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Deutsche Nachrichten 1947 Nr 36

 vom 15. September 1947

Deutsche Nachrichten 1947 nr 36

 fra 15. september 1947.

 
  •  Nazis und Antinazisten af Alfons Parschau, Thistedvejen 49-07, Bar. 24-7: #1.
  • Unser Verpflegung af Hans Düring, Vestre Alle, Aalborg, Bar. 5 B. Z. 4: #26.
  • Wozu brauchen wir noch Ärzte und Pflegepersonal af Kurt Kuhn, Grove Krankenhaus: #37. Med svar: #51.
  • Reise nach Mecklenburg af Willy Kreft, Neubuckow -- Mecklenburg. #57.

  • Die letzte Station af Fritz Wölk, Heimkehrer im Durchgangslager III: #71.
  • Nazister og antinazister.
  • Vor forplejning
  • Hvad skal vi bruge læger og plejepersonale til?
  • Rejse til Mecklenburg

  • Den sidste station 
     1 Nazis und Antinazisten
              Aus einem langen Artikel bringen wir folgende Auszug:
    3        Adolf Hitler ist tot, aber dit kleinen Hitlers, die Nachfolger und Nutzniesser dieses Systems sind unter uns hier in Dänemark und treiben ihr Unwesen nach dem Nazisystem weiter. Sie stehen in vielen Lagern an der Spitze und schalten und walten nach dem Führerprinzip, indem sie sich selbst als desse Nachfolger dünken ... 
    4        Die Demokratie ist von fast allen Kulturstaaten der Erde als die beste und humanste Verwaltungsform anerkannt. Dieses ist die Ansicht von vielen, vielen Millionen Menschen. 
    5         In Deutschland steht die Demokratie noch in ihren Kinderschuhen und es ist verantwortungslos, wenn man zulässt, dass insbesondere die Jugend sich ein Urteil über Demikratie aus einem Lager holen muss, in welchem die Nazis die Demokratie versinnbildlichen, wie es hier in unserem Lager der Fall ist. 
    6  Die Jugend ist kein Theoretiker. Sie bildet sich ihr Urteil nach dem, was sie sieht und erlebt. Es ist daher auch kein wunder, wenn die Jugend eine sonderbare Auffassung von der Demokratie erhält. 
    7             Die Demokratie soll das Sinnbild vom Idealismus, Gerechtigkeit, Güte und Freiheit sein. Es darf nicht sein, dass sie von gewissenlosen Vertretern des Naziregimes entstellt, verzerrt und mit Schmutz beworfen wird. Das deutsche Volk und besonders die deutsche Jugend soll den Glauben an sie wiedergewinnen. 
    8  Man darf das deutsche Volk in seinem Glauben an die Demokratie nicht durch solche Zustände täuschen, wie es in unserm lager der Fall ist, denn geglaubt hat das deutsche Volk sehr viel.  Es hat an die Nat. Sozial. Arbeiterpartei geglaubt und ist enttäuscht worden. 
    9  Es hat auf einem Fremden gehört, der sich zum Führer des deutschen Volkes aufschwang und ist enttäuscht worden. Man soll nun das deutsche Volk nicht noch über die Demokratie enttäuschen, sondern alles tun, um das deutsche Volk auf den Weg einer gesunden und vielleicht auch hoffnungsvollen Zukunft 
    10         Nun ein paar Worte an die Antinazisten. Den wenigen Antinazisten, die es hier in den Lagern gibt, dürfte wohl bekannt sein, dass se zu der Kategorie Menschen gehören, die von den Nazis am meisten gehasst werden. Gehasst schon deshalb, weil sin in Deutschland als vollberechtigte Bürger gelten. 
    11  Liebe Gesinnungsfreunde! Es ist nun hier in Dänemark Eure Pflicht, Euch mit allen Mitteln gegen alles das zu wehren, was die Nazis über Euch Nachteiliges sagen, und dafür einzustehen, dass den Deutschen in Dänemark Eure Hilfe, Fürsprache und Beistand in jeder Hinsicht zutel wird. 
