss, unterzuordnen. 
    66         Wir immer die Würfel fallen mögen, auch die Alliierten wissen, dass es töricht von einem Gläbiger ist, darauf zu sehen, dass es seinem Schuldner möglichst schlecht geht. Viel mehr wird jeder einsichtige Cläubiger im Interesse der Schuldner wieder in gesunde Lebensverhältnisse zurückfinden kann. Die nächste Zukunft wird darüber entscheiden, was siegen wird: Friedensliebe und Geschäftsgeist oder Machtpolitik.   
    67 Lasst uns hoffen, dass sich bis dahin wenigstens ein Vernunftschluss durchgesetzt hat: Dass man aus 70 Millionen Menschen nicht für ewig ein Vol von Strassenkehrern, Besenbindern, Spielzeugbastlern und Papierblumenfabrikanten machen kann.
    68  Schutz gegen Typhus  
    69          Die einzigen Massnahmen, die man in den Lagern bei Typhusverdacht trifft, sind -- ausser der Impfung, die nur die Heftigkeit der Krankheit herabsetzt -- die Einzäunung der verdächtigen Baracke mit Stacheldraht, die Postsperre und das Verbor öffentlicher Veranstaltungen. 
    70 Letzteres erscheint mir überflüssig, denn T.-Bazillen werden ja nicht wie Erkältungsbazillen, durch die Luft und die Atmungsorgane in den Körper aufgenommen. Ausserdem müssten ja dann andere Zusammenkünfte, wie Verpflegungsempfang, Arbeiten etc. auch unterbleiben. 
    71       Die Ansteckung erfolgt vielmehr durch Aufnahme von T.-Bazillen in den Verdauungskanal durch Exkremente, Milch, Speiseeis, ungekochten Rahm, Trinkwasser, rohes Obst, Gemüse, Fliegen etc. Die Hauptgefahr ist die Verseuchung des Grundwassers durch die Exkremente Typhuskranker oder ehemals T.-Kranker (sog. Bazillenträger.) 
    72        Es sind daher folgende Massnahmen notwendig: 1. Wasser dafr nur nach tüchtigem Kochen genossen oder zum Geschirr- und Gemüsereinigen benutzt werden. Dies ist schwer durchzuführen, besonders wenn es an Feuerungsmaterial mangelt. 
    73          2. In den Flüchtlingslagern muss zeichlich Klosettpapier ausgeteilt werden, damit niemand sich die Finger beschmutzt. Nach jeder Klosettbenutzung müssen die Hände gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden. 
    74       3. Das übliche Handgeben bei der Begrüssung ist zu unterlassen. 
    75       4. Fliegen etc. sind energisch zu bekämpfen. 
    76       Der Nachweis der Typhusbazillen ist am frühesten aus den Blut möglich. Der Nachweis in Kot und Urin gelingt erst von der 2. Woche ab. 
    Johs. Webersberger,
    Grove pr. Karup.