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Deutsche Nachrichten 1947 Nr 43

 vom 3. November 1947

Deutsche Nachrichten 1947 nr 43

 fra 3. november 1947.

 
  •  Niemals vergessen af Wilhelm Sadlowski, Knivholt Baracke 201: #1.
  • Frontlazarett Ahlbeck af Lieselotte Uhl, Oksbøl. #9.
  • Deutschland als Bauernstaat af Hermann Friedrich Schulz, Aalborg-Ost III Altersheim #30.
  • Zwei Briefe aus der Ostzone 1) Heimatlos af Martha: #38.
  • 2) Gut eingelebt af Anna #51. Red. bemærk: #63.

  • Hunger, Elend und Not af J. Nolte, Rye, Baracke 131. #65.
  • Glem aldrig
  • Frontlazaret Ahlbeck
  • Tyskland som bondestat
  • To breve fra østzonen 1) Hjemløs
  • 2) Godt indlevet

  • Sult, elendighed og nød. 
     1 Niemals vergessen
               Wollen wir den richtigen Weg zur wahren Demokratie einschlagen, dann steht uns die ernste Aufgabe bevor, den Nazismus, der noch vor 2½ Jahren die ganze Welt unsicher gemacht hat, nich in Vergessenheit zu bringen. Der Gerechtigkeit nach, die jedes Volk erhöht, gehören die Nazisten entsprechent ihrer eigenen Erfindung mehr und mehr an den Strang. 
    3  Den Mitläufern, Fürsprechern und Gönnern der NSDAP sollte man Gelegenheit geben, den von ihnen erstrebte Raum im Osten kennen zu lernen. Es ist an der Zeit, dass unsere schuldlosen Kriegs- und Zivilgefangenen gegen diese Elemente ausgetauscht würden. Keiner darf sich einbilden, dass dieses grösste Weltverbrechertum aller Zeiten damit zu hart belangt werden würde. 
    4  Denken wir einmal zurück an die Milde der Revolution von 1918, die nicht einmal die Junker wie Hindenburg, Göring usw. erfasst hat, und die uns schon nach Ablauf von einigen Jahren jede demokratische Kraft aus den Händen gerissen hat. Auch die nazistische Jugend, namentlich die, die von Nazieltern abstammt oder die im Begriffe war, ihr Studium in Hitlerschulen zu absolvieren oder es bereits getan hat, darf in keinem Falle vergessen werden. 
    5  Wir haben genug Eindruck bekommen, auf welche scheussliche Art von Schwindel, Lug, Trug, Erpressung, Spitzbubereit und gröbstem Verbrechen der Nazismus aufgebaut war. 
    6          Über die betrügerischen Mehrstimmen in den Wahlurnen brauchen wir uns heute keine Sorgen mehr zu machen. Diese Stimmen haben damals die führenden Angehörigen der NSDAP in die Urne getragen. Vielfach ist es den Nazistromern und Folterknechten auch gelungen, unwillige Stimmen für ihren Führer zu erpressen.
    7  Er erübrigt sich auch jede Diskussion über die Ruhmestafel des dritten Reiches. Jeder gesund denkende Mensch wird Hitlers Legionen mit den Stachelameisen Brasiliens vergleichen können. Der Unterschied ist lediglich der, dass die Stachelameisen die durchzogenen Gebiete desinfizierten, während Hitlers Armeen sie verscuchten und verwüsteten. 
    8  Nur durch den Aufwand des grössten Weltkrieges konnte das Heil-Hitler aus der Welt geschaffen werden. In der NSDAP offenbarte sich die Hintergehungssucht und der Grössenwahn vieler im deutschen Volke. Die wahre Demokratie wird erst entstehen, wenn die Nationalsozialisten gleich welchen Geschlechts dort untergebracht werden, wo sie hingehören. Was die Nationasozialisten uns angetan haben, das wollen wir ihnen nie vergessen. 
    Wilhelm Sadlowski,
    Knivholt Baracke 201. 
    9 Frontlazarett Ahlbeck
    10         Manchmal ergeben sich wesentliche Gespräche aus kleinen Anlässen. So entstand jedenfalls unsere Plauderei: aus dem Geschimpfe einer besorgten Mutter mit ihrer widerspenstigen, schmollenden Tochter. 
    11          "Das Lagerleben verdirbt aber auch die Kinder ganz und gar, früher war Ruthchen ein so fleissiges, arbeitsames Kind. Eine richtige, kleine Hausfrau. Während ich im Kriegslazarett arbeitete hat sie zu Hause alles besorgt," stöhnt die geplagte Mutter. 