    12  Sorgt dafür, dass sozialdenkende Menschen an verantwortliche Stellen kommen, statt gewissenloser Ausbeuter, damit die Demokratie von Leuten mit idealem Charakter versinnbildlicht wird, und so dem deutschen Volke der Glaube an die Demokratie wiedergegeben wird.
    13  Man wirft Euch vor, Ihr seid nicht fähig ein Lager zu leiten und stellt die Dinge so dar, als wenn die Intelligenz nationalsozialistisch war. Dieses trifft nicht zu, denn wenn das so wäre, wäret Ihr nicht in Dänemark. Wäre man weniger intelligent gewesen, als die Nazis, so wäre man doch diesen Hakenkreuzspinnen ins Netz gegangen, das sie überall aufgehängt hatten, um jeden zu fangen und mit spinnenhafter Grausamkeit umzubringen. 
    14  Die Verwaltung der Lager wird ja nicht von einem, sondern mereren Menschen ausgeübt und geht ja täglich ihren automatischen Gang. 
    15          Und nun noch eine Bitte. Bringt nicht die Gemeinheit, die einzelne Deutsche hier und dort begangen haben, vor die Dänen, denn erstens haben die Dänen mit uns Flüchtlingen schon reichlich zu tun und zweitens wollen wir in unserer eigenen Küche kochen. 
    16  Denkt daran, dass Ihr verpflichtet seid, dafür zu sorgen, dass den Leuten, die sich an dem Gut der Allgemeinheit unberechtigt bereichert haben, dasselbe wieder abgenommen wird, denn unberechtigte Bereicherung ist nicht nur strafbar, sondern zieht auch die Einziehung des unberechtigten Gutes nach sich. Unrecht erfordert Sühne, denn ohne diesen Grundsatz gäbe es kein Recht.
    17           Ihr seid keine Denunianten, sondern handelt im Sinne der Gesamtheit, wenn Ihr solche Fälle in Deutschland zur Erledigung bringt, ohne Rücksicht auf die Leute, welche sich als Steigbügelhalter dem Nazisystem angeschlossen haben.
    18  Auch diese müssen wissen, was sie sich und dem deutschen Volke schuldig sind, denn mitschuldig ist auch der, der nach dem 16. Mai 1945 sich durch Wort oder Tat zum nationalsozialistischen System bekannt, wer dieses System begünstigt oder unterstützt, wer ehemaligen Parteigenossen zu unberechtigten Stellungen verhilft oder sich mit ihnen im Sinne des Nationalsozialismus irgendwie betätigt. 
    19         Und nun zum Schluss noch ein Wort an die Nazis, die hier in Dänemark 2½ Jahre wie im Schlaraffenland gelebt haben. Vergesst nicht bei Eurer Heimkehr nach Deutschland, Euch bei den Dänen zu bedanken, den viele von Euch werden solche schönen Tage, wie Ihr sie hier in Dänemark verlebt habt, wohl nicht mehr erleben.
    20 Es ist fraglich, ob die Spruchkammern in Deutschland Euch glauben werden, dass ein Schaf, welches 20 Jahre pechschwarz war, über Nacht schneeweiss geworden ist. Lass den Traum, dass es wieder Krieg gibt und die Nazis dazu gebraucht werden, fahren, denn Ihr erspart Euch damit eine spätere Enttäuschung. 
    21        Was auch in Europa geschehen mag, so oder so, sicher ist das eine, die Besatzungsmächte Deutschlands werden immer Demokratien bleiben und der Wahn von nationalsozialistischer Grösse ist für immer beendet, schon aus dem Grunde, weil die Idee des Natilnalsozialismus böse war und sich immer nur das Gute in der Welt erhalten wird. 
    22  Während der Nationalsozialismus 1000 Jahre und noch länger leben wollte, ist er schon nach 12 Jahren kläglich untergegangen, dagegen hat sich die Demokratie, weil sie gut ist, schon mehr als 2000 Jahre erhalten. Die Demokratie hat den 1. und 2. Weltkrieg gewonnen und wird, falls es sein muss, auch den 3. gewinnen, ohne Beihilfe der Nazis, denn hacn Nazis fragt man z. Zt. weniger in der Welt als nach Briefmarken. 
    23        Denkt an die Worte Goethes, des grossen deutschen Dichters, wenn er sagt: 
    24  "Und mag das Böse auch mit seinen Krallen
    den halben Erdenball umspannen, 
    zur Finsternis muss es doch zurück,
    denn nur das Gute hat Bestand und Glück!"
    25        Nach diesem Wort des grossen deutschen Sohnes wollen auch wir in der zukunft handeln, dann wird das deutsche Volk auch Glück und unser deutsches Vaterland wieder Bestand haben. 
    Alfons Parschau,
    Thistedvejen 49-07, Bar. 24-7. 
    26  Unsere Verpflegung
    27       In den Deutschen Nachrichten Nr. 32 befindet sich ein interessanter Artikel "Der Küchenchef hat das Wort". Hierzu möchte ich folgendes sagen: 
    28        Der Küchenchef aus dem Lager "Deutsche Schule" in Kopenhagen scheint Fachmann zu sein, weil nicht anzunehmen ist, dass er eine solche Menge Kenntnisse der Kunst des Kochens und der Speisezubereitung von seinen Kochfrauen aufgesammelt haben könnte.
    29  Weil ich von der Zeit meines ärztlichen Unterrichts auf der Navigationsschule in Danzig noch etwas über die Ernährungswissenschaft behalten und später während meiner Seefahrt als Kapitän die Verantwortung über die Ausrüstung für die bevorstehende Reise und die Verpflegung des Schiffes gehabt habe, erlaube ich mir, dem Leser einige Zufügungen zum Artikel des Küchenchefs P. N. vorzuführen.   
    30        Sehr erfreulich ist die Meinung des Herrn P. N. wenn er schreibt, dass in dieser Notgemeinschaft nur Reellität und Gerechtigkeit gegenüber der ganzen Lagergemeinschaft gilt, und dass Sauberkeit und Ordnung zwei wichtige Faktoren im Küchenbetrieb sind.   
    31         Es ist eine bekannte Erfahrung, dass das Essen des Familientisches den Hilfskräften im Haushalt besser schmeckt, als das abgesonderte Essen in der Küche, wenn es im grossen und ganzen besser ist, aber nicht alles bietet, was auf den Familientisch kommt. 
    32  So wird auch der Flüchtlingslagerinsasse zufriedener mit dem geliefterten Essen sein, wenn er fest davon überzeugt ist, dass es gar keine Möglichkeiten in den vorhandenen Einrichtungen gibt, dass irgend etwas nicht in den grossen Topf kommt, sondern vorbeitropfen kann.   
    33        Gut kochen ist eine Kunst und weil ich der ûberzeugung bin, dass auch die Grossküche für die Esser da ist und nicht umgekehrt, muss auch die Küchenleitung die Meinung der Esser beachten, auch dann, wenn es sich um Flüchtlinge handelt. Ich bin überzeugt, dass die dänischen Steuerzahler, die uns hochherzigerweise diese zureichende Verpflegung spenden, und die Flüchtlingsbehörde ganz derselben Meinung sind.   
    34       Die Kartoffel ist neben dem Schwarzbrot das billigste Nahrungsmitten in dieser Gegend. Die Kartoffelt enthält auf 100 gr 90 Kalorien, 20 Einheiten Vitamine A, 40 Einheiten B und 300 Einheiten Vitamine C. 
    35 In der Pelle gekocht, kochen auch die Vitamine nicht aus. Zum hauchdünnen Schälen gehören vor allen Dingen geeignete Schälmesser oder Schälhobel. Die Kartoffel muss, um schackhaft zu sein, gut gar gekocht werden und wenn sie im Eintopfgericht mit Wruken oder gelben Rüben zusammen gekocht wird, dann kann sie auch verkochen, wenn nicht übermässig viel Wasser in die Suppe hineingepumpt wird. 
    36 Wasser enthält keine Kalorien. Zu viel davon wirkt schädigend für Nieren und Ernährung. Die Kartoffel ist ein so wichtiges Nahrungsmittel für Kinder, Erwachsene und Greise zu jeder Lagermahlzeit, dass ein fahrlässiges Verderben einer grossen Menge, nicht als Kunstfehler oder Nichtbeachtung gesundheitspolizeilicher Bestimmungen, sondern als Vergehen behandelt werden sollte. 
    Hans Düring, 
    Vestre Alle, Aalborg, Bar. 5 B. Z. 4. 
    37 Wozu brauchen wir noch Ärzte und Pflegepersonal Hvad skal vi bruge læger og plejepersonale til?
    38        Dieses fragen wir Kranke uns jeden Morgen! Ich möchte mich hier an jene wenden, die uns schikanieren und mit uns Schindluder treiben und an die Verantwortlichen, die uns anhören sollen, damit diese Misstände gegenüber den Kranken endlich beseitigt werden.         Det spørge vi syge os selv om hver morgen! Jeg kunne her henvende mig til dem, der chikanerer os og behandler os som skidt, og til de ansvarlige, som skal høre på os, for at misforholdene overfor de syge langt om længe kan afvikles. 
    39        Ist es möglich, dass wir Kranke hier in Grove Ärzte, Pflegepersonal, Verwalter, Fouriere usw. erhalten, die sich für die Kranken einsetzen? Nicht aber, wie es bis jetzt war, für ihr eigenes Wohlergehen!         Er det muligt, at vi syge her i Grove kunne få læger, plejepersonale, forvaltere, intendanter, osv., som vil gøre noget for de syge? Ikke, som det er nu, kun gøre noget for deres eget velbefindende!
    40        Ich möchte kurz einige Tatsachen schildern!        Jeg vil kort skildre nogle kendsgerninger!
    41        1. Bei uns ist von Ostern bis zu heutigen Tage keine Visite gewesen. Ein Patient hatte einen Magenanfall und der Arzt erschien 24 Stunden später. Wenn man hier ernstlich krank wird, braucht man auf ärztliche Hilfe nicht zu rechnen, denn die Hilfsbereitschaft ist hier nicht gross.         1. Hos os har der fra påske og indtil i dag ikke været nogen stuegang. En patien fik et maveanfald og lægen kom 24 timer senere. Hvis man her er alvorlig syg, skal man ikke regne med lægehjælp, for hjælpsomheden her er ikke stor. 
    42        2. Ein Patient wollte mit seiner Familie nach Deutschland fahren, doch der Arzt liess ihn nicht, weil er noch ansteckend ist. 3 Wochen später sollte er entlassen werden, weil er negativ ist und nie Bazillen gehabt hat. So sind hier mehrere Fälle, wo Schikane mit uns getrieben und dabei so manches Familienglück zerstört wird.         2. En patient skulle med sin familie rejse til Tyskland, men lægen lod han ikke rejse, fordi han stadig kunne smitte. Tre uger senere skulle han frigives, fordi han var negativ og ikke havde nogle baciller. Sådan er her flere tilfælde, hvor der drives chikane med os, og hvorved så megen familielykke ødelægges. 
    43        3. Das Essen auf der Kinder-TB-Station wurde teilweise den Kindern nicht ausgehändigt, dafür hat das Pflegepersonal gut gelebt. Den Rest hat man dann durch das Fenster an gute Gönner gereicht. Wir Kranken wollten an einem Mittag einen Nachschlag von Erbsen haben, es gab nichts, dafür fand man es am nächsten Morgen auf dem Komposthaufen.          3. Maden på børneafdelingen af tuberkulosestationen blev delvist ikke uddelt til børnene, det var plejepersonalet, der levede højt på det. Resten har man rakt ud af vinduet til venner og bekendte. Vi syge ønskede en middag at få en ekstra portion ærter, der var ikke flere, derimod fandt man dem den næste morgen på kompostbunken. 
    44         4. Wir haben hier einen Krankenhausverwalter und Fourier. Aber beide sind nicht für uns da. In der sozialen Betreuung müssen wir selbst alles auf der Lagerleitung erledigen. Dort werden wir von den Menschen angeekelt, dass man sich schämen muss, noch zu leben. Aber es kommt kein Verwalter oder Arzt fragen, was braucht ihr, was für Mangel sind abzustellen? Nein, alle machen sie einen grossen Bogen um uns.          4. Vi har her en sygehusforvalter og en intendant. Men begge to gør ikke noget for os. På socialkontoret må vi selv ekspedere alt til lejrledelsen. Dèr bliver vi set ned på af folkene, så man må skamme sig over at leve endnu. Men der kommer ingen forvalter eller læge og spørger, hvad man ønsker, eller hvad man mangler. Nej, alle går i en stor bue udenom os. 
    45         5. Auf vielen TB-Stationen in Dänemark wurde alles für die Kranken getan, Kino, Konzerte, Varieté, Bastelstube, Radio, Bücher usw. Ich denke an Thisted und Aalborg. Da haben sich die Ärzte Dr. Rust und Dr. Pawlowski beim dänischen Amtsarzt gut für uns eingesetzt und haben die Wünsche der Kranken vorgetragen.          5. På mange tuberkulosestationer i Danmark blev der gjort alt for de syge, kino, koncerter, variete, hyggestue, radio, bøger osv. Jeg tænker på Thisted og Aalborg. Der har lægerne dr. Rust og dr Pawlowski talt godt for sig hos den danske embedslæge og har forelagt de syges ønsker. 
    46  Sie haben sogar den dänischen Amtsarzt mitgebracht, damit wir ihm selbst unser Anliegen mitteilen konnten. Da wussten wir auch einen Arzt oder eine Schwester einzuschätzen! Aber hier traut sich der deutsche Arzt nicht, eine Kommission oder den dänischen Amtsarzt zu und zu schicken, damit wir mal denen, die uns ja besser verstehen, diese unerträglichen Zustände schildern.  De medbragte endog den danske embedslæge, for at vi kunne meddele ham vore anliggender. Dèr kunne man rigtignok vide at blive glad for sin læge eller sin sygeplejerske! Men her har den tyske læge ikke tillid til, at det nytter noget at sende en kommission eller den danske embedslæge, for at vi for engangs skyld kunne skildre disse uudholdelige tilstande for nogen, som forstår os bedre. 
    47        Hier hat man sich für uns auch eingesetzt. Einen grossen Stacheldrahtzaun mit Pförtner, eine Liste der Kranken für die Bezirksältesten, damit man mit Fingern auf uns zeigen kann.         Her har man også gjort noget for os. Et stort pigtrådshegn med portner, en liste over de syge til den områdeældste, for at man kan pege fingre af os. 
    48        Aber auf der anderen Seite, für das, was der gesundheitlichen, geistigen und seelischen Betreuung der Kranken dient, setzt sich keiner ein. Wir können nicht duschen gehen, wie die Gesunden im Lager. Wir können kein Radio hören, wir haben kein Kino, Varieté, Konzert, wir haben keinen Aufenthaltsraum! Aber was wir haben, das ist der Stacheldrahtzaun!          Men på den anden side, det, som tjener den syges sundhedsmæssige, åndelige og sjælelige omsorg, det er der ingen, der tager sig af. Vi kan ikke gå i bad, sådan som de raske i lejren. Vi kan ikke høre radio, vi har ingen biograf, variete, koncert, vi har intet opholdsrum! Hvad vi har, det er pigtrådshegnet!
    49         Man lässt uns so richtig unsere Krankheit fühlen von Seiten des Arztes und Pflegepersonals, als seien wir Aussätzige.          Man lader os rigtig føle vores sygdom fra lægers og plejepersonales side, som var vi spedalske. 
    50        Solange der Kranke nicht das Gefühl hat, es wird alles für ihn versucht und getan, wird er dem Arzt auch kein Vertrauen schenken. Der Arzt muss sich das Vertrauen der Kranken erwerben. Ich glaube, dass dieses einem richtigen Arzt nicht schwer fallen dürfte!
    Kurt Kuhn, 
    Grove Krankenhaus. 
            Sålænge den syge ikke har følelsen af, at alt bliver gjort og forsøgt for ham, vil han ikke få tillid til lægen. Lægen må erhverve sig den syges tillid. Jeg tror, at dette ikke burde falde en rigtig læge vanskeligt!
    Kurt Kuhn,
    Grove sygehus. 
    (Reaktion: 47-39#75
    51        Wir veröffentlichen diesen Brief, weil wir wissen, dass kranke Menschen sich verletzt fühlen, wenn man ihre Klagen unbeachtet lässt. Ein Teil der Klagen ist vielleicht auch berechtigt. Das können wir von der Redaktion aus nicht untersuchen. Andere Klagen sind unberechtigt und dazu wollen wir uns äussern.         Vi offentliggør dette brev, fordi vi véd, at syge mennesker ofte føler sig såret, hvis man ikke tager hensyn til deres klager. En del af klagerne er måske også berettigede. Det kan her fra redaktionen ikke undersøge. Andre klager er uberettigede, og dem vil vi ytre os om. 
    52         Kranke mit offener TB müssen isoliert werden, um Ansteckungsgefahr zu vermindern. Der Stacheldraht ist zum Schutz der Gesunden nötig; alle Massnahmen zur Isolierung der Kranken sind berechtigt, auch wenn sie für die Kranken unangenehm sind.          Syge med åben tuberkulose må isoleres for at forhindre smittefare. Pigtråden er nødvendig for at beskytte de raske; alle forholdsregler for at isolere de syge er berettigede, også selv om de er ubehagelige for de syge. 
    53       Die TB-Baracke hat keinen Raum für Kino, Kinovorstellungen sind deshalb nicht möglich. Es ist aber falsch zu sagen, es kümmere sich niemand um die Kranken. Seit langen sind Bücher und Zeitschriften vorhanden. Vor kurzem ist eine neue Sendung Bücher geliefert.           Tuberkulose-barakken har ikke noget rum til biograf, biografforestillinger er derfor ikke muligt. Men det er forkert at sige, at der ikke er nogen, der bekymrer sig om de syge. Igennem lang tid har bøger og tidsskrifter været til at få. For kort tid siden er en ny sending bøger blevet leveret. 
    54 Weitere Bücher sind zu erwarten. Die Kranken haben prozentual mehr Bücher zur Verfügung als die andern Flüchtlinge. Konzerte, Variété usw. sind wegen der Ansteckungsgefahr nicht möglich. Die TB-Station hat einen Radioapparat mit Lautsprecheranlage. Wir hoffen, dass er noch vorhanden ist und funktioniert.  Flere bøger kan ventes. De syge har procentuelt flere bøger til rådighed end de andre flygtninge. Koncerter, variete, osv. er ikke muligt på grund af smittefaren. Tuberkulosestationen har sit eget radioapparat med højttaleranlæg. Vi håber, at det stadig er der og fungérer. 
    55         Wegen der Verpflegung müssen die Kranken sich an die Beschwerdekommission wenden. Solche Klagen können nur an Ort und Stelle untersucht werden.          Angående forplejningen må de syge henvende sig til klagekommissionen. Den slags klager kan kun undersøges på stedet. 
    56        Im ganzen mögen sich alle Kranken, ganz gleich welche Krankheit sie haben, darüber klar sein, dass in Deutschland für sie weniger getan werden wird als hier in Dänemark. 
    Die Redaktion. 
            I det store og hele må alle syge, ligegyldigt hvilken sygdom de har, være klar over, at der i Tyskland gøres langt mindre for dem end her i Danmark. 
    Redaktionen. 
    57  Reise nach Mecklenburg
    58         Einen Gruss an alle in Dänemark zurückgebliebenen Landsleute. Am 1. August abends um ½ 9 Uhr furh unser Transport von Frederikshavn ab. Nach 23 Stunden Bahnfahrt hatten wir Kolding erreicht. Drei Tage später abens um 6 Uhr fuhren wir wieder von Kolding ab. Wir passierten die Brücke über den Kleinen Belt und trafen um Mitternacht in Nyborg ein, um mit dem Fährschiff über den Grossen Belt gesetzt zu werden. Wir kamen sehr durcheinander, als es plötzlich hiess "alles aussteigen". Viele von uns hatten es sich bequem gemacht und mussten nun ihre Siebensachen zusammenraffen und den Zug verlassen. 
    59   Nur die Gepäckwagen wurden mit übergesetzt. Auf dem Schiff gab es für Kinder Milch und für die Erwachsenen gesüssten Tee. Die Fahrt dauerte 1½ Stunden. In Korsør angelangt bestiegen wir den bereitstehenden Zug, was sehr undiszipliniert zuging, und im Schnellzugtempo ging es nach Gedser, wo wir um 7 Uhr morgens eintrafen. 
    60  Hier mussten wir wieder den Zug verlassen und auf das Fährschiff gehen. Wir erfuhren nun eine angenehme Überraschung. Während bei den vorhergehenden Transporten die Gepäckwagen auf der Fähre entladen wurden und die Heimkehrer ihr Gepäck selbst an Land tragen mussten, wurden jetzt die Gepäckwagen in Warnemünde von der Fähre heruntergefahren und das Gepäck in bereitstehende deutsche Güterwagen umgeladen. 
    61  Dies brauchten wir nicht einmal selbst zu machen, sondern es wurde von dem dortigen Personal, meistens Frauen, sehr vorsichtig ausgeführt. 
    62        Als wir das Schiff verlassen hatten, mussten wir im Bahnhofsgebäude an einem Arzt und einer Schwester vorbeipassieren, die uns auf Augenkrankheiten und Krätze untersuchten.
    63        Wir konnten gleich in den bereitstehenden Zug einsteigen, was sehr ordnungsmässig zuging, weil uns die Plätze angewiesen wurden. Wir erhielten nun noch für 2 Tage Verpflegung nach den Sätzen wie in Dänemark und fuhren um 8 Uhr von Warnemünde ab. 
    64  Es war eine endlose Fahrt die ganze Nacht durch. Endlich um 7 Uhr morgens trafen wir bei Regenwetter im Lager Nesov bei Rehna Kreis Schönberg Mecklenburg ein. Es ist dies ein ehemaliges Lager der russischen Besatzungstruppen. Die Baracken sind zum Teil halb in die Erde hineingebaut. 
    65  Der erste Eindruck war trostlos. Als wir aber gebadet hatten und am andern Tage schönes Wetter war, wurde auch die Stimmung besser. Nun haben wir uns hier eingelebt und geniessen die 14 Tage bei schönem Wetter in der freien Natur.
    66         Das Mittagessen ist sehr schmackhaft gekocht, das Brot ist nicht so gut wie in Dänemark, aber man gewöhnt sich daran. Auch Seifenpulver und Seife und jeder Erwachsenen eine Schachtel Streichhölzer haben wir hier bekommen.   
    67 Die Männer werden auch hier zur Arbeit herangezogen und die Frauen müssen Küchendienst machen. 
    68        Die Lagerleitung sorgt auch für geistige Nahrung. Katholischer und evangelischer Gottesdient mit Abendmahl finden statt. Eine kleine Bibliothek ist vorhanden. Aufklärende Vorträge finden statt. Es werden keine Wertsachen abgenommen, auch kein Geld. Arbeiten muss hier jeder, ohne Arbeit gibt es keine Lebensmittelkarten. Ausser 2 Posten in Warnemünde haben wir noch nichts von den Besatzungstruppen gesehen.   
    69 Es fanden sich auch hier wieder Frauen, die sich an diese Posten heranpirschten. Es waren dieselben, die auch in Dänemark Ärgernis erregten. 
    70        Dieser Transport geht weiter nach Riesa in Sachsen. Diejenigen, die in Mecklenburg bleiben wollen und Zuzugsgenehmigung haben, können schon hier das Lager verlassen. 
    Willy Kreft, 
    Neubuckow -- Mecklenburg. 
    71 Die letzte Station
    72        Nachdem wir unser altes Lager Gedhus verlassen hatten, erreichten wir nach angenehmer Farht Kolding. Das Durchgangslager III sollte unsere "letzte Station" hier in Dänemark sein. Das Aussteigen sowie die Unterbringung in die einzelnen Baracken vollzog sich reibungslos. Die schönen Blumenanlagen im Lager, sowie die herrliche Aussicht über die Förde verschönen den Heimkehrern die letzten Tage in Dänemark. 
    73       Trotz der starken Transportbelegung (tausendfünfhundert Heimkehrer in der Woche) herrscht im Lager peinlichste Sauberkeit. Dank der intensiven Organisation geht alles einen ruhigen und geregelten Gang. Man muss staunen und anerkennen, was für eine grosse Arbeitslast die Lagerleitung sowie auch die Barackenältesten vom Stamm zu bewältigen haben. 
    74 Die Ruhe im Lager wird nur durch das zeitweilige Ertönen der Lautsprecher unterbrochen, durch welche sämtliche Meldungen den Heimkehrern übermittelt werden. Jeder Heimkehrer erhält nach Bedaft und zur dortigen Verfügung Essgeschirr und zwei Wolldecken. 
    75 Die Kaltverpflegung ist gut. Die Ausladung des Gepäcks geht in schnellsten Tempo unter der Mithilfe aller arbeitsfähigen Jünglinge und Männer der Heimkehrer vor sich, und wird, um Kräfteaufwand zu sparen, ein laufendes Band von Bänken aneinandergereiht, um die Gepäckstücke zur Koltrollbaracke zu befördern. Eine einfache, aber praktische Erfindung. 
    76        Obwohl die Gepäckkontrolle im Allgemeinen immer eine aufregende Angelegenheit ist, verlief sie zur grössten Zufriedenheit der Heimkehrer. Die ruhige und sachliche Art, mit welcher die dänischen Beamten ihre Pflicht taten, wirkte auf die Heimkehrer imponierend. Ich miss mit aller Entschiedenheit zurückweisen, was manche Heimkehrer durch Schreiben in den Flüchtlingslagern verbreitet haben, und somit Unruhe stifteten, dass bei der Kontrolle sehr scharf vorgegangen werde. 
    77 Ich selbst habe festgestellt, dass den Heimkehrern nur dänische sowie Wehrmachtseigentum abgenommen wurde. Wenn aber Heimkehrer betroffen wurden, welche in doppelten Böden, oder sonst irgendwo 50 Stück Seife und mehr untergebracht hatten, wurde ihnen natürlich diese abgenommen. 
    78        Man muss auch hier etwas unangenehmes mit in Kauf nehmen und zwar das Desinfizieren, welchem sich niemand entziehen darf und die manche schöne Dauerwelle bei den Damen vernichtet. Das Verladen zur Abfahrt nach Deutschland wird mit geringstem Zeitaufwand durchgeführt. Ein gut durchdachter Plan tat hier sein Bestes. Jeder Heimkehrer erhält seinen Sitzplatz.
    79 Die einzelne Wagenbelegschaft stellt sich auf den hierfür durch Lautsprecher sowie durch Plakate gekennzeichneten Platz auf und wird dann auf kürzestem Wege nach dem bestimmten Wagen durchgeschleust. 
    80         Ich möchte ferne noch bemerken, dass bei der ganzen Abfertigung des Transportes die dänischen Beamten stets hilfsbereit und zuvorkommend waren. 
    Fritz Wölk,
    Heimkehrer im Durchgangslager III