    12          "Kriegslazarett"?, fragt jemand aus der Stube interessiert und anteilnehmend. Ich liege noch in Halbschlaf, bin aber mit einem Male hellwach und lausche gespannt jedem Wort, das sich während der Morgentoilette auf meinem Zimmer ganz zufällig ergibt. Irgendwie bin ich innerlich gepackt, fühle mich bewegt, ja es gruselt mir fast, und ich werde aus meiner Gelassenheit ruckartig herausgerissen. Unvergesslich ist, was ich höre: 
    13        "Es ging heiss zu in Ahlbeck, jenem kleinen, reizenden Ostseebad bei Swinemünde. Ich arbeitete als Krankenschwester, hatte Protokolle für drei ständig operierende Ärzte zu führen, eine Tätigkeit, die man in ruhigen Zeiten Unterärzten anvertraute. Zu uns drang bereits der Donner der nahegerückten Front, unser Betrieb lief Tag und Nacht, so dass wir zur Selbstbesinnung keinerlei Zeit fanden.
    14         In fieberhaftem Tempo amputierten und operierten die Ärzte, während sie mir gleichzeitig den Befund diktierten, den ich soroft handschriftlich in die Krankengeschichte eintrug, weil wir zu Stenogrammen und späteren Übertragungen "ins Reine" niemals Zeit gefunden hätten. 
    15   Der Raum war klein, kaum Platz, um sich herumdrehen zu können. Auf den Gängen lag Patien an Patien deren Stöhnen und Schreien einem durch Mark und Bein ging. Ihre Exkremente flossen in die eiternden Wunden. Einer mit amputierten Gliedern wurden vorbeigetragen. Ein schauerlicher Anblick, wenn irgendwo drei abgeschnittene Beine herumstanden oder ebenso viele Arme ...
    16  Manche armen Teufel verloren gar beide Beine und beide Arme. War es ein Wunder, wenn die meisten Verletzten um nichts anderes als ein Mittel baten, das ihrer Qual ein ewiges Ende bereiten würde? 
    17          Wie oft habe ich einem Sterbenden noch Name und Anschrift seiner nächsten Angehörigen förmlich ausgequetscht, damit wir wenigstens an seine Liben schreiben konnten. Aber wie vielen musste ich die Augen zudrücken, ohne dass sie sprechen und sagen konnten, was sie in ihren letzten Lebensminuten bewegte.
    18        "Machen Sie sich nett", sagte einmal ein Arzt zu mir, "damit Sie wenigstens für diese Schwergeprüften zu einem Lichtpunkt werden."
    19         Und ich zog in der Tat meine schönsten Kleider an, nur um den Todkranken einen schönen Anblick zu bieten, der sie wieder an eine vergessene kultivierte Welt erinnerte, die für sie unendlich fern zu liegen schien. 
    20         Sahen wir die Fotografien in den Soldbüchern zeigten sie immer hübsch, blutjunge, gepflegte Gesichter von Achtzehn- und Zwanzigjährigen, aus denen nun bebärtete, manchmal bis zur Unkenntlichkeit entstellte Männer geworden waren, die wie Hunde verendeten. 
    21        Grotesk muteten einem fast alle materiellen Dinge an, die das Hitlerreich als Pflaster auf unheilbare Wunden affahren liess: Sekt, Honig, Zigaretten, Schokolade und viele Dinge, die anderen Deutschen seit Jahren zu einem Fixierbild geworden waren, standen den Schwerverwundeten zur Verfügung. 
    22  Aber was half es? Jeder hätte tausendmal lieber den Leibriemen enger geschnallt, anstatt unter grässlichen Schmerzen elendiglich zu gehen oder lebenslang als Krüppel und Bürde für die Mitmenschen sein trauriges Leben zu fristen. 
    23         Wir Schwestern taten unser Möglichstes im Ton, in der Pflege, um unseren Kranken alles zu sein, was wir ihnen unter diesen Verhältnissen nur sein konnten.
    24        Und Ruthchen kam täglich, fütterte die einen und erzählte den andern. Sie war der Sonnenschein im Lazarett. Jeder rief am Morgen nach ihr, d. h. jeder, der sprechen konnte.
    25        Einmal -- ich vergesse es nie -- bat ein Achtzehnjähriger um einen Karton, in dem er seine Habseligkeiten packen und an sein Mädchen senden wollte. Er gab keine Ruhe, bis ihm sein Wunsch erfüllt wurde. Seine Kameraden lachten ihn scherzend und neckend aus wegen seines übertriben wirkenden Eifers. 
    26 Er packte sein Päckchen zusammen, schrieb die Adresse auf und -- sank tot in die Kissen zurück. In dem von sieben Menschen belegten Raum herrschte eine Grabesstille. Auf jeden hatte dies Beispiel der Vorahnung einen tiefen, sehr tiefen Eindruck hinterlassen, bei dem man das Gefühl, dass es trotz allem noch eine Vorsehung gäbe, nicht los wurde. 
    27       Die Wochen in Ahlbeck kann ich niemals vergessen, niemals! Noch lange Zeit später ekelte mich das Lachen unbesorgter Menschen an, die ich nicht mehr begriff und die -- je gesünder sie waren, desto egoistischer handelten. Unsere Kranken trugen keine Maske mehr und für sie gab es nur noch eine Macht und einen Trost: Gott. 
    28        Dieses Gespräch habe ich nicht aus Sensationslust festgehalten. Ich will nur jedem eindringlich vor Augen führen, was ein Krieg bedeutet und für jeden einzelnen von uns bedeuten kann, denn niemand ist sicher, dass er nicht an der Stelle von jenen stehe, die einen so bitteren Weg gehen mussten wie die deutschen Verwundeten in Ahlbeck. 
    29  Jeder einzelne soll aufgerufen werden, an sich selber zu arbeiten und auf dem Platz, an den er gestellt wurde, dafür zu wirken, dass Friede werde, Friede aber vor allem in seinem eigenen Herzen und in seiner eigenen Seele. Möge er die Macht der Güte und der Liebe wachrufen, damit aus der Zeit des Unterganges und der Not ein Weg führe, der unser als Menschen würdig ist. 
    Lieselotte Uhl, 
    Oksbøl. 
     
    30  Deutschland als Bauernstaat Tyskland som bondestat ...
    31 bedeutet den Wandel vom Ungeist zur Vernunft, über Not zur Tugend, heiss Krieg dem Wahn, dass ohne Handel und Industrie kein Volk leben kann, dass also Massenelend und Massentod dem Leben diene. Dem Leben dient die Heimatwirtschaft seit alten Zeiten, darum wünschen wir Herstellung der deutschen Grenzen von 1920 als vernünftige Friedensgrundlage. .... betyder forvandling fra uånd til fornuft, fra nød til dyd, betyder krig mod det blændværk, at intet folk kan leve uden handel og industri, at altså masseelendighed og massedød tjener livet. Livet tjener hjemstavnsøkonomien fra gammel tid, derfor ønsker vi genoprettelse af de tyske grænser fra 1920 som et fornuftigt fredsgrundlag. 
    32  Wir fordern Aufhören der Verschwendung mit Fleisch, der 2/5 der ganzen Landbaufläche dienen. Die Gelände für unnötigen Massen-Verkehr, Luxus- und Kriegsbetriebe müssen samt allen Nutzstoffen und -kräften frei werden für die Heimatwirtschaft. 4/5 mehr Arbeiter mit Familien auf den Lande bedeutet Erzeugung des besten Düngers aus kompostiertem Abortstoff.  Vi kræver ophør af den bortødslen med kød, der tjener 2/5 af hele den opdyrkede jord. Den jord, der er lagt ud til unødig massetransport, til luksus og krigsforretninger, må gives fri til hjemstavnsøkonomien samt til alle nyttestoffer og nyttekræfter. 4/5 flere arbejdere med familier på landet betyder fremskaffelse af den bedste gødning fra komposteret afføring. 
    33 Vermeidung von Krankheiten, die seit der Verwendung von Kunstdung auftraten. Die Verbindung aller Volksglieder mit der Natur bewirkt gesundes Fühlen, Denken, Arbeiten, Wohnen und Geniessen, stete körperliche, geistige und seelische Kräftigung. Mit Handarbeit werden höchste Erträge erzielt bei Landbau, Obst- und Bienenzucht.  Så undgår man de sygdomme, der optrådte efter, at man begyndte at anvende kunstgødning. Alle folkemedlemmers forbindelse med naturen fremelsker sund følelse, tænkning, arbejde, bolig og nydelse, stedse legemlige, åndelig og sjælelig styrkelse. Med håndens arbejde bliver de højeste resultater opnået ved agerdyrkning, frugtavl og biavl. 
    34 Mit Gemüse werden von gleicher Fläche 15 mal mehr Menschen ernährt als bei Erzeugung von Fleischkost. Die vielen Hände können mit einfachen Mitteln grosszügige Aufforstungen, Ent- und Bewässerungen, Wasser- und Windschutzanlagen ausführen und Neuland gewinnen. Die Verbraucher wohnen meist am Ort der Erzeugung, das erspart verlustreiches Hin und Her von Menschen und Gütern.  Men grønsager bliver der på det samme areal ernæret 15 gange flere mennesker, end hvis man dyrker kødkost. De mange hænder kan med enkle midler udføre storladne skovplantninger, afvanding og vanding, vand- og vindbeskyttelsesanlæg og indvinde ny jord. Forbrugerne bor for det meste ved dyrkningsstedet, de sparer tabgivende frem og tilbagetransport af mennesker og gods. 
    35         Allein in der Markgenossenschaft mit gleichen Rechten und Pflichten bei möglichst allseitiger altväterlicher Selbstversorgung kann der Einzelmensch gut gedeihen; in einer sauberen Umwelt, bei einfach übersichtlichem, vom Volk lenkbaren Leben kann er seine Fähigkeiten zum Eigen- und Gemeinnutz voll entwickeln, er kann seine gesunden Bedüfrnisse nach heimischem, körperlichem, geselligem und seelischen Wohlbefinden voll befriedigen; mit Nah- und Weitblik, verantwortungsfähig, besitzt er die sittliche Kraft zur Mässigung der Wünsche, die er mit seinen natürlichen Kräfte und Heimatmitteln erfüllen kann.         Det enkelte menneske kan kun trives i markfællesskabet med samme rettigheder og pligter med så vidt mulig alsidig gammeldags selvforsørgelse; i en ren omverden, ved et enkelt, overskueligt liv, lænket til folket, kan han fuldt ud udvikle sine færdigheder til sin egen nytte og til fællesskabets nytte, han kan fuldt ud tilfredsstille sine sunde behov efter hjemligt, legemligt, fællesskabsmæssigt og sjæleligt velbefindende; med blik for det nære, med blik for det fjerne, ansvarlig, besidder han den sædelige kraft til mådehold med de ønsker, som han kan opfylde med sine naturlige kræfter og hjemstavnsmidler. 
    36        Das ist für die Gegenwart der gerade Weg zur Überwindung der die Welt bedrohenden Gegensätze zwischen Ost und West, der von Kapitalismus und Bolshewismus gleich unmenschlich betriebenen Robotterei um den Massenverbrauch für die seelisch unbefriedigten Industrievergötterer und ihrer Sklaven. Auf der Grundlage der gesunden Bedürfnisse gelangen Persönlichkeit und Gemeinschaft zur wahren Freiheit, d. h. "zur Möglichkeit, unter allen Bedingungen das Vernünftige zu tun". (Goethe)         Det er for nutiden den lige vej til overvindelse af de modsætninger, der truer verden, modsætningen mellem øst og vest, til overvindelse af det robotteri, der lige umenneskeligt bedrives af kapitalisme og bolsjevisme efter masseforbrug af de sjæleligt utilfredsstillede industriforgudere og deres slaver. På de sunde behovs grundlag når personlighed og fællesskab frem til sand frihed, dvs. "til mulighed for under alle betingelser at gøre det fornuftige". (Goethe). 
    37          Verantwortungsbewusste Bindung des Menschen an die Lebensgesetze der Bodenständigkeit, Naturpflege, Gleichachtung und Mässigung macht Ehre und Wohlstand der Menschheit aus. Findet der Wandel zur Vernunft nicht ohne Verzug statt, geht es mit verantwortungsloser Erfindung von Massenvernichtungsmitteln weiter, so ist -- aus Feigheit zur Vernunft -- das schreckliche und schändliche Ende der Menschheit da. 
    Hermann Friedrich Schulz,
    Aalborg-Ost III Altersheim. 
            Menneskets ansvarsbevidste binding til livslovene om jordfasthed, naturpleje, ligeagtelse og mådehold udgør menneskehedens ære og velstand. Hvis forvandlingen til fornuft ikke finder sted uden tøven, hvis det går videre med ansvarsløs opfindelse af masseødelæggelsesmidler, så er menneskehedens skrækkelige og skændige afslutning for hånden -- af fejghed mod fornuften. 
    Hermann Friedrich Schulz.
    Aalborg Øst. 
    38  Zwei Briefe aus der Ostzone
    Heimatlos
    39        Mehr als gut ist, gehen meine Gedanken nach Kopenhagen und im besonderen zu Dir. Nun est das wahr geworden, was ich vorher schon immer sagte, dass ich gerne an dieses schöne Land zurüchdenken werde. Ich denke hierbei nicht nur an die leiblichen Genüsse -- wenn sie für uns auch nur spärlich anfielen --, nein, es ist der Frohsinn, dem wir in vieler Form begegneten und von dem hier kaum etwas zu spüren ist. 
    40 Verdriessliche Menschen sehen Dich an, einer gönnt dem anderen nichts oder nur wenig. Am meisten tun mir die Kinder leid, wie genügsam sind sie doch im Vergleich zu uns, die wir in diesem Alter doch manches Schöne hatten, sei es an Leckereien oder an Spielzeug.
    41 Im Sommer war ich bei meinen Eltern und Geschwistern. Meine Mutter habe ich kaum wiedererkannt, auch mein Vater und meine älteste Schwester haben rapide abgenommen; die Tränen brannten mir im Halse, doch durfte ich dies nicht zeigen. 
    42 Für die Fahrt nach dort und zurück brauchte ich allein zwei Tage, dazu drei Tage Aufenthalt d. h. fünf Tage ohne Mittagessen. Das zu bereiten, war nicht möglich gewesen, da es ja schon wochenlang keine Kartoffeln gab und das Gemüse fiel nur sehr spärlich an. Meine Mutter schleppt sich nur müde dahin und mein Vater geht zu Bekannten arbeiten, macht Holz klein und sonstige anfallende Arbeiten, um dort Essen zu bekommen. 
    43 Ausserhalb der Stadt haben meine Eltern zusammen mit meinem Schwager ein Stückchen Land gepachtet, doch es ist im wahrsten Sinne des Wortes Märkische Heide. Meine älteste Schwester fuhr fast jeden Abend hinaus, um dieses Fleckchen Erde zu begiessen; so an die 50 Eimer Wasser müssen allabendlich -- der Sommer in diesem Jahr war furchtbar trocken und heiss -- etwa 75 m getragen werden und wenn man nur wenig im Magen hat, ist das nicht leicht. 
    44         Beide sind wir schon weniger geworden, es ist so gekommen, wie man mir das vorausgesagt hat, doch hoffe ich, dass ich jetzt genug verloren habe und mein Corpus sich an die Ernährungsweise in Deutschland gewöhnt hat. Ich sehe ja an und für sich nicht blass aus und so ist es mir nicht sehr anzumerken, doch anders bei meinem Mann, er sieht wirklich nicht gut aus und ist immer müde, dazu fehlen ihm sehr die hier nur spärlich zu habenden Zigaretten. 
    45 Aus all dem wirst Du ersehen, dass es nicht sehr ratsam ist, sobald nach Deutschland zurückzukehren und ich würde jeder Mutter mit kleinen Kindern raten, so lange es geht, in dem unfreiwilligen Gastlande zu bleiben. Was nin mein Einleben hier anbelangt, so ist das nicht so einfach. Der sächsische Dialekt war ja nie Musik für meine Ohren und das Misstrauen einer dem anderen gegenüber macht das Leben hier nicht schöner. 
    46  Anschaffen können haben wir uns bisher noch nichts. Unendlich viel Zeit braucht es, um überhaupt etwas zu bekommen. Grüsse alle recht herzlich von mir und sie sollen zufrieden und glücklich sein, dass sie in Dänemark bleiben dürfen. 
    47          Habe ich Dir nun genug berichtet? Schreibe auch Du mir recht viel und vor allen recht bald. Kløvermarken war uns so recht zur zweiten Heimat geworden und wir kommen uns jetzt, da wir wieder in Deutschland sind, noch heimatloser vor. 
    48  Oft und oft gehen die Gedanken zurück und suchen die vergangenen schönen Tage. Im Traum noch mehr als beim Wachsein. Am meisten leiden wohl die älteren Leute, wie auch meine Eltern, unter dem Verlust der Heimat. Meine Mutter hofft immer noch, dass sie einmal wieder zurückkann. Doch das habe ich ihr ausgeredet. Wenn es uns einmal wieder besser gehen wird, dann lässt sich vieles leichter ertragen, doch nicht einmal absehen kann man, wie lange es noch dauern wird. 
    49  So lange die Menschen hier nicht satt werden, solange werden auch Freude und Zufriedenheit nicht wieder zu uns kommen. Die Hilfe, von der so viel gesprochen wird, muss recht bald kommen, sonst sehe ich sehr schwarz. Ich will bald wieder mal Kuchen essen können, dann werde ich auch wieder frohere Briefe schreiben.
    50        Herzlichst grüsse ich Dich!
        Deine Martha. 
    51  Gut eingelebt
    52         Recht herzlichen Dank für Deinen lieben Zeilen. Na. der Brief ist vielleicht rumgewandert, von Pontius zu Pilatus und ist doch glücklich bei mir gelandet. Meine Wirtin sagt zu mir: Was haben Sie für einen komischen Brief erhalten, das kann man doch garnicht lesen. Sie wusste ja nicht, dass er aus Dänemark kam.
    53  Wie Du siehst, bin ich nicht in Gotha, sondern in einem netten kleinen Städtchen in Sachsen und wohne bei einer sehr netten Dame, die so gut zu mir ist wie eine Mutter. Ich habe ein nettes Zimmer unterm Dach juchhe! Doch das macht nichts, die Hauptsache ist, ich habe ein Dach überm Kopf. Habe mich hier schon ganz gut eingelebt. Meine Beschäftigung habe ich auch schon. Ich arbeite in einer Fabrik für den Russen. 
    54 Ich arbeite von früh 7 Uhr bis 12 Uhr mittags und von 13 Uhr bis 18 Uhr. Wenn viel zu tun ist, machen wir oft Überstunden. Ist aber wenig zu tun, so haben wir ganze Tage frei. Es lässt sich also leben. Im Betrieb bekomme ich auch mein Mittagessen, wie Du ja weisst, ist das für den Deutschen die Hauptmahlzeit. Dass es mir gut schmeckt, dafür sorgt ebenfalls der Russe. Nie gibt es Grütze wie in Dänemark, sondern viel Gemüse und viel Obstsuppen. Gestern hatte der Chef der Firma Silberhochzeit, da gab es zu essen und zu trinken in rauhen Mengen.
    55 Die Lebensmittelrationen richten sich hier ganz nach dem Arbeitsverhältnis. Ich habe auch eine höhere Kartengruppe und damit lässt es sich schon ganz gut leben. Ausserdem gibt es hier Obst in Hülle und Fülle. Habe mir schon einige Gläser Marmelade gekocht, muss doch schon für den Winter vorsorgen. Am Abend gehe ich fleissig Obst sammeln und auch Ähren lesen. 
    56  Die tausche ich dann um in Mehl und backe mir einen Kuchen, so richtig mit Schmurks. Kartoffeln sammeln gehe ich auch; meistens gehe ich dann in die britische Zone, denn unser Ort liegt hart an der engl. Zone. Ich bin schon oft drüben gewesen und habe mir verschiedenes geholt. Ja, man muss immer sehen, wie man vorwärts kommt. 
    57  Habe mit einem Russen Bekanntschaft gemacht und das ist sehr günstig. Meine Wirtin hat einen grossen Obst- und Gemüsegarten, da fällt für mich auch immer noch etwas ab. Dafür helfe ich ihr wieder auf andere Art, eine Hand wäscht immer die andere. Vor kurzem hatte sie Besuch, da wurde ich auch eingeladen, ich kann Dir sagen, Du hättest mich sehen sollen und Du hättest mich nicht wiedererkannt. 
    58 Ich hatte einen ordentlichen Schwips und rauchte dazu wie so ein Schornstein. Eine Zuteilung an Rauchwaren haben wir auch schon hinter uns und es mangelt uns auch daran nicht, ausserdem schenkte mir ein Russe Tabak und die Zigaretten-Blättchen dazu. Meine Wirtin raucht auch ganz gern und oft sitzen wir beide zusammen und klöhnen. 
    59  Ins Kino gehe ich jede Woche, auch ins Theater und "Bunter Abend". Nichts wird ausgelassen, alles nachgeholt, was man in den 2½ Jahren versäumt hat. Heite gibt es zum Abendbrot Bratkartoffeln und Gurkensalat. Morgen ist Sonntag, da schlafe ich bis 9 Uhr, dann gehts zur Kirche (bin ich nicht fromm?), dann folgt ein feudales Menü und so weiter. 
    60  Jedenfalls fühle ich mich hier ganz wohl und das ist die Hauptsache. Heute abend will ich wieder über die Grenze, es ist doch zu interessant jetzt in Deutschland zu leben; hier in dieser Stadt ist keun Haus zerstört, alles ist ganz geblieben. Es laufen hier viel russische Filme in deutscher Sprache. Sie sind ganz interessant. 
    61          Heute will ich endlich den Brief beenden, den ich vor 14 Tagen angefangen hatte. Die Arbeit in der Fabrik schmeckt mir noch immer ganz gut; habe für meinen Fleiss schon einige Auszeichningen erhalten von der Firma. Darauf bin ich ganz stolz, denn ich arbeite ja erst eine ganz kurze Zeit. Wenn Du mich jetzt sehen würdest, würdest Du staunen, denn ich bin rund wie so ein Rollmops. Ich esse auch fast ohne Unterbrechung. Das kann man bald nicht mehr essen nennen.
    62  So, nun werde ich mir eine Zigarette ins Gesicht steckrn und dann husch, husch ins Körbchen. Nein, vorher noch schnell einen Apfel essen zum Magenabschluss. Acu, ich bin ja immer so übermütig, es ist doch zu schön in der Heimat. So, für diesmal ist Schluss. 
    Anna. 
    63        Zwei junge Menschen von verschiedener Veranlagung erleben Deutschland nach 2½ jährigem Aufenhalt in Dänemark. Martha ist ernst und besinnlich; der Jammer der Zeit drückt schwer auf sie. Anna hat eine goldene Oberflächlichkeit, sie ist ganz allein mit der heiteren Seite des Lebens beschäftigt. 
    64  Niemand von uns kann sagen, wer von diesen beiden Menschenkindern den Weg durchs Leben in Deutschland zm sichersten gehen wird. Niemand kann sagen, wer von beiden die augenblicklichen Zustände am richtigsten beurteilt. Wahrscheinlich haben beide richtig gesehen und richtig geschildert, aber beide haben jede für sich nur den Teil der Verhältnisse gesehen und berichtet, der ihrer Veranlagung als interessant und mitteilenswert erscheint. 
    65 Hunger, Elend und Not Sult, elendighed og nød
    66         Hunger tut weh, Hunger gebiert tolle Gerüchte und verzweifelte Gedanken! Die Parteiführer in Deutschland haben gedroht und gewarnt. Die Gewerkschaften haben unter dem Druck der Massen zu Proteststreiks aufgerufen. Arbeiter haben demonstriert. Bislang war die Unrast das leise Zittern eines aus Hunger verursachten sozialen Erdbebens.            Sult gør ondt, sult føder tåbelige rygter og fortvivlede tanker! Partiførerne i Tyskland har truet og advaret. Fagforeningerne har under massernes tryk opfordret til proteststrejker. Arbejdere har demonstreret. Længe var hvileløsheden de sidste rystelser af et socialt jordskælv, forårsaget af sult. 
    67 Dass die bedrohliche Lage mit Streiks und Demonstrationen nicht gebessert werden und die Besatzungsmacht schwerlich Hungerkrawalle und Unruhen zulassen kann, ist mir erklärlich. Ein solcher Standpunkt lässt sich mit Würde und Menschlichkeit vertreten.  At den truende situation ikke kan forbedres med strejker og demonstrationer og at besættelsesmagterne vanskeligt kan tillade sultoprør og uroligheder, kan jeg godt forstå. Et sådant standpunkt kan godt forenes med værdighed og menneskelighed. 
    68  Doch in Amerikas Deutschland schlug die Faust im eisernen Handschuh auf den Tisch. Dr. James R. Newmann, der Militärgouveneur von Hessen sagte zu den Gewerkschaftsführern: "Ich muss Sie daran erinnern, dass für die Vereinigten Staaten keine aber auch gar keine Verpflichtung besteht, ein Speiseprogramm für das besiegte Land durchzuführen.   Dog i Amerikas Tyskland var der én, der slog en jernnæve i bordet. Dr. James R. Newmann, militærguvenøren i Hessen sagde til fagforeningslederne: "Jeg må erindre Dem om, at der for De forenede Stater ikke bestå nogen forpligtelse til at gennemføre et bespisningsprogram for det besejrede land, ikke nogen overhovedet. 
    69 Niemals zuvor in der Geschichte hat es eine siegreiche Armee unternommen, ein besiegtes Volk zu ernähren ... Wenn sich die Haltung des Volkes nicht bessert, kann es notwendig werden, dass in gewissen Gebieten das Kriegsrecht erklärt oder das Land gar unter vollständige Militärkontrolle gestellt wird. Und vergessen Sie nicht, dass nach den Gesetzen, die sich auf Besatzungsarmeen und Militärregierungen beziehen die Todesstrafe gegen Schuldige verhängt werden kann."  Aldrig før i historien har en sejrende hær påtaget sig at ernære et besejret folk ... Hvis folkets holdning ikke forbedrer sig, kan det blive nødvendigt, at der i visse områder bliver erklæret krigsretstilstand ellet at landet helt bliver stillet under militær kontrol. Og glem ikke, at efter de love, som henholder sig til besættelseshæren og militærregeringerne kan dødsstraf anvendes mod de skyldige."
    70 Den Gewerkschaften verschlug diese Drohung den Atem, denn auf der einen Seite stand die Macht der eisernen Faust, auf der andern Seite der Hunger! Fagforeningerne fik slået luften ud af lungerne med denne trussel, for på den ene side stod jernnævens magt, på den anden side sulten!
    71       Wenn es wahr ist, dass noch nie in der Geschichte der Menschheit der Sieger den Besiegten ernährt hat, so ist es nicht weniger wahr, dass man unserm Volke ein Viertel seines fruchtbarsten Acherlandes genommen hat. Wann hat man jemals so viele Millionen Menschen in den bereits übervölkerten Rest des amputierten Landes getrieben?          Hvis det er sanadt, at en sejrherre aldrig tidligere i menneskehedens historie har ernæret en besejret, så er det ikke mindre sandt, at man har frataget vort folk en fjerdedel af dets frugtbareste agerland. Hvornår har man nogensinde drevet så mange millioner mennesker ind i den allerede overbefolkede rest af det amputerede land? 
    72 Wann hat man die industriellen Produktionsstätten in die Luft gesprengt oder abmontiert? Wann hat man ein verkleinertes Land mit vergrösserter Elendsbevölkeerung in vier luftdicht abgeschlossen Zonen aufgeteilt und so das Wiederaufleben der Wirtschaft und des Handels unterbunden? Hvornår har man sprængt de industrielle produktionssteder i luften eller afmonteret dem? Hvornår han opdelt et formindsket land med en forstørret elendighedsbefolkning i fire lufttæt aflukkede zoner og således forhindret en genoplivelse af økonomien og handelen?
    73         Die deutschen Behörden selbst sind Schuld an der Hungernot und dem Wirtschaftselend? Aber welche reale Macht haben sie denn? Die reale Macht ist die Militärregierung. Es gibt heute keine deutsche Instanz, die die Macht und die Möglichkeit hätte, den Widerstand selbstsüchtiger Kreise mit Gewalt zu brechen.           De tyske myndigheder skulle selv være skyld i sulten og den økonomiske elendighed? Men hvilken reel magt har de da? Den virkelige magt ligger hos militærregeringen. Der er i dag ingen tysk instans, som ville have magt og mulighed til at bryde egoistiske kredses modstand med magt. 
    74 50 Prozent aller Kriegsschäden wären heute beseitigt, hätte man das deutsche Volk nach der Kapitulation wieder an die Arbeit gelassen. Der Hunger hätte niemals dieses Ausmass gefunden, wenn nicht der Hass zur Richtschnur politischen Handelns genommen worden wäre. Besonnene Menschen haben diese Katastrophe vorausgesagt. 50% af alle krigsskader ville i dag have været tilbagebetale, hvis man efter kapitulationen igen havde ladet det tyske folk komme i gang med arbejdet. Sulten ville aldrig havde fundet en sådan udbredelse, hvis ikke hadet var taget som retningslinie for politisk handlen. Ædruelige mennesker har forudsagt denne katastrofe. 
    75 Als Folge dieser Massnahmen müssen die Kosten der Erhaltung der Deutschen die Siegerstaaten tragen.   Som følge af disse forholdsregler må de sejrende stater bære omkostningerne ved tyskernes opretholdelse. 
    76        Ich bitte um unverfälschten Abdruck meiner Einsendung und schliesse mit dem Ausspruch eines grossen Deutschen:         Jeg beder om et uforfalske aftryk af mit læserbrev og slutter med et udsagn af en stor tysker: 
    77 Und zum Adler sprach die Taube: 
    Wo das Denken aufhört, da beginnt der Glaube. 
    Spricht der Adler: Mit dem Unterschied jedoch,
    Wo du schon glaubst, da denk ich noch!
    J. Nolte,
    Rye, Baracke 131. 
    Og til ørnen sagde duen:
    Hvor tænkningen ophører, begynder troen.
    Ørnen sagde: Dog med den forskel,
    at når du kun tror, så tænker jeg endnu.
    J. Nolte,
    Rye